Impulse | Pfarrgemeinde Herz Mariae

Kommen Hunde in den Himmel?

Fritzie | Beagle

Vorletzte Woche starb der Hund H. meiner Freundin M. - Trauer im Hause B.

Doch auch Pastor Gerrit Weusthof stellte mir zum wiederholten Male die Frage, wie es denn nun sei: „Kommen Hunde in den Himmel?“ 

Eine Vorstellung davon, wie es überhaupt im Himmel aussieht, ist wichtig.

 

Fritzie

... ist ein Beagle und von lebhaftem Temperament!

Neben seinem Zweitwohnsitz in Berlin-Wilmersdorf lebt er in Papenburg mit Blick auf den Hauptkanal. 

Freitags, zum Wochenmarkt, sieht er (von oben) direkt auf den Verkaufsstand des Sozialen Ökohofs...

... und freut sich!

Fritzie - Beagle | wohnhaft in Papenburg und Berlin | ©. Striegel
 

Es war mal wieder soweit. Pastor Gerrit Weusthof, Pfarrer der Gemeinde Sankt Josef in Papenburg, die zu meiner Heimatgemeinde Sankt Antonius gehört, stellte mir zum wiederholten Male die Frage, wie es denn nun sei: „Kommen Hunde in den Himmel?“ Wie ich denn eine solche Frage „meinen“ Kommunionkindern beantworten würde. 

Ich entgegnete, dass natürlich der Frage, wie es denn überhaupt im Himmel aussähe, besondere Aufmerksamkeit im Kommunionunterricht geschenkt würde, auch vor dem Hintergrund, dass das ein oder andere Kind bereits mit dem Tod seiner Großeltern oder anderer Angehöriger konfrontiert worden sei und sicherlich noch würde.

Auch später, um Christi Himmelfahrt, hätten Pfarrer Markus Steinert und ich bereits Gruppenstunden für Ex-Kommunionkinder zu diesem Thema angeboten. Dies sei auch für die Zukunft so vorgesehen.

Spontan fiel mir jedenfalls dazu ein, dass Leonardo da Vinci, der tiefreligiöse Maler der Renaissance, Vegetarier war – aus Respekt vor der Schöpfung.

Jedenfalls versprach ich Pastor Weusthoff, ihm diese Frage umgehend zu beantworten; obwohl ich durchaus den Gedanken hatte, dass es vielleicht umgekehrt sein müsse…?

Man muss dazu sagen: Ich kenne Pastor Weusthof durch den „Sozialen Ökohof“ näher. Dieser ökologische Bauernhof feiert, wie jedes Jahr am ersten Sonntag im September den „Tag des offenen Hofes“ – inzwischen den neunundzwanzigsten. Dieser Tag beginnt stets mit einem Gottesdienst in der großen Scheune. Das diesjährige Motto lautet „Nur mit Dir“. Die Bedeutung von ehrenamtlichen Helfern ist überall wichtig!

Warum erzähle ich dies?

Nun, Pastor Weusthof hat diesen Hof 1989 aus der Taufe gehoben. Es begann mit einem Schaf und einigen Hühnern im Pfarrersgarten neben der Kirche Sankt Josef. Der Pastor hatte und hat stets ein besonderes Verhältnis zu Tieren. Er bringt beispielsweise auch gerne mal ein „gemobbtes“ Huhn mit in die Kirche, um, übertragend, über das Verhalten auch zwischenmenschlichen Miteinanders zu predigen; Weusthof entstammt selbst einem Bauernhof in den Niederlanden. Der Pfarrersgarten beherbergt immer noch – nun wieder - ein Schaf, und zwar dasjenige, das eine Seniorin nicht mit in das Seniorenstift nehmen „durfte“, wie Pastor Weusthof mir berichtete. Er nahm es kurzerhand auf; denn die hofeigene Schafherde am Emsdeich, der es hätte zugeführt werden können, gibt es leider nicht mehr – sie rechnete sich nicht. Was mit dem bei ihm ebenfalls abgegebenen Schwein passiert ist – dazu hat er mir Schweigepflicht auferlegt. Aber: Auch ein Pfarrer ist vor Anzeigen nicht geschützt. Die Menschen sind (lärm-) empfindlich…

Man sieht: Pastor Weusthoff ist tierlieb und kein Vegetarier. Die 3000 Hühner, die der Ökohof neben Tomaten-, Gurken-, Knoblauch- und Vielem-Mehr-Anbau beherbergt, werden nach der Zeit fleißigen Eierlegens durchaus geschlachtet und verkauft.

Plakat Verkaufsstand des Sozialen Ökohofs | Entwurf: Christine Striegel, 2005
Pause: Glückliche Mitarbeiter! Arbeit ist Leben
Gitta Connemann, Mitglied des Deutschen Bundestages, mit Pastor Weusthof und Philipp
Die Hühner leben unter Apfelbäumen | Julius mit Huhn
 

Mitglieder des Deutschen Bundestages besuchen regelmäßig das Vorzeigeprojekt "Sozialer Ökohof"

Ökohof St. Josef in Papenburg

Der Verein Sozialer Ökohof St. Josef e.V. führte ursprünglich in den Bereichen Gartenbau und Landwirtschaft Projekte mit Langzeitarbeitslosen, um diese für den Wiedereintritt in den Arbeitsmarkt zu qualifizieren. Stetig wuchs die Zahl der zu Betreuenden. Es waren immer mehr Menschen dabei, die den harten Anforderungen des Arbeitsmarktes aus den unterschiedlichsten Gründen nicht gewachsen waren. Aus dieser Tatsache heraus entstand der Anspruch, Menschen mit Beeinträchtigungen die Chance zu geben, sich ihren Möglichkeiten und Neigungen entsprechend individuell zu entwickeln – mit mehr Zeit über die Einbindung in vielfältige produktive Prozesse vor allem in der Landwirtschaft und im Gartenbau. Der Ökohof produziert selbstverständlich entsprechend den Richtlinien des BIOLAND-Verbandes. Die landwirtschaftlichen Produkte werden innerhalb des möglichst geschlossenen Betriebskreislaufes erzeugt. Die Aufgabe des organisch-biologischen Anbaus besteht darin, „die natürlichen Lebensgrundlagen Boden, Wasser und Luft zu pflegen, Lebensmittel mit hohem gesundheitlichen Wert zu erzeugen, Natur- und Artenschutz zu betreiben, Umweltbelastungen zu vermeiden und Nutztiere artgerecht zu halten“. 

Zurzeit hat der Ökohof 95 Mitarbeiter.

Artgerecht… Wie ist es nun? Kommen Hunde in den Himmel?

Ach ja, vorausgeschickt sei noch: Gerrit Weusthof lebt und „tickt“ zutiefst franziskanisch. Seine Bescheidenheit ist hervorstechend. Er behält kaum etwas für sich. Die Schäfchen der Gemeinde sucht er mit dem Fahrrad auf…

Seele…

Marlies Poss, Ray of Hope (Lichtblick), Installation aus Gitterdraht, Flachs und Eisen ist, Museum für Sepulkralkultur, Kassel, ©. Striegel, 2009

Marlies Poss, Ray of Hope (Lichtblick), Installation aus Gitterdraht, Flachs und Eisen, Museum für Sepulkralkultur, Kassel


Der Tod gehört zum Leben. Das Foto entstand anlässlich des Besuchs des Sepulkralmuseums mit den dritten Klassen der Grundschule Harleshausen im Jahr 2011. (Das Museum für Sepulkralkultur, 1992 eröffnet, ist das einzige seiner Art. "Sepulkral" leitet sich ab vom lateinischen „sepulcrum“ und bedeutet „Grab“ oder „Grabstätte“. Sepulkralkultur befasst sich mit der Bestattung der Toten und dem Erinnern an die Verstorbenen.)


In einem viereckigen Drahtkäfig hängen sich zwei Teile einer Frau gegenüber: eine zusammengefallene Hülle, ihr hautähnlicher Körper, und gegenüber, wie ein Schatten, die Seele, zerfranst, aus feinem Draht; an jener Stelle, wo sich der Käfig öffnet...

 

In den Himmel zu kommen, das ewige Leben zu haben, bedingt vor allem eines, nämlich das Vorhandensein einer Seele. Dass es sie gibt, ist unstrittig. Doch wen belebt sie? Mensch und Tier? Woraus besteht sie? Ist sie Luft oder Atem? Fließt sie durch die Nerven oder die Adern, im Blut? Die Zeugen Jehovas, beispielsweise, essen kein blutiges Fleisch und lehnen auch Bluttransfusionen ab…

Haben Tiere eine Seele?

Gott weist in der Schöpfungsgeschichte „allen Tieren der Erde, allen Vögeln des Himmels und allem, was auf der Erde kriecht“ den „Lebensatem“ (1. Mose 30) zu. Der Mensch dürfe allerdings über sie „walten“ (siehe 1. Mose 26).

Dies, wer denn nun eine Seele habe, wurde in der Theologie im Wesentlichen auf zweierlei Art interpretiert. Denn schließlich schuf Gott den Menschen ja nach seinem Bilde…

Von Aquin bis Descartes

Die Vorstellung, dass nur der Mensch eine Seele besäße, wurde unter anderem von Thomas von Aquin (1225-1274) vertreten. Davon ausgehend, dass die Seele etwas ist, das über den Tod hinaus bestehen bleibt, vertrat er die Ansicht, dass lediglich die „Vernunftseele“ und damit die menschliche Seele unsterblich sei, da nur sie in der Lage sei, eben kraft ihrer Vernunft weiter zu existieren. Der rationalistische Philsoph und Wegbereiter der Aufklärung, René Descartes (1596-1650), bestätigte diese Meinung später. Tieren sprach er das Vorhandensein von Vernunft und somit auch einer Seele ab; dies prägte auch seine Meinung über den Umgang mit ihnen. Dass Tiere Angst und Schmerzen empfinden können, war nebensächlich und fand sich ab nun gesellschaftlich in der Nutzung von Tieren für Nahrung, Bekleidung, auch Unterhaltung, und später medizinischen Forschung wieder. Die katholische Kirche fand offiziell lange keinen Anstoß daran.

Franziskus und Paulus

Bei der Vorstellung, dass Tiere durchaus eine Seele haben, denkt man natürlich sofort an Franz von Assisi (1182-1226), der die Tiere zu seinen Freunden erklärte: „Alle Geschöpfe der Erde fühlen wie wir, alle Geschöpfe streben nach Glück wie wir. Alle Geschöpfe der Erde lieben, leiden und sterben wie wir, also sind sie uns gleichgestellte Werke des allmächtigen Schöpfers: unsere Brüder.“ „Gott wünscht, daß wir den Tieren beistehen, wenn sie der Hilfe bedürfen. Ein jedes Wesen in Bedrängnis hat gleiches Recht auf Schutz.“

Doch schon Apostel Paulus stellt die gesamte Schöpfung in seinem Römerbrief „jede menschliche und nicht menschliche Kreatur unter das Kreuz Christi: Im Leiden und Sterben, aber auch in der Hoffnung auf Auferstehung und Vollendung. 

Biblisch ist von der Genesis bis zu Paulus klar, dass die Tiere von Gott in die Erlösung einbezogen sind.“ (1)

Papst Franziskus

So sagt auch Papst Franziskus, der den Namen Franz von Assisis wählte, in seiner „Sorge für das gemeinsame Haus“, dass das ewige Leben „ein miteinander erlebtes Staunen sein werde“, wo „jedes Geschöpf in leuchtender Verklärung seinen Platz einnehmen“ werde.

„Alle (Geschöpfe) gehen mit uns und durch uns voran auf das gemeinsame Ziel zu, das Gott ist, in einer transzendenten Fülle, wo der auferstandene Christus alles umgreift und erleuchtet. Denn der Mensch, der mit Intelligenz und Liebe begabt ist und durch die Fülle Christi angezogen wird, ist berufen, alle Geschöpfe zu ihrem Schöpfer zurückzuführen.” (2)

Ja. Im Himmelreich sind Hunde…

… vermutlich. Wo sind sie denn sonst? Ja, lieber franziskanisch denkende Pastor Gerrit Weusthof!

Das Leben in Fülle besitzt Dimensionen, die nicht an die Vernunft gebunden sind. Wie und in welcher Form unsere tierischen Mitgeschöpfe untergebracht sein werden, wissen wir nicht. Aber die Annahme, dass sowohl Mensch als auch Tiere beseelt sind, weil laut Altem Testament mit dem „Lebensodem Gottes“ vesehen, generiert den nötigen Respekt vor ihnen. Und: Seele kann man nicht essen. Wir sind keine Zeugen Jehovas - Blutwurst folglich kein Tabu; und wir sind auch nicht unbedingt Vegetarier.

Leonardo da Vincis Entscheidung war darin begründet, sich nicht zu erheben, Mitgeschöpfe nicht materiell zu betrachten und wichtig - ihnen kein Leid anzutun: „König der Tiere - so definiert der Mensch sich selbst - ich würde gar sagen, König der Bestien, von denen du selbst die Größte bist - da du sie aufziehst, bis sie dir ihre Kinder geben, um deinen Bauch zu füllen, den du zu einer Grabstätte für alle Tiere gemacht hast.“ „Ich habe schon in jüngsten Jahren dem Essen von Fleisch abgeschworen, und die Zeit wird kommen, da die Menschen wie ich die Tiermörder mit gleichen Augen betrachten werden wie jetzt die Menschenmörder.“ (Quaderni d'Anatomia II)

- Überdenkenswert ist eine solche Entscheidung, vegetarisch zu leben, auf jeden Fall, wenn auch nicht theologisch begründet; solange der Respekt (vor der Schöpfung) im Tun gewahrt bleibt.

Denn; dass Hunde eine Seele haben, wissen Hundebesitzer vermutlich sicher… Es gibt da Signale!

Und unsere Vernunft bedeutet nicht Privileg, sondern Aufgabe für uns Katholiken! Mit der Gnade mitwirken:

„Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin, und sein gnädiges Handeln an mir ist nicht ohne Wirkung geblieben. Mehr als sie alle habe ich mich abgemüht - nicht ich, sondern die Gnade Gottes zusammen mit mir.“ Kor 15,10

Christine Striegel

Quellen

(1)     Rosenberger, Michael (2015): Der Traum vom Frieden zwischen Mensch und Tier. Eine christliche Tierethik. S. 227. München.

(2)     Papst Franziskus (2015): Laudato sí. Über die Sorge für das gemeinsame Haus. http://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/presse_2015/2015-06-18-Enzyklika-Laudato-si-DE.pdf

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