Impulse | Pfarrgemeinde Herz Mariae

Darstellung des Herrn | Salvator Mundi

Salvator Mundi: Mehr als 450 Millionen?

Der zweite Februar...

Am zweiten Februar, 40 Tage nach Weihnachten, feiern wir die Darstellung des Herrn, früher Mariä Lichtmess. Dieser Tag galt im Liturgischen Kalender der katholischen Kirche früher als Ende der Weihnachtszeit. Vielerorts bleiben noch heute in vielen katholischen Kirchen und Häusern Krippe und Weihnachtsbaum bis zu diesem Datum stehen. Nach der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils Mitte der 1960er Jahre endet nach dem römischen Ritus die Weihnachtszeit jedoch bereits am Fest der Taufe des Herrn. Johannes der Täufer hatte zur Umkehr aufgerufen und zur Bußtaufe. Jesus hatte sich in die Schar der Sünder eingereiht, um ebenfalls getauft zu werden. Über ihm öffnete sich daraufhin der Himmel, und der Vater bezeugte ihn vor der Öffentlichkeit als seinen, von ihm der Welt gesandten, geliebten Sohn. So wird die Taufe des Herrn an dem Sonntag gefeiert, der dem Hochfest der Erscheinung des Herrn (Epiphanie) am sechsten Januar folgt. Der Geist Gottes ist ab jetzt bei Jesus, und in der Kraft dieses Geistes Gottes beginnt Jesus seinen Weg zu den Menschen. -  Wir haben es ab jetzt mit dem „größeren“ Jesus zu tun.

Salvator Mundi (lateinisch für „Erlöser der Welt“ oder „Heiland der Welt“) ist der Titel eines Ölgemäldes, das Leonardo da Vinci (* 1452 † 1519), vielleicht allerdings auch einem seiner Schüler, zugeschrieben wird. Das Bild zeigt Jesus Christus als Heiland der Welt. Entstanden ist es vor rund 500 Jahren. Zwischenzeitlich galt das Werk als verschollen. Bis zum Jahr 2000 befand es sich in Privatbesitz. Anschließend erzielte das Gemälde bei Versteigerungen Rekordsummen. Diskussionen um die Echtheit des Bildes hatten sich offenbar nicht negativ ausgewirkt.

Inzwischen handelt es sich, mit einem erzielten Verkaufswert von rund 450 Millionen Dollar, um das teuerste Gemälde, das jemals versteigert wurde.

Museum Louvre Abu Dhabi | Architekt: Jean Nouvel

Erworben wurde es nämlich im November 2017 vom Louvre Abu Dhabi, dem neuen Kunstmuseum in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Der Name leitet sich vom Pariser Musée du Louvre ab; es besteht auch eine enge Kooperation. Das Museum befindet sich auf der Insel Saadiyat, einem neuen Kultur- und Kunstviertel. Entworfen wurde es vom französischen Architekten Jean Nouvel (* 1945). Ziel war die Verbindung moderner Architektur mit der Tradition arabischer Bauten. Thematisch kein Neuland für Nouvel; hatte er doch Ende der 80er Jahre – mit dem Bau wurde er unter anderem bekannt - das „Institut du Monde Arabe“ in Paris geplant. Die moderne Fassade besteht aus arabisch anmutenden metallenen, beweglichen Ornamenten, die das Innere des Gebäudes mit einem interessanten Licht- und Schattenspiel versehen. So finden sich auch am Bau des Louvre Abu Dhabi 8.000 Sterne aus Metall auf einer weitgespannten flachen Kuppel. Lichtstrahlen fallen auf die darunter liegenden Gebäudeteile und Wasserflächen.

So lag es auch offenbar nahe, dem geschwisterlichen Bau zum Louvre in Paris – dort hängt die berühmte Mona Lisa Leonardo da Vincis – ebenfalls einen echten (?) Da Vinci zuzuführen. Mag das Bild auch in der kulturell sehr anderen Umgebung fremdeln… oder gar grotesk anmuten: Ein Bildnis Jesu Christi als Publikumsmagnet des arabischen Louvre; zumal in der Heimat des Kulturstifters, des Prinzen Bader, die Einfuhr von Bibeln bei Strafe verboten ist, ebenso wie das Tragen christlicher Symbole. Das Errichten von Kirchen ist in Saudi-Arabien untersagt, und die Konversion zum Christentum stellt ein todeswürdiges Verbrechen dar… Nun ja. Tatsache ist: Christliche Kunst und Religion sind in das neue Museum eingezogen.

Das Gemälde jedenfalls zeigt Jesus in einem blauen Gewand. Blau galt damals als die wertvollste Farbe, denn sie musste mühsam aus Lapislazuli gewonnen werden; darum trägt auch Maria auf vielen Gemälden blau. Zwei Edelsteine und eine Brokatbordüre unterstreichen den edlen Charakter der Kleidung. Jesu Haare sind sorgsam frisiert. Sein Blick ist ruhig und ernst. Man fühlt sich angesehen, anders als es bei der Mona Lisa der Fall ist, die leicht, verschmitzt, an einem vorbeizuschauen scheint, vergleicht man die beiden Bilder. Dies ist auch der Darstellung geschuldet. Während die Mona Lisa ihr Gesicht aus einem leichten Seitenprofil dem Betrachter entgegenwendet, blickt Jesus uns frontal entgegen. Diese Art der Darstellung kennen wir aus der Malerei überwiegend ostkirchlicher, d.h. orthodoxer bzw. byzantinischer Ikonen; in der Renaissance galt sie eigentlich als nicht (mehr) üblich. Die Zentralperspektive war erfunden, auch maßgeblich mitentwickelt durch Leonardo da Vinci. Das Bild „Das Abendmahl" nahm wegen seiner korrekt wiedergegebenen perspektivischen Tiefe gar bahnbrechenden Einfluss auf die Malerei der europäischen Renaissance. Die perspektivische Darstellung rückte nun eigentlich auch die Motive der christlichen Ikonografie in einen räumlich richtig konstruierten Zusammenhang.

Zweck von Ikonen war und ist, eine existenzielle Verbindung zwischen dem Betrachter und dem Dargestellten herzustellen. Das Ikonenhafte im Bild „Salvator Mundi“ entsteht also zunächst durch die Frontalabbildung. Während echte Ikonen als typisches stilistisches Gestaltungsmerkmal den Hintergrund nichtgeometrisch zusammenzufassen suchten, um nicht „abzulenken“, nutzt da Vinci, entgegen der Zeit, gar keine Perspektive; er verzichtet radikal auf jeglichen Hintergrund, treibt gewissermaßen das Ikonenhafte auf die Spitze. Jesus befindet sich vor dem absoluten Dunkel. Wir schauen Jesus an, und Jesus blickt uns an. Es findet eine – intensive - Begegnung statt. Somit wird, sehr stark, Ehrfurcht erweckt, auch Ehrfurcht vor Gott.

Bild- bzw. zeichenhafte Begegnungen sind für Menschen wichtig, denn sie finden Bedeutungen darin. So wie ein Kind, das spielt und dadurch in der Phantasie in eine andere Welt eintaucht oder man sich auch gerne an die Heimat zurückerinnert, werden tote Dinge lebendig oder Erinnerungen an Menschen gegenwärtig. Dinge verlieren so ihr Eigendasein; sie verwandeln sich und weisen auf Tieferes, Höheres und Wertvolleres hin. Auch Blickkontakte haben Bedeutungen; durch sie treten Menschen miteinander in Beziehung. – Jesus tut dies in diesem Bild mit uns.

Doch auch Gesprochenes und Gesten sind weit mehr als nur Wörter oder Handbewegungen: sie können ärgern und trösten, verletzen und heilen, Nähe schaffen und auf Distanz gehen… Jesus hat im Bild die rechte Hand zum Segen erhoben, übrigens ist diese durchaus in perfekt wiedergegebener perspektivischer Tiefe von da Vinci dargestellt. Die charakteristische Geste zeigt: Daumen, Zeige- und Mittelfinger sind gestreckt, die verbleibenden zwei Finger gebeugt.

„Segen“ ist dem Lateinischen (signum) entlehnt und bedeutet „Zeichen“ oder „Kennzeichen“, später auch „Kreuzzeichen“. Segen bezeichnet einen Ritus, wodurch Menschen (oder Dinge) Anteil an göttlicher Kraft oder Gnade bekommen sollen. Der christliche Begriff „segnen“ entspricht dem lateinischen „benedicere“ und bedeutet „von jemandem gut sprechen“, ihn „loben“, „preisen“. Den Segen ausprechen über jemanden bedeutet das Zusichern von Schutz und Bewahrung. Der Segen erfolgt mit Worten und Gesten, so z.B. einem Kreuzzeichen oder per Handauflegung. Dies symbolisiert die Zuwendung Gottes.

Man spricht also bei wiederkehrenden Gesten von Riten. Diese heben unser Tun aus der Gewöhnlichkeit, Sachlichkeit und Nüchternheit heraus. Auch im Alltag sind Riten oft wichtige symbolische Handlungen, weil sie in gleicher Weise wiederkehren und doch ihre Bedeutung nie verlieren. Es fängt beim „Sich-die-Hand-geben“ an… Sichtbar wird Dank oft erst so recht bei der Verleihung von Orden, Medaillen oder Urkunden im Rahmen einer feierlichen Handlung. Die Gegenwart wird gefeiert, sich der Vergangenheit erinnert, die Zukunft angesteuert.

Wird man sich dessen bewusst, erklärt sich auch die Bedeutung von Sakramenten (lateinisch für „Heilszeichen, Heilsmittel, Heilsweg, sichtbares Zeichen der verborgenen Heilswirklichkeit“) Christen fast wie von selbst. Als Sakrament (katholisch: Taufe, Eucharistie, Firmung, Buße, Krankensalbung, Ehe, Priesterweihe) bezeichnet man im Christentum den Ritus, der als sichtbares Zeichen beziehungsweise als sichtbare Handlung den unsichtbaren Gott vergegenwärtigt und an ihr teilhaben lässt.

Leonardo da Vinci, Salvator Mundi, 1490, Öl auf Leinwand, 66 x 45 cm, Louvre Abu Dhabi

In seiner linken Hand hält Jesus eine große Kristallkugel - nichts ist übrigens in der Perspektive schwerer darzustellen als eine Kugel -. Sie ist ein Symbol für die Welt, die  er  in seinen Händen hält. Ein Symbol, das man anfassen kann wie „Orden, Medaillen oder Urkunden“.

Kristallglas, überhaupt Glas, ist zerbrechlich. "Ich bin der gute Hirte. Ich kenne meine Schafe und meine Schafe kennen mich. So kennt mich auch der himmlische Vater und ich kenne ihn." (Joh10,14 f) Dass Jesus für seine sensiblen "Schäfchen", uns Christen, da sein will, wird offensichtlich, im Dialog, als Mittler: Gott schaut dich mit Liebe an.

Zusammenfassung:

Überall finden sich sichtbare und hörbare Zeichen: Man gibt sich die Hand, schreibt sich Mails und Whatsapps, spricht miteinander, wirft sich (vielsagende) Blicke zu, benutzt Symbole. Man kann an diesen Zeichen ablesen, wie Menschen zueinander stehen… Um einem Menschen wirklich zu begegnen, muss man sich auf den anderen einlassen, ihn tatsächlich ansehen und sich von ihm ansehen lassen. Die Begegnung mit anderen Menschen kann einen verändern. Sie kann auch fordern – auch ganz viel von sich selbst.

Im Bild Salvator Mundi schaut Jesus uns auf ganz besondere Weise an. Im Krippenspiel stellten die Darstellerinnen der Hirten Pauline, Melissa und Felicitas als Hinweis auf das Kommende fest: „Ich traue meinen Augen nicht. Noch nie habe ich ein so kleines, neugeborenes Kind lächeln sehen.“ „Das macht mich sehr glücklich.“ „Ja, das Kind lächelt wirklich, und es ist ein Lächeln, wie wenn Mutter oder Vater einem verzeihen.“ In Jesu Gesicht, so häufig und unterschiedlich in der Kunst dargestellt, kann man jedes menschliche Gesicht entdecken - In jedem menschlichen Gesicht kann man das Gesicht Jesu entdecken. „Was ihr einem meiner geringsten Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25,40) … 

Darum ist Jesus also Mensch geworden. Weil er sich verbunden hat mit uns. – Hervorragend dargestellt von Leonardo da Vinci. Wie hoch war nochmal der Preis für das Bild? 450 Millionen Dollar? Wieviel kostet Jesus (wirklich)? Viel mehr: - unser Herz!

Und ein Leben ohne positive Zeichen? – Man verkümmert und wird an Leib und Seele krank.

Christine Striegel

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