Impulse zur Fastenzeit 2019 | Pfarrgemeinde Herz Mariae

Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther

ZWEITE Lesung | 1 Kor 10, 1-6.10-12 | 24.03.2019

Das Leben des Volkes mit Mose in der Wüste wurde uns zur Warnung aufgeschrieben

» Ihr sollt wissen, Brüder, dass unsere Väter alle unter der Wolke waren, alle durch das Meer zogen und alle auf Mose getauft wurden in der Wolke und im Meer.
Alle aßen auch die gleiche gottgeschenkte Speise, und alle tranken den gleichen gottgeschenkten Trank; denn sie tranken aus dem Leben spendenden Felsen, der mit ihnen zog. Und dieser Fels war Christus.
Gott aber hatte an den meisten von ihnen kein Gefallen; denn er ließ sie in der Wüste umkommen. Das aber geschah als warnendes Beispiel für uns: damit wir uns nicht von der Gier nach dem Bösen beherrschen lassen, wie jene sich von der Gier beherrschen ließen.
Murrt auch nicht, wie einige von ihnen murrten; sie wurden vom Verderber umgebracht.
Das aber geschah an ihnen, damit es uns als Beispiel dient; uns zur Warnung wurde es aufgeschrieben, uns, die das Ende der Zeiten erreicht hat.
Wer also zu stehen meint, der gebe acht, dass er nicht fällt.
«

In der Lesung hörten wir einen Ausschnitt aus dem Brief des Apostels Paulus an die Christen in Korinth.

Ein solcher Brief, der nicht nur Ermahnungen, sondern sogar Drohungen enthält, braucht unbedingt eine Antwort. Eine heutige könnte ungefähr so ausfallen:

Lieber Apostel Paulus,


wir haben soeben einen Ausschnitt aus deinem Brief an die Gemeinde in Korinth gehört, den du vor etwa 2000 Jahren geschrieben hast.

Der Inhalt dieser Sätze ist für uns nicht leicht zu verstehen, und mit einem Teil sind wir gar nicht einverstanden.

Dies ist uns Anlass, dir einen Antwortbrief zu schreiben.

Du erinnerst in deinem Brief an die wichtigsten Erfahrungen, welche deine großen Väter vor inzwischen ca. 3000 Jahren mit Gott gemacht haben: den Durchzug durch das Rote Meer, das wohlschmeckende Manna und das Wasser aus dem Felsen als Gabe ihres gnädigen und treuen Gottes.

Du erinnerst auch an die Wolke als Zeichen der Gegenwart Gottes. Diese Ereignisse waren Teil deiner Tradition, die dir und wahrscheinlich auch deinen Briefadressaten in Korinth sehr lebendig vor Augen waren.

Stichworte wie Wolke, Fels, Wasser... genügten, um die Bedeutung die­ser Gotteserfahrungen wieder mit dem inneren Auge zu sehen.

Wenn du heute an diese Geschichten erinnerst, dann haben die Zuhörer ca. 2000 Jahre später diese Erfahrungen nicht so lebendig vor Augen. Wir Heutigen stehen einfach nicht in dieser jüdischen Tradition.

Wir können heute nur erahnen, dass du mit der überirdischen Speise und dem überirdischen Trank auf die Sakramente anspielst, die im Manna und im Wasser aus dem Fels sozusagen abgebildet wurden.

Ähnlich ist es mit der Anspielung auf die Taufe.

Wir erahnen auch als Nichtjuden die Bedeutung dieser Ur-Erfahrungen des jüdischen Volkes, die mit Jesus als dem Messias in das neue Gottes­volk münden.

Und zu diesem Volk, dessen Geschichte schon mit dem Volk Israel an­fing, gehören wir Christen heute dazu:

Das ist eine frohe Botschaft. Nun aber findet sich in deinem Brief eine erstaunliche Wendung. Du redest von denen, die in der Wüste umkamen. Gott hatte deiner Meinung nach an ihnen keinen Gefallen, weil sie Götzen anbeteten, weil sie spielten und tanzten und ihren Lüsten freien Lauf ließen.

Sie wurden prompt dafür bestraft.

Das berührt unser Bild von Gott.

Ja, es geht sogar an den Nerv des Gottesbildes. Ein liebender und treuer Gott, der Menschen fallen lässt, weil sie gesündigt haben, das kann einfach nicht zum gewohnten Bild von einem gnädigen und liebenden Gott passen.

Mit solchen Tönen tun sich die meisten der heutigen Adressaten schwer.

Mal ganz ehrlich: Glaubst du wirklich an einen strafenden Gott?

Du stellst die Heilserfahrungen des Volkes Israel als Drohung vor. All das soll überliefert sein, um die Menschen heute zu warnen vor den Konsequenzen böser Taten und vor zu viel Selbstsicherheit im Glauben.

Es mag schon sein, dass deine Adressaten in Korinth in Glaubensdingen vor Stärke und Selbstsicherheit nur so strotzten und vermutlich überheb­lich wurden.

Auf die Leser und Leserinnen deines Briefes im Jahr 2019 trifft das je­doch nicht zu.

Von einer Überheblichkeit im Glauben ist heute wenig zu spüren, eher von einem zu klein geratenen Selbstbewusstsein als Glaubende oder von einer Glaubensvergessenheit.

Auch von ausschweifendem und lustbetontem Lebenswandel können wir kaum reden, zumindest bei denen, die deinen Brief im Gottesdienst lesen und hören.

Von Murren ist leider eher zu wenig als zu viel zu hören.

Die Gefahr von Götzendienst besteht eher, wenn wir uns von übermäßi­gem Konsum leiten lassen oder z.B. Geld und anderem Besitz eine zu große Bedeutung zumessen. Dass solches Verhalten den Menschen und ihrem Glauben nicht gut tut, spüren sie immer wieder selber.

Mit den Glaubenden in Korinth und dem Volk Israel verbindet die heu­tige Gemeinde sicher, dass die Wege mit Gott selten geradlinig und ohne Abweichungen verlaufen.

Auch unser Glaube ist ständig gefährdet und mündet immer wieder in Sackgassen.

Daher ist Richtungsänderung, biblisch gesprochen Umkehr, fest mit un­seren Glaubenswegen verbunden.

Ob da aber Angst vor den Strafen Gottes weiterhilft oder gar zur Um­kehr führt, erscheint uns zumindest fraglich.

Lieber Paulus,

du siehst, wir Christen brauchen für unseren Glauben zweitausend Jahre, nachdem du deinen Brief verfasst hast, eher Ermutigung und Bestärkung als Drohung und Angstmachen.

Vielleicht haben deine Mahnungen in Korinth gewirkt.

Heute sind in der Verkündigung Mahnungen oder gar Drohungen eher fehl am Platz.

Gerne lassen wir uns aber von dir daran erinnern, dass wir in vollem Umfang zu dem Volk Gottes gehören.

Allzu oft vergessen wir das.

Auch die Erinnerung an die Stärkung des Volkes in der Wüste durch das Manna ist uns wichtig, an die wohltuende geistliche Speise in jeder Eucharistiefeier, die unseren gemeinsamen Glauben stärkt und uns immer wieder zur Umkehr befähigt.

Ich hoffe, du siehst es uns nach, dass wir das Bild vom strafenden Gott nicht unwidersprochen hinnehmen.


Mit geschwisterlichen Grüßen

deine im Glauben mit dir verbundene Gemeinde Herz Mariae

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