Impulse | Pfarrgemeinde Herz Mariae

Stephen Hawking und Michelangelo Buonarroti

Über die naturwissenschaftliche Betrachtung der göttlichen Schöpfung

Es gibt kein Leben nach dem Tod (...); das ist ein Märchen für Leute, die Angst im Dunkeln haben.

Stephen Hawking, Astrophysiker

Stephen Hawking | © WELT/Louisa Lagé

Popstar der Physik - Zum Tod von Stephen Hawking

Am Mittwoch, dem 14. März, verstarb der britische Astrophysiker Stephen Hawking (* 8. Januar 1942 in Oxford, England; † 14. März 2018 in Cambridge, England) im Alter von 76 Jahren. Ein Leben nach dem Tod? – Daran glaubte Stephen Hawking nicht… 

Mit der Person Stephen Hawking springen drei Dinge ins Auge: Er ist seit über 40 Jahren überwiegend komplett gelähmt und an den Rollstuhl gefesselt sowie sprachunfähig. Stephen Hawking ist einer der bekanntesten Physiker unserer Zeit, ähnlich bekannt wie Albert Einstein. Mit spektakulären Theorien zum Universum machte er immer wieder Schlagzeilen. Stephen Hawking war bekennender Atheist. Dennoch wurden seine Verdienste von Seiten der Kirche anerkannt. Er wurde bereits 1986 in die Päpstliche Akademie der Wissenschaften aufgenommen – Diese steht unter direktem Schutz des jeweiligen amtierenden Papstes.

Zunächst ist da also die Krankheit. Stephen Hawking litt an Amyotropher Lateralsklerose, besser bekannt unter – kurz: ALS. Es handelt sich um eine Nervenkrankheit, bei der die Nerven buchstäblich versagen und die Muskeln nach und nach aufgeben, weil der „Datenfluss“ vom Gehirn zu den Nerven unterbrochen ist. Es handelt sich um eine Krankheit, die mir aus nächster familiärer Nähe bekannt ist – nach Diagnose, Prognose und Verlauf. Doch im Falle Hawkings lässt letzterer aufhorchen und andere Betroffene stutzig machen… 

Meistens beginnt diese Krankheit von „oben“, d.h. Sprache und Atmung versagen nach und nach. – Es endet im Rollstuhl; zuletzt verweigert auch der letzte Muskel des Körpers seinen Dienst. Nur noch ein Augenrollen ist möglich; beatmet wird der Patient, sofern er vorher zugestimmt hat, künstlich. Kommunikation kann nur noch über Handy bzw. später über Sprachcomputer erfolgen; zuletzt bleibt nur noch die Befehlserkennung durch Augenbewegung, wie bei Stephen Hawking. 

Es gibt die Krankheit auch „andersherum“ – Der bekannte deutsche Künstler und Kunstprofessor Jörg Immendorff (* 1945; † 2007) war ein Beispiel dafür. Vielleicht hatte ihn noch die „bessere“ Variante dieser brutalen Krankheit erwischt. 

Als bei Stephen Hawking im Alter von 21 Jahren diese Erkrankung des motorischen Nervensystems diagnostiziert wurde, gaben die Ärzte ihm nur noch wenige Jahre zu leben. - Eine Hiobsbotschaft.

Stephen Hawking war theoretischer Physiker und Astrophysiker. Er lieferte bedeutende Arbeiten zur Kosmologie, Allgemeinen Relativitätstheorie und der Physik der Schwarzen Löcher. An der britischen Universität Cambridge war Hawking zuletzt Inhaber des renommierten Lucasischen Lehrstuhls für Mathematik. Diesen hatte bereits Isaac Newton inne gehabt.

Der Wissenschaftler verfasste hochkomplexe wissenschaftliche Werke; zu großer Bekanntheit gelangte Hawking allerdings 1988 mit dem Buch "Eine kurze Geschichte der Zeit", in dem er einem nicht-wissenschaftlichen Publikum das Universum erklärte. 

Speziell war auch seine Zugewandtheit zu Kindern. Mit seinen Kinderbüchern wie „Der geheime Schlüssel zum Universum“ und zwei Folgebänden hat er, gemeinsam mit seiner Tochter Catherine Lucy Hawking, Kindern den Zugang zur Wissenschaft erleichtert bzw. erst möglich gemacht. Es geht um Phänomene des Sonnensystems und – auch hier - des Universums. Vermutlich ist er für manche Zukunftsweiche in Richtung Wissenschaft positiv verantwortlich.

Manche Zungen behaupten, dass Stephen Hawking ohne seine Behinderung nicht so berühmt geworden wäre. Dennoch gibt es kaum jemanden, der so umfassend auf dem Gebiet der Relativitäts- und Quantenphysik, d.h. über Schwerkraft, Raum und Zeit, geforscht hat. Und selbst wenn seine Theorien stets umstritten waren und sind - er korrigierte sich allerdings auch regelmäßig selbst, war es sein großes Verdienst, Physik für die breite Öffentlichkeit zugänglich gemacht zu haben. Der Nobelpreis blieb ihm versagt; seine Theorien gelten nicht als umfassend bewiesen. 

Hawking selbst beschrieb sich – seine Lebensgeschichte wurde in „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ verfilmt, als zunächst „mittelmäßig und antriebslos“. Dann kamen die Diagnose und damit die Prognose. Es gibt keinen vergleichbaren Fall, in dem diese Krankheit gleichermaßen, zumindest was das Überleben angeht, „überlistet“ wurde. Doch Hawking hat fast ein halbes Jahrhundert länger gelebt als die vorhergesagten zwei Jahre. 

Krankheit und Beruf führten offenbar ein Wechselspiel. Stephen Hawking startete nach seinem „Erweckungserlebnis“, wie er die Diagnose der Krankheit bei sich bezeichnete, durch. Er entwickelte einen ganz eigenen Antrieb, um zu „überleben“. 

Ein Baustein, der ihm dabei half, könnte sein bewahrter Humor gewesen sein. Dieser beförderte sicherlich auch seine spätere Populariät. Der Ruhm ermöglichte ihm wiederum, politisch aktiv zu werden. So nannte er den Irakkrieg ein Kriegsverbrechen und protestierte auch gegen Israels Palästina-Politik. Außerdem setzte er sich für nukleare Abrüstung, Klimaschutz, Stammzellenforschung und umfassende Gesundheitsfürsorge für alle ein. – Er wurde auch Film- und TV-Star; so war er unter anderem bei den „Simpsons“ zu sehen, bei denen er seiner Figur per Sprachcomputer die Stimme verlieh. Auch hatte er einen Auftritt in der Science-Fiction-Serie "Raumschiff Enterprise". - Er spielt sich hier selbst und gewinnt im Film ein Pokerspiel gegen Isaac Newton und Albert Einstein. 

Die Frage, was ihn so lange hat weiterleben lassen, lässt sich jedenfalls nicht beantworten.

Stephen Hawking sprach sich gegen die Existenz Gottes aus und glaubte nicht an ein Leben nach dem Tod: Das Universum sei aus dem Nichts entstanden und ein Schöpfer, so etwas wie Gottes Hand, somit unnötig. Seine erste Frau Jane, die er schon vor Beginn der Krankheit kannte, war übrigens gläubige Christin. 

Hawking kam in seinen Forschungen über Schwarze Löcher im Weltraum und deren Strahlung (, die nach ihm benannt wurde) zu der Erkenntnis, dass, alle Informationen, die in ihnen verschwunden seien, wieder freigesetzt würden: „So können wir uns der Vergangenheit sicher sein und die Zukunft vorhersagen." 

Die Existenz besagter Strahlung kann nach derzeitigem Stand der Forschung weder bewiesen noch widerlegt werden.

In wieweit spielte der außergewöhnliche Verlauf der Krankheit bei Hawking eine Rolle für seine atheistische Haltung? Hat er um jeden Preis die Kontrolle behalten wollen über seine Krankheit und auch über das Darüberhinausgehende?

Die Erschaffung Adams, Michelangelo Buonarotti, zwischen 1508 und 1512, Fresko, 480 x 230 cm, Sixtinische Kapelle, Rom

Malte Michelangelo ein Gehirn in die Schöpfung?

Kürzlich sind wieder Diskussionen aufgetaucht, nach denen Michelangelo Buonarroti (* 1475 in Caprese; † 1564 in Rom, italienischer Maler, Bildhauer, Baumeister/Architekt und Dichter) mysteriöse Botschaften in seinen Werken untergebracht haben soll, ähnlich denen der im „Da-Vinci-Code“ beschriebenen, der US-amerikanischen Verfilmung des Thrillers Sakrileg (2003) von Dan Brown aus dem Jahr 2006. 

So haben US-Hirnforscher abermals Strukturen des menschlichen Gehirns in einem Fresko des Bilderkosmos der Schöpfungsgeschichte in der Sixtinischen Kapelle ausmachen wollen. Diesmal in der „Erschaffung Adams“ (zwischen 1508 und 1512), einem Bild, in dem Gott dem Menschen, seinem Ebenbild, die göttliche Energie überträgt. 

In den berühmten Fresken, zusammen mit dem Altarfresko des „Jüngsten Gerichts“, hat Michelangelo das Menschsein von Gott her und zu Gott hin dargestellt, in Leib, Seele und Geist. Dies geschah in einem unglaublichen Kraftakt. Er benötigte nur vier Jahre dafür und hatte lediglich einen Helfer, der ihm die Farben anrührte. 

Michelangelo galt schon zu Lebzeiten als Rebell und hielt sich an keine Konvention. In seinem Drang, die Welt zu verstehen und auch den menschlichen Körper, öffnete er (heimlich) Leichname und studierte Strukturen von Muskeln und Sehnen, um diese nach „außen“ perfekt abzubilden. Dieses Tun galt als gottlos und ketzerisch. Daneben stand Michelangelo unter dem Enfluss reformatorischer und gegenreformatorischer Ideen seiner Zeit. Dies machte ihn durchaus politisch und kritisch. 

Aber war er ein Zweifler? Wollten die US-Wissenschaftler aufzeigen, dass Michelangelo Gott als Schöpfer in Frage stellte, und ihn sogar der Ratio hintenan stellte? 

Wohl kaum. Michelangelo haftete trotz des ihm entgegengebrachten, gewissen Misstrauens auch schon zu Lebzeiten der Nimbus der Aura des Göttlichen an. Für Michelangelo stellte sein Schaffen einen gemeinsamen Weg von Kunst und Religion dar, den es zurückzulegen galt. Seine Kunst war ihm gleichzeitig Gotteserkenntnis und folglich ein kontemplativer Vorgang (nach Platon), die Wahrheit zu finden und herauszuarbeiten. Bei Michelangelo greifen die Bedeutungen wesentlich tiefer, eben gerade über jede Verstandesebene hinaus. Die Welt wird nicht durch den Verstand erklärt, sondern mit dem Verstand das Herz ergründet. Seine Arbeit war ein dynamischer Prozess. Natürlich dachte Michelangelo in Gestalt und Symbol (wie jeder Künstler), aber um mit den Händen gleichsam seine Gedanken fortzuentwickeln. 

Nun streckt Gott Adam tatsächlich seine Hand aus einem eiförmigen Gebilde entgegen. Doch steht diese Form (des Eis) zunächst für die Vollkommenheit der universellen Schöpfung, für den Ursprung des Lebens. Das „Weltenei“, aus dem die Welt in Gestalt eines Allgottes hervorgegangen ist, gehört zum allgemeinmenschlichen Mythenschatz. In einigen asiatischen Mythen der Schöpfungsgeschichte steht es für den Ursprung des Universums. Auch eine große Muschelschale ließe sich interpretieren, als Hinweis auf das Urmeer (nach Genesis) und die Entstehung der Seelensubstanz. 

Michelangelo stellt dar, dass es Angst und Qualen (Gewissensqualen) gibt, lässt aber Erkenntnisse und Erleuchtungen folgen. Der Betrachter ist aufgefordert, im Werk den geistigen Gehalt auch der vermeintlichen Nebensächlichkeiten herauszufiltern: „Auf seiner der Sixtinischen Gewölbedecke geltenden Wegstrecke aber schilderte er mit hinreißender Schönheit die Taten und Leiden des aus dem Ursein sich gebärenden und in Menschengestalt fortzeugenden und schaffenden Gottes mit aller körperlichen Pracht, Bewegung und Anschaulichkeit, fast mit olympischer Leib-Geistigkeit. Waren dies Akte der Eitelkeit, der Anmaßung, der Sünde, wie er später wohl zu Zeiten [selbst Anm.] empfinden mochte?“ (Rolf Schott, Michelangelo - Der Mensch und sein Werk, Editions Aimery Somogy, Paris, S. 94) Zweifel? Ja, aber nicht an Gott, sondern im Rahmen eines Abwägens von Für und Wider. So beschreibt Michelangelo auch die Sorge um die Menschheit und die eigene Seele und die konkrete Ahnung von der Befreiung aus ihr.

Wurde Michelangelo gerade durch die herausragende Begabung, verbunden mit einem starken Willen, und die daraus erwachsende Perfektion zu einem, der Gott näher war als andere Menschen?

Wo wohnt Gott? Vielleicht hat Hawking zu früh angesetzt. - Was ist hinter dem sogenannten „Nichts“?

Wo Gott zu finden ist, das hat Michelangelo begreifbar gemacht. - Gläubige Christen wissen das.

Christine Striegel

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