Impulse zur Osterzeit | Pfarrgemeinde Herz Mariae


» Jesus wurde vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken. «

Apg 1,9


Die Himmelfahrt Jesu

Christi Himmelfahrt. Erste Lesung: Apg 1,1-11

Collage: Christi Himmelfahrt, Matthäus Merian d. Ä., Kupferstich, 1625/27, Kolorierung der Merian-Werkstatt, 1630 + Maria Sybilla Merian, Bananenzweig mit Bullseye Motte, 1701-03 | ©hristine Striegel
 

Die Himmelfahrt Christi des Matthäus Merian

 

Seit dem vierten Jahrhundert feiern wir Christen vierzig Tage nach Ostern das Hochfest Christi Himmelfahrt. Nach dem im Lukas-Evangelium (vgl. Lk 24,50­-53) und in der Apostelgeschichte (vgl. Apg 1.9-11) überlieferten Ereignis sollte sich die erste Christengemeinde begründen. Sie erlebte als österliche Erfahrung, wie Jesus Christus in den Himmel zur Rechten Gottes erhoben wurde (vgl. Apg 5,30-31). Zuvor war er gekreuzigt und nach seiner Grablegung durch Gott von den Toten auferweckt worden.

Das Evangelium, das liturgisch am Hoch­fest verkündet wird (Lk 24,46-53), betont, dass der auffahrende Christus seine Jünger segnet. Sie beten ihn an und versammeln sich anschließend im Tempel, um Gott zu loben (vgl. Lk 24,50-53; Sir 50,20-22).

Jesus wird jedenfalls gemäß erster Lesung (Apg 1,1-11) vor den Augen seiner Jünger emporgehoben und von einer Wolke aufge­nommen (vgl. Apg 1,9). Die Apostel bezeugen dies. Ab nun sollen sie in Gewissheit als Zeugen für den erhöhten, in seiner Kirche fortwirkenden und einst wiederkehrenden Jesus Christus in die Welt gehen (vgl. Apg 1,8). Seine Macht und Herrschaft werden ewig sein (vgl. Dan 7,13-14), wie es ihnen auch durch zwei plötzlich erscheinende Engel gesagt wird (vgl. Apg 1,11).

Christi Himmelfahrt, Matthäus Merian d. Ä., Kupferstich, 1625/27, Kolorierung der Merian-Werkstatt, 1630

Matthäus Merian

Der schweizerisch-deutsche Kupferstecher und Verleger Matthäus Merian der Ältere (* 1593 in Basel; † 1650 in Langenschwalbach) stellte das biblische Ereignis in einem Kupferstich um 1625/27 dar. Dieser wurde später, um 1630, koloriert. Es handelt sich um das einzige kolorierte Exemplar.

Merian entstammte einer vornehmen Basler Familie. Er gab vor allem zahlreiche, bekannte Landkarten, Städteansichten und Chroniken heraus. Als Hauptwerk gilt die Topographia Germaniae, eine Art ungebundener Atlas, das sehr detailliert mehr als 2.000 Ansichten von Städten, Klöstern und Burgen des Heiligen Römischen Reiches zeigt; es gilt bis heute als eines der bedeutendsten Werke der geografischen Illustration.

Pietas contenta lucratur

Matthäus Merian befasste sich, wie so viele seiner zeitgenössischen Kollegen, intensiv mit religiösen Fragen, um nicht zuletzt Kraft auch für sich daraus zu schöpfen: der Heilige Geist sollte den Betrachter ergreifen. Das Formale der Kirchenlehre stand nicht im Vordergrund.

So schrieb er in Anlehnung an einen Bibelvers (1 Kor 2,14) im Jahr 1637:

„Der natürliche Mensch versteht nicht den Geist Gottes, es ist ihm eine Thorheit und große Kezerey, unnd obschon er der grösste Doctor were, unnd auf allen Schulen der Welt gelehret hette unnd alle Bücher sambt der Bibel ausswendig könnte, so hielffe und diene es doch alles zur Seligkeit nichts, wo nicht der Heilige Geist selbsten inwendigk in der Seelen lehret.“ (1)

Dementsprechend enthielt sein Wappen und Verlagssignet den Leitsatz Pietas contenta lucratur („Frömmigkeit zahlt sich aus“). Als Wappentier hatte er einen Storch gewählt. Der Storch (hebr. chasidah) wird in der Bibel dreimal erwähnt. Er gilt als stark: Er fliegt hoch und ist kräftig. Das Wort chasidah lässt sich auch mit “barmherzig" übersetzen. Der Storch ist zudem bekannt für seine Fürsorge, nicht nur für seine Jungen, sondern auch für die Alten. Im 3. Buch Mose ist er als unrein aufgelistet (3. Mo 11,19; 5. Mo 14,18); er ernährt sich von Mäusen, Schlangen und anderen Reptilien. Dies kann nützlich sein und vor Bedrohung schützen. Auch heute noch ziehen Störche herum und fressen Abfall. Dennoch sind sie sehr angesehen. -

Im Bild „Christi Himmelfahrt“ von Matthäus Merian entschwindet Jesus vor staunenden Jüngern und Jüngerinnen in den Himmel. Jesus wird in wenigen Augenblicken von dichten Wolken verhüllt sein. (Es gibt einen Unterschied in der Lehre der Kirche über die Himmelfahrt Jesu und Mariä Himmelfahrt. Jesus wurde direkt von Gott erhoben. Die Himmelfahrt Mariens wurde von Jesus vollzogen. Er hob Maria hoch als ihr persönlicher Retter.) Die sakrale Hoheit des Auferstandenen, der nun in den Himmel heimkehrt, wird durch den noch sichtbaren goldumfassten Saum des roten Obergewandes unterstrichen. Auch das Untergewand ist in rötlicher Farbe der Liebe gehalten.

Die Apostel sind barfüßig dargestellt. Die nackten Füße verweisen auf die Aussendungsrede Jesu. Er hatte die Apostel mittellos und ohne Schuhe ausgesandt (vgl. Lk 10,4). Christus selbst erweist sich mit seiner eigenen Barfüßigkeit als Urheber der Frohen Botschaft. Engel sind nicht dargestellt, aber auch Engel zeigen stets mit ihren nackten Füßen, dass sie Boten Gottes sind.

Jesus hat bei seiner Himmelfahrt die Erde verlassen, auf der er als Mensch sein Erlösungswerk vollbracht hat. Seine irdischen Fußabdrücke sind in der Radierung zu sehen (in unserem kolorierten Bildausschnitt nicht). Der grüne Grund - die Erde - wirkt wie das Plateau eines Hügels; der Ölberg als Ort der Himmelfahrt (vgl. Apg 1,12) wird angedeutet. 

Der letzte Fußabdruck Christi soll sich noch heute an der Stelle, von der aus − der Überlieferung zufolge − Jesus Christus zum Himmel aufgefahren ist, finden. Darüber steht heute die Himmelfahrtskapelle. Sie ist auf der höchsten Stelle des Ölbergs in Jerusalem östlich der Altstadt gelegen.

Christi Himmelfahrt, Merian, Matthäus d. Ä. 1593–1650, Kupferstich, 1625/27, bearbeitet
 

Die Szene „rückt“ den Betrachter hochdramatisch „heran“. Mehr als die elf Jünger sind versammelt. Die Himmelfahrt hat laut Apostelgeschichte vor elf Aposteln stattgefunden (vgl. Apg 1,12. 13); die Nachwahl des Matthias für den Verräter Judas Iskariot wurde erst danach durchgeführt (vgl. Apg 1,26). Männer und Frauen, sind, dem Genre des Historienbildes entsprechend, einer Zeit gemäß, und zwar hier der Zeit des Malers, mit antik anmutenden Gewändern umhüllt. Das "verlangt" der Zeitgeschmack Ludwigs des XIII.; die farbenfrohe Kleidung der später erfolgten Kolorierung verstärkt, dass das Dargestellte auf Inhalt und Technik angeschaut und verstanden werden will. Betrachter identifizieren sich nicht nur mit dem Geschehen; denn diese und ähnliche Darstellungen haben sich bis heute in den Köpfen festgesetzt – auch, dass ein Auftrag an diese ergeht, ist unmissverständlich.

Die Ergriffenheit der der Himmelfahrt Christi beiwohnenden Menschen drückt konzentrierte Sakralität aus. Nicht nur die Wolke, auch der Bildausschnitt macht deutlich, dass sich Christus den Blicken seiner Jünger entzogen hat. Mit seinem Oberkörper hat Jesus bereits den göttlichen Himmel erreicht, der nicht mehr dargestellt ist.

Zuvor war Jesus durch Luftschichten geschwebt, die entsprechend mit waagerecht geführter Radiernadel dargestellt sind. Ihr gehören nach biblischer Überlieferung böse Geister und Satan an, deren Körper nach frühchristlichen Vorstellungen aus Luft besteht (vgl. Eph 2,2). Der „Strich“ löst sich oben, wo das göttliche Licht durch die Wolke dringt, zunehmend auf.

So ist die Segensgebärde Jesu, die im Evangelium beschrieben und in vielen anderen Darstellungen zur Himmelfahrt Christi zu sehen ist, nicht direkt zugegen. Sie soll auf die Gegenwart des Aufgefahrenen in seiner Kirche verweisen, der nun heimgekehrt in den Himmel ist, von dem er einst wiederkommen wird. Dass Christus in den Himmel aufgestiegen ist, um von dort her durch die Apostel weiterhin in seiner Kirche zu wirken und am Ende der Zeit wiederzukommen, um in seiner Wiederkunft am Jüngsten Tag alles zu vollenden - diese Botschaft gelingt allein durch die glaubhafte Einbettung des hineingenommenen, bezeugenden und aufgeforderten Betrachters.

Maria Sibylla Merian, Bananenzweig mit Bullseye-Motte, 1701-03 (Ausschnitt, um 180° gedreht)

Maria Sibylla Merian

Aus der zweiten Ehe Matthäus Merians - seine erste Frau war verstorben - mit Johanna Sibylla Heim ging 1647 (zu Zeiten des Dreißigjährigen Krieges) die Tochter Maria Sibylla Merian, die Naturforscherin und Künstlerin, hervor. Zwar verlor sie den Vater gleich sehr früh, doch ihr Stiefvater, ein Stilllebenmaler, bildete sie gründlich aus. Für Mädchen stellte das in Künstlerfamilien keine unübliche Praxis dar, weit darüberhinaus ging Maria Sibylla Merian allerdings als Pionierin der modernen Naturwissenschaft in die Geschichte ein.

Maria Sibylla Merian hegte Eier, Puppen und Raupen in Kästchen, um ihre Lebenszyklen zu studieren. Sie dokumentierte alles penibel und spürte beispielsweise den Fressgewohnheiten der Tiere nach. So entwickelte sie ein Bildkonzept, das zu ihrem Markenzeichen wurde: alle Entwicklungsstadien und die Futterpflanze zusammen darzustellen.

Ihre forschenden Beobachtungen als wichtige Wegbereiterin der modernen Insektenkunde hielt sie in präzise gezeichneten, ästhetisch hoch anspruchsvollen, somit wunderschönen Bildern fest. In Kupfer gestochen, wurden sie von der Künstlerin teilweise selbst gedruckt und sogar verlegerisch vermarktet, aber auch häufig von Hand auf Pergament gemalt. Mit ihrem Hauptwerk Metamorphosis insectorum Surinamensium wurde sie berühmt. Zuvor hatte sie, ab 1699, eine zweijährige Reise in den südamerikanischen Küstenstaat Surinam unternommen.

Die Metamorphose spielt in Merians Werk eine große Rolle. Der Schmetterling wird in neuerer Zeit gern als Symbol für die Auferstehung gedeutet: Das irdische Leben (Raupe) muss vergehen, damit ein neues, schöneres Leben (Schmetterling) folgen kann.

Christine Striegel


(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Matthäus_Merian

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