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Notre Dame
 

Cathédrale Notre Dame de Paris

in Flammen

Bestürzender Auftakt der Heiligen Woche

Gleich am Abend des Montags, des ersten Tags der Karwoche, brannte die Kathedrale Notre Dame in Paris und war von der völligen Vernichtung bedroht. Notre Dame ist nicht nur die berühmteste aller gotischen Kathedralen Frankreichs, sondern ihre beiden Türme sind auch ein Wahrzeichen von Paris. Das Feuer im Herzen der französischen Hauptstadt ist aus bislang ungeklärter Ursache ausgebrochen. Vermutet wird ein Zusammenhang mit den derzeit laufenden Renovierungsarbeiten.

Notre Dame de Paris, Westfassade, ©. Striegel
Notre Dame de Paris, Blick in den Innenraum, ©. Striegel
Notre Dame de Paris, Versammlung von Christen, ©. Striegel
 

Wenn man erst kürzlich die „Unserer Lieben Frau“, also die der Gottesmutter Maria geweihte Kirche besucht hat, ist die Nachricht besonders erschütternd. Der blaue Himmel über den Türmen, das überwältigende Licht desselben Himmels, der im riesigen Innenraum das Licht über den Lauf der Tageszeiten spielen lässt... Der Priester ist einem, hinter dem Altar stehend, vor Augen, dem Altar, der nun niedergebrannt ist. Die „Feuilles de Chants“, die Handzettel des Messablaufes der Heiligen Messe, die er nebst Konzelebranten mit (uns) Gläubigen und Besuchern der Kirche feierte, lagen auf den binsenbezogenen Holzstühlen, die vermutlich ebenso zu Asche geworden sind.

Fast „gleichzeitig“ berichtete der Deutschlandfunk am selben Tag über den Stellenwert von Religion in Frankreich. „Wie geht es (eigentlich) Gott in Frankreich? Religion werde in Frankreich „viel diskutiert – und immer seltener praktiziert, so das Ergebnis einer Langzeitstudie“. (1) Die Tendenz zur Säkularisierung nimmt den Umfragen zufolge besonders in Frankreich stetig zu, allerdings auch die Toleranz gegenüber Andersdenkenden.

Wird etwa gerade durch letztere die bestürzte, anteilnehmende Reaktion der Franzosen auf den verheerenden Brand erklärlich? Zahlreichen Aussagen zufolge, sind sie in dieser Nacht kaum in den Schlaf gekommen. Oder bzw. offenbar besteht dennoch und doch darüberhinaus eine große Identifikation der Franzosen mit ihrer Kathedrale. 

- Die Kathedrale ist Sinnbild für die Anwesenheit Gottes. Sie selbst steht, dem von unten nach oben aufstrebenden Stils der Gotik entsprechend, für das Himmlische Jerusalem: Von unten nach oben, von Mensch zu Gott – ein Synonym für das Osterereignis. Die Auferstehung Jesu Christi ist für Christen Urgrund ihres Glaubens, auch der Hoffnung auf ein ewiges Leben.

So lässt es bei allen Bildern und Assoziationen, die einem angesichts des schrecklichen Ereignisses durch den Kopf schießen mögen, Hoffnung finden, dass das goldene Kreuz Christi, das über dem Altar hängt, offenbar unversehrt geblieben ist.

Notre Dame de Paris, Blick nach oben, ©. Striegel
Notre Dame de Paris, nach Norden, ©. Striegel
Notre Dame de Paris, Kreuz, ©. Striegel
 

Die Apsis

Was ist mit der Apsis, die den Chor der Kathedrale, wo die Liturgie gefeiert wird, beherbergt? Ist sie beschädigt? Die Apsis gilt als Eingang in die Ewigkeit. Sie liegt dem Orient zugewandt, dort, wo die Sonne der Auferstehung aufgeht, die niemals untergehen wird.

Zu gut sind mir die leuchtenden, bunten, blau-rot-lastigen Fenster der einzelnen Kapellen vor Augen und das Geheimnisvolle dieses Orts präsent. Rot verweist auf die Menschheit, Blau verweist auf das Göttliche. Dort sind Reliquien untergebracht, die nach Aussagen der Pariser Feuerwehr während des Brandes in Sicherheit gebracht werden konnten. Dort beten die Gläubigen; nur sie haben Zugang in diese Bereiche, wenn enorme Touristenströme hinter ihren Rücken vorbeiziehen. Der Zugang der Gläubigen und Besucher zu Kirchen im säkularen Frankreich ist, im Gegensatz etwa zu den bedeutenden Kirchen Englands, kostenfrei – und – damit (!) ausdrücklich erwünscht. Die Säkularisierung Frankreichs war Folge des napoleonischen Zeitalters und bedeutete auch die Aufhebung kirchlicher Institutionen und Verstaatlichung ihres Besitzes.

Notre Dame de Paris, Chapelle Saint Georges, ©. Striegel
Notre Dame de Paris, Seitenkapelle, ©. Striegel
 
Notre Dame de Paris, Apsis: "Cette flamme...", ©. Striegel
Notre Dame de Paris, Apsis, ©. Striegel
 

Wie alle Kathedralen Frankreichs ist Notre-Dame seit 1905 Eigentum des Staates, und die Pariser Priesterschaft ist lediglich „abgeordnet“. Der Staat kontrolliert den Besucherweg der Türme der Kathedrale und stellt die Erhaltung des Gebäudes im Rahmen der Denkmalpflege (Monuments historiques) sicher. Die Priesterschaft, die „das Amt des katholischen Gottesdienstes“ ausübt, ist für Beleuchtung, Heizung, Reinigung und Erhaltung der öffentlich zugänglichen Bereiche des Gebäudes verantwortlich, um dort die Millionen von Pilgern, Gläubigen und Besuchern zu empfangen. (2)

So erklärt sich, dass Präsident Emmanuel Macron umgehend ankündigte: „Wir werden Notre-Dame wieder aufbauen. (Denn das ist es, was die Franzosen erwarten!)“

Hoffentlich behalten die Steine ihr Gewicht und die Gewölbe ihre Schubkraft. Der Dachstuhl aus Holz (aus 1.300 Eichen erbaut) brannte komplett weg. Der Spitzturm darüber brach herunter. Teile des Gewölbes halten aber offenbar stand. Gerade die Strebebögen sind es, die ganz weit oben voller Leichtigkeit Himmel und Erde gotisch verbinden.

Notre Dame de Paris, Nordwand, ©. Striegel
Notre Dame de Paris, Portal des Jüngsten Gerichts, ©. Striegel
Notre Dame de Paris, Westrosette
 

Die Apsis kontrastiert zur eindrucksvollen Hauptfassade, die wie die gesamte Gebäudestruktur gerettet sei, so sagte der Einsatzleiter. Das gelte auch für die beiden Haupttürme. Nicht nur ihre Portale sind sehr bedeutend. Die Motive des bildhauerischen Sandsteinwerks finden sich auch in den Fenstern wieder.

Das Licht im Kirchenschiff ist vor allem durch die fast 10 Meter hohe Fensterrosette in der Hauptfassade bestimmt. Flankiert wird sie von zwei weiteren. In der Mitte ist die Jungfrau mit Kind zu sehen, umgeben von allem, was auf menschliche Aktivität hinweist, Tugenden und Laster. In weiteren Ringen sind Tierkreiszeichen zu sehen, und auch die Monate des Jahres.

Ein weiteres Aufatmen im Schrecken. Denn die Rosetten sind fast die einzigen wirklich alten Glasfenster in Notre-Dame. Andere wurden im 18. Jahrhundert entfernt, um die Helligkeit zu verbessern. Andere entstanden im 19. Jahrhundert unter dem bekannten Architekten und Restaurator Eugéne Viollet-le-Duc und andere, diejenigen eines Jacques Le Chevallier, erst im 20. Jahrhundert. Dies schmälert nicht die Faszination der Kirche, aber nährt die Hoffnung auf zügige Umsetzung der Restaurierung.

Viollet-le-Duc hatte auch die Statuen der zwölf Apostel und vier Evangelisten geschaffen, die treppenartig um den gefallenen Spitzturm angeordnet waren und "glücklicherweise" vier Tage vor dem Unglück abgebaut wurden, um im Südwesten Frankreichs restauriert zu werden.

Wurden die Gebete der Franzosen erhört? Der Innenraum von Notre-Dame blieb von den Flammen doch wohl größtenteils verschont!

Damals wie heute erklären sich viele Menschen für ungläubig. Der Esel an der Krippe, der auch vielfach an der geschnitzten Chorschranke Notre Dames verewigt ist, zeigt, dass jeder Mensch ein Glaubender ist; denn mit jeder Geburt eines Menschen beginnt der Eintritt in das individuelle Labyrinth des Lebens, vielfach dargestellt in sogenannten Kirchenlabyrinthen in den Fußböden vieler Kathedralen – in Notre Dame übrigens nicht.

„Das Denken und das Glauben sind auch keine einander ausschließenden Gegensätze, …, wer denkt, der glaubt. Der Mensch ist nur als Glaubender ein Denkender, ist als Denkender je schon ein Glaubender. Das Nachdenken über das Denken endet im Glauben. Und umgekehrt kann man auch das Nachdenken über den Glauben prinzipiell nicht weit genug treiben.

Ein Kernbestand dieses bedenkenswerten Glaubens ist für uns Christen Gottes Menschwerdung in Jesus Christus. Das ist das menschlich unverständliche und unverständlich menschliche Entgegenkommen Gottes. Und dieses menschliche Entgegenkommen Gottes, das feiern wir an Weihnachten.“ (3) Die Vollendung feiern wir an Ostern.

Dafür steht die Kathedrale.

Christine Striegel

(1) Deutschlandfunk/Aus Religion und Gesellschaft: Stellenwert von Religion | Wie geht es Gott in Frankreich? von Suzanne Krause, 15.04.2019

(2) Monseigneur Jacques Perrier, emerierter Bischof von Tarbes-Lourdes, ehemaliger Priester von Notre-Dame (1983-1990)

(3) Katholische Hörfunkarbeit, Beitrag von Prof. Dr. Ulrich Lüke (Münster), 17.12.2018

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