Impulse zur Fastenzeit | Gemeinde Herz Mariae

Gründonnerstag

Jesus feiert mit seinen Freunden das letzte Abendmahl

Gründonnerstag 2018 | nachlesen...

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Ostern rückt näher. Die Karwoche (von „kara“ ‚Klage‘, ‚Kummer‘, ‚Trauer‘), früher Charwoche, auch „Stille Woche“ beginnt. Sie ist im Kirchenjahr die letzte Woche der Fasten- oder Passionszeit und die Trauerwoche vor Ostern. Am Palmsonntag erinnern wir uns des Einzugs Jesu in Jerusalem; es folgen die stillen Tage Montag bis Mittwoch und dann auch Gründonnerstag, jener Tag, an dem Christen feiern, dass Jesus die Eucharistie bei seinem letzten Abendmahl eingesetzt hat - eine Glaubensaussage; historisch gesehen handelt es sich um den Tag, an dem der Jude Jesus von Nazareth ein letztes Mal vor seiner Hinrichtung mit seinen Anhängern das jüdische Passah-Fest mit dem Passah-Mahl eingeleitet hat, in Erinnerung an den Exodus, den Auszug aus Ägypten, als Gott die Israeliten aus der Sklaverei befreit hatte. Eine der Herleitungen des Namens kommt vom „Greinen“ (ahd. grīnan, mhd. grînen, „lachend, winselnd, weinend den Mund verziehen“) der Büßer am Gründonnerstag.

Die Erstkommunionkinder werden in diesem Jahr nicht nur den Palmsonntag gemeinsam mit ihren Eltern in Uder, dem Ort des Familienwochenendes, begehen – es werden wieder Palmstöcke hergestellt - , sondern auch, unter anderem, über den Gründonnerstag sprechen (, am Gründonnerstag selbst wird es einen Kindergottesdienst geben…). Den Kindern wird erklärt, dass Jesus am Abend vor seinem Tod mit seinen Jüngern das Abendmahl gefeiert hat, um ihnen nahezubringen, warum er sterben musste, und dass Brot und Wein Zeichen für seinen Tod und seine Auferstehung sind. Darum feiern wir in der Messe mit diesen Zeichen Jesu Tod und Auferstehung.
Die Kinder werden gefragt, wie seine Freunde, die Jünger, denn genau hießen. Im Bild „Das Abendmahl“ von Leonardo da Vinci sind sie dargestellt. Die Lösung findet sich im Markusevangelium: Markus 3,16–19. Aber kann man auch anhand des Bildes darauf kommen, wer wer ist? Wie sind die unterschiedlichen Haltungen der Jünger?
Leonardo beschrieb sie selbst so: „Einer, der gerade trinken wollte, aber den Becher auf seinem Platz stehen ließ und den Kopf dem Erzählenden zuwandte. Ein andrer, die Finger seiner Hände verschränkend und die Stirn runzelnd, wendet sich seinem Nachbarn zu. Ein andrer, mit offenen Händen, zeigt die Handflächen, hebt die Schultern gegen die Ohren und öffnet den Mund vor Erstaunen. Ein andrer sagt seinem Nächsten etwas ins Ohr, und dieser, der lauscht, dreht sich ihm zu und schenkt ihm Gehör, in einer Hand ein Messer, in der andern das mit diesem Messer durchgeschnittene Brot. Ein andrer, mit einem Messer in der Hand, wirft beim Umdrehen mit dieser Hand einen Becher auf dem Tisch um. Ein andrer legt die Hände auf den Tisch und starrt vor sich hin. Ein andrer bläst auf seinen Bissen. Ein andrer beugt sich vor, um den Erzählenden zu sehen, und beschattet dabei mit der Hand seine Augen. Ein andrer tritt hinter den zurück, der sich vorbeugt, und schaut zwischen der Wand und dem Vorgebeugten auf den Erzählenden.“

Who is who?

Bartholomäus, Jakobus der Jüngere, Andreas, Petrus, Judas Ischariot (sitzend), Johannes, Jesus, Thomas, Jakobus, Philippus, Matthäus, Thaddäus, Simon der Zelot

Da Vinci hatte das Bild im schlichten, weiß getünchten, Speisesaal des Dominikanerklosters Santa Maria delle Grazie, ein Werk von Bramante, gemalt, vermutlich im Geruch von Weihrauch und Fastenspeisen der Mönche. Am Meisterwerk des „Heiligen Abendmahls“ hatte er viele Jahre gearbeitet, immer wieder unterbrochen von seinen vielfältigen anderen Projekten. Er sagte dazu selbst: „Die besten Gedanken für mein >Heiliges Abendmahl< kommen mir gerade dann, wenn ich am >Koloss< arbeite. Und umgekehrt.“ Beim Koloss handelte es sich um das Reiterstandbild Francesco Sforzas, das nie ausgeführt wurde… 
Auf dem Gemälde des Abendmahls ist Jesus also im Kreis seiner zwölf Jünger zu sehen. Sie sitzen an einem langen Refektoriumstisch; vermutlich gleicht er den Tafeln, an denen die Mönche speisten. So ist auch der Tisch mit einem leinernen, an den Enden blau gestreiften, Tischtuch versehen. Auch Teller, Gläser und Kannen hätten den Mönchen gehören können. Das „Brot“ ähnelt den selbstgebackenen kleinen Broten des Brotbacknachmittags der Erstkommunionkinder.

Im Vordergrund also der Tisch, hinten ist die in der Abenddämmerung in Blau getunkte Umgebung Jerusalems zu sehen, die Berge Zions. Rechts und links zieren Teppiche aus Brokat die Wände. Sie unterstreichen die perspektivische Tiefe des Raums, der, auch wie bei den Mönchen, eher ein Saal ist. Sie verleihen dem Raum Behaglichkeit. Eine schlichte Kassettendecke schließt den Raum nach oben hin ab. 

„Ich sage es euch schon jetzt, ehe es geschieht, damit ihr, wenn es geschehen ist, glaubt: Ich bin es.  Amen, amen, ich sage euch: Wer einen aufnimmt, den ich senden werde, nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat. Nach diesen Worten wurde Jesus im Geiste erschüttert und bezeugte: Amen, amen, ich sage euch: Einer von euch wird mich ausliefern. Die Jünger blickten sich ratlos an, weil sie nicht wussten, wen er meinte. Einer von den Jüngern lag an der Seite Jesu; es war der, den Jesus liebte. Simon Petrus nickte ihm zu, er solle fragen, von wem Jesus spreche. Da lehnte sich dieser zurück an die Brust Jesu und fragte ihn: Herr, wer ist es? Jesus antwortete: Der ist es, dem ich den Bissen Brot, den ich eintauche, geben werde. Dann tauchte er das Brot ein, nahm es und gab es Judas, dem Sohn des Simon Iskariot. Als Judas den Bissen Brot genommen hatte, fuhr der Satan in ihn. Jesus sagte zu ihm: Was du tun willst, das tue bald!“ (Joh 10, 19-27)

Bei diesem „Abendessen“ wusste Jesus, dass nun seine Zeit gekommen war, um aus dieser Welt zu seinem Vater zu gehen. Er hatte seine Jünger geliebt, „die Seinen, die in der Welt waren, so liebte er sie bis ans Ende“, und doch wusste er, dass Judas Ischarioth, Simons Sohn, den „Teufel in sich hatte“ und ihn verraten würde. Doch Jesus wirkt „locker“; er ist der einzige im Bild ohne erkennbare Muskelspannung.

Gesichter und Gesten der Apostel hingegen zeigen, dass sie aufgebracht und aufgewühlt sind. Sie scheinen sich nochmal gegenseitig zu wiederholen, was Jesus da gesagt hat, auch sich klar werdend, dass er in ihre Herzen schauen und ihre Gedanken lesen kann. Sie sind ergriffen vom Unbegreiflichen: Gott soll sterben für ihre Sünde, deren Tatsächlichkeit und damit Möglichkeit für alle (Wer ist es?) Jesus gleichsam nochmal vor Augen führt. 

Ecce homo!

Besonders Andreas und Simon verhalten sich auffällig. Sie heben abwehrend die Hände nach dem Motto „Ich doch nicht“. Der Körper des Judas lehnt sich schon leicht, wie verabschiedend, nach hinten. Er hält etwas, mit gekrümmten Fingern krampfhaft umpresst, in den Händen; ohne Rücksicht auf das Geschirr. Vermutlich ist es das "Bestechungsgeld", das er zuvor erhalten hatte, in einem Lederbeutel. Er fällt gleichzeitig, haltlos, leicht über den Tisch. Sein Gesicht wirkt nicht einmal bösartig. Vermutlich ist er voll des unendlichen Leids und der Bitternis der Erkenntnis. Er ist der einzige im Wissen um mehr als alle anderen. „Auf dass sie alle eins seien“ scheint für ihn offensichtlich nicht zu gelten. Er ist einsam.
Petrus, hinter ihm, wirkt wie gerade aufgesprungen. In der rechten Hand hält er ein Messer, die linke liegt auf Johannes' Schulter, dem Lieblingsjünger Jesu. Dieser ist geradezu schön, und er wirkt demütig; seine Hände sind gefaltet. Er wirkt „weich“, mit seinem langen, glatten, unten gelockten Haar. Seine Augenlider sind gesenkt. Sein Gesicht drückt Ruhe und Klarheit aus. Nur alle anderen scheinen sich zu fragen: Wer ist der Verräter? „Auf dass sie alle eins seien, gleich wie Du, Vater, in mir und ich in Dir.“ 

Jesus bildet den Mittelpunkt der Zentralperspektive. Auch durch den Lichteinfall wird seine Bedeutung hervorgehoben. Er trägt ein rotes Gewand. Ein blauer Überwurf bedeckt ihn nur zur Hälfte – ein Hinweis auf das noch nicht Vollendete. Seine Hände liegen ausgestreckt auf dem Tisch. Er blickt in Richtung seiner nach oben gedrehten, linken Hand - ein Zeichen des Gebens. Der Kopf Jesu wird für Leonardo das Schwierigste gewesen sein - zehn Jahre lang soll er darüber nachgedacht haben. Jesus blickt abwartend und sich seiner selbst gewiss. Er scheint sich um die Reaktionen der anderen nicht zu kümmern. 
Thomas, der nächste rechts neben Jesus, wirkt direkt zornig und erhebt den Zeigefinger. Jakobus der Ältere breitet seine Arme aus und bildet dadurch eine Barriere, als wolle er den Fragen der Anderen Einhalt gebieten. Philippus` Hände zeigen beide auf seine Brust. Er blickt hingebungsvoll; seine Geste drückt Ratlosigkeit aus, als ob er fragen möchte, was die ganze Szene mit ihm zu tun habe.
Matthäus und Thaddäus wenden sich zu dem ganz rechts sitzenden Simon aus Kanaan, offenbar um dessen Meinung zum Geschehen einzuholen. Besonders Matthäus scheint temperamentvoll zu debattieren und Simon aus der Reserve locken zu wollen.

Wir haben also das vollkommen Gute in Johannes, das vollkommen Böse in Judas und die Scheidung von Gut und Böse, das Gerechte, in Petrus. Daneben die Betätigung: Andreas, Jakobus der Jüngere, Bartholomäus. Die Liebe in Philippus, der Glaube in Jakobus dem Älteren, die Vernunft in Thomas. Und daneben wieder die Betätigung der Empörten.

Und der Geist des Bildes? Den Zwiespalt »Das kann alles nicht sein!« hat Leonardo da Vinci meisterhaft ausgedrückt.

Christine Striegel

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