Impulse zur Fastenzeit | Pfarrgemeinde Herz Mariae
Brot
 

Brot

vor dem Hintergrund der Geschichte

Mit dem Aschermittwoch beginnt für gläubige Christen die 40-tägige Fastenzeit, korrekter, die österliche Bußzeit. Früher galten für diese Zeit strenge Regeln des Betens, Fastens und auch Almosen-Gebens. Heute sind nach katholischer Lehre nur noch der Aschermittwoch und der Karfreitag strenge Fastentage. Ausgenommen davon, streng zu fasten, sind Kinder und Jugendliche sowie alte und kranke Menschen. Jedenfalls ist dies eine Zeit, um über die eigenen Gewohnheiten nachzudenken und möglicherweise tatsächlich auf Alkohol, Tabak, Süßigkeiten, Fernsehen zu verzichten - oder andere Zeichen für sich zu setzen.

Fasten ist ein Zeichen der Buße und der inneren Reinigung. Jesus fastete 40 Tage lang in der Wüste, um sich auf sein öffentliches Wirken vorzubereiten. Im Jahr 325 legte das Konzil von Nicäa den Ostertermin fest - es ist immer der erste Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond. Somit geht die 40-tägige Fastenzeit voran und bestimmt auch den Termin des Aschermittwochs. Eigentlich umfasst die Fastenzeit einen Zeitraum von 46 Tagen; denn die Sonntage sind in Vorausschau des österlichen Ereignisses, ausgenommen.

Die liturgische Farbe ist bis zum Gründonnerstag, dann ist sie weiß, violett. Ausnahme bildet der Palmsonntag; dessen liturgische Farbe ist rot, ebenso wie am Karfreitag.

Früher waren in dieser Zeit nur wenige Bissen Brot und einigen Schlucke Wasser erlaubt; sämtliche übrigen Nahrungsmittel waren tabu. - Brot…

Brot

Einnahme Jerichos | Josua 6

Jericho hielt wegen der Israeliten die Tore fest verschlossen. Niemand konnte heraus und niemand konnte hinein. Da sagte der HERR zu Josua: Sieh her, ich gebe Jericho und seinen König samt seinen Helden in deine Hand. Ihr sollt mit allen Kriegern um die Stadt herumziehen und sie einmal umkreisen. Das sollst du sechs Tage lang tun. Sieben Priester sollen sieben Widderhörner vor der Lade hertragen. Am siebten Tag sollt ihr siebenmal um die Stadt herumziehen und die Priester sollen die Hörner blasen. Wenn das Widderhorn geblasen wird und ihr den Hörnerschall hört, soll das ganze Volk in laut schallendes Geschrei ausbrechen. Darauf wird die Mauer der Stadt in sich zusammenstürzen; dann soll das Volk hinübersteigen, jeder an der nächstbesten Stelle. Da rief Josua, der Sohn Nuns, die Priester und sagte: Nehmt die Bundeslade und lasst sieben Priester sieben Widderhörner vor der Lade des HERRN hertragen! Und zum Volk sagte er: Geht hinüber und zieht rings um die Stadt herum und lasst die bewaffneten Männer vor der Lade des HERRN herziehen! Und es geschah so, wie Josua es dem Volk gesagt hatte: Sieben Priester trugen die sieben Widderhörner vor dem HERRN her und zogen hinüber und bliesen die Widderhörner und die Bundeslade des HERRN zog hinter ihnen her. Die bewaffneten Männer gingen vor den Priestern her, die die Hörner bliesen, die Nachhut folgte der Lade und man blies ständig die Hörner. Dem Volk aber befahl Josua: Erhebt kein Kriegsgeschrei und lasst eure Stimmen nicht hören! Kein Wort komme aus eurem Mund bis zu dem Tag, an dem ich zu euch sage: Erhebt das Kriegsgeschrei! Dann sollt ihr losschreien. Darauf ließ er die Lade des HERRN um die Stadt herumziehen und sie einmal umkreisen. Dann kam man zum Lager zurück und übernachtete im Lager. Früh am anderen Morgen brach Josua auf und die Priester trugen die Lade des HERRN. Sieben Priester trugen die sieben Widderhörner der Lade des HERRN voraus und bliesen ständig die Hörner. Die bewaffneten Männer zogen vor ihnen her und die Nachhut folgte der Lade des HERRN. Man blies ständig die Hörner. So zogen sie auch am zweiten Tag einmal um die Stadt herum und kehrten wieder ins Lager zurück. Das machten sie sechs Tage lang. Am siebten Tag aber brachen sie beim Anbruch der Morgenröte auf und zogen, wie gewohnt, um die Stadt, siebenmal; nur an diesem Tag zogen sie siebenmal um die Stadt. Als die Priester beim siebten Mal die Hörner bliesen, sagte Josua zum Volk: Erhebt das Kriegsgeschrei! Denn der HERR hat die Stadt in eure Gewalt gegeben. Die Stadt mit allem, was in ihr ist, soll Banngut für den HERRN werden. Nur die Dirne Rahab und alle, die bei ihr im Haus sind, sollen am Leben bleiben, weil sie die Boten versteckt hat, die wir ausgeschickt hatten. Aber seid auf der Hut vor dem Banngut, damit ihr es nicht als Banngut erklärt und dann doch davon wegnehmt! So würdet ihr das Lager Israels zum Banngut machen und es ins Unglück stürzen. Alles Silber und Gold und die Geräte aus Bronze und Eisen sollen dem HERRN geweiht sein und in den Schatz des HERRN kommen. Darauf erhob das Volk das Kriegsgeschrei und die Widderhörner wurden geblasen. Als das Volk den Hörnerschall hörte, brach es in laut schallendes Geschrei aus. Die Stadtmauer stürzte in sich zusammen und das Volk stieg in die Stadt hinein, jeder an der nächstbesten Stelle. So eroberten sie die Stadt. Alles, was in der Stadt war, machten sie zum Banngut, Männer und Frauen, Kinder und Alte, Rinder, Schafe und Esel, mit der Schärfe des Schwertes. Zu den beiden Männern, die das Land erkundet hatten, sagte Josua: Geht zu dem Haus der Dirne und holt von dort die Frau und alles, was ihr gehört, wie ihr es ihr geschworen habt! Da gingen die jungen Männer, die Kundschafter, und holten Rahab, ihren Vater, ihre Mutter, ihre Brüder und alles, was ihr gehörte; sie führten ihre ganze Verwandtschaft heraus und wiesen ihnen einen Platz außerhalb des Lagers Israels an.
Die Stadt aber und alles, was darin war, brannte man nieder; nur das Silber und Gold und die Geräte aus Bronze und Eisen brachte man in den Schatz im Haus des HERRN. Die Dirne Rahab und die Familie ihres Vaters und alles, was ihr gehörte, ließ Josua am Leben. So wohnt ihre Familie bis heute mitten in Israel; denn Rahab hatte die Boten versteckt, die Josua ausgesandt hatte, um Jericho auskundschaften zu lassen. Damals schwor Josua: Verflucht beim HERRN sei der Mann, der es unternimmt, diese Stadt Jericho wieder aufzubauen. Seinen Erstgeborenen soll es ihn kosten, wenn er sie neu gründet, und seinen Jüngsten, wenn er ihre Tore wieder aufrichtet. Der HERR war mit Josua und sein Ruhm verbreitete sich im ganzen Land.

Brot zählt zu den Grundnahrungsmitteln. Dies war nicht immer so. Vor ungefähr zehntausend Jahren war Weizen, bzw. sein Vorläufer, nur eines von vielen Wildgräsern, das im Nahen Osten vor­kam. 

Das schon in der Bibel erwähnte einzigartig fruchtbare Jericho gilt als ein Geschenk Gottes an die Hebräer. Somit steht es am Anfang der Geschichte des Volkes Israel. Gott habe hier zugunsten der "Kinder Israels" interveniert, genauso wie beim Exodus, dem Auszug der "Kinder Israels" als Arbeitssklaven aus der Ramsesstadt Pi-Ramesse im Nildelta. – In welcher Reihenfolge die Ereignisse stattfanden, ist umstritten, ebenso ob Jericho bereits (einmal) weit vor der Zeit des biblischen Josua zerstört worden war.

Dem Buch Josua zufolge wurde das von Jebusitern bewohnte Jericho bei der Landnahme Kanaans als erste Stadt westlich des Jordan von den Israeliten erobert und zerstört. Der Name der Jericho-Trompete leitet sich von dem in der Bibel erwähnten Fall Jerichos ab, bei dem der Klang von Trompeten, genauer sieben Schofaren, den Einsturz der Stadtmauern verursacht haben soll (Jos 6,4–20).

Jericho wurde nachweislich vor ungefähr 10.500 Jahren besiedelt. Seinen Namen erhielt es von der Mondgottheit Jarich. Ein 9000 Jahre alter und neun Meter hoher, zylinderförmiger Turm beweist dieses; er gilt als der älteste der Menschheit. Auch eine Mauer ist erhalten, vielleicht war sie Verteidigungsanlage, vielleicht auch ein Schutzwall gegen winterliche Regenfluten aus den Bergen. Jedenfalls konnten Menschen, die zuvor unterwegs waren, um Wildpflanzen zu sammeln und Wildtiere zu jagen, in der Region um die Oase von Jericho in Palästina eine Gruppe von 100 bis 150 Menschen ernähren.

Irgendwann begannen die Menschen dort, das Wildgetreide zu verarbeiten, zunächst zu Brei. Später fingen sie an, diese Pflanzen zu züch­ten. Sie legten einen Teil der eingesammelten Körner beiseite, um sie im nächsten Frühjahr wieder auszusäen. Dabei stellten sie fest, dass sie bessere Ernten erzielten, wenn sie das Getreide tiefer in den Boden einbrachten und es nicht einfach nur ausstreuten. Sie begannen, das Getreide zu „pflegen“. Aus den Wildbeutern wurden Bauern.

Jericho gilt als vermutlich älteste Stadt der Welt. Man müsste allerdings eher von ältester Siedlung sprechen; die ersten Stadtmauern sind erst etwa 2000 Jahre nach der ersten Besiedlung belegt. Zwischenzeitlich war Jericho auch immer wieder ganz ohne Besiedlung. (Der Begriff Stadt ist auch eher als bauliches Abbild einer funktionierenden „Polis“ zu fassen. So ist das heutige Istanbul, als griechische Stadt Byzanz gegründet, als erste Stadt zu begreifen, die zu einem bedeutenden Handelszentrum und schließlich unter dem Namen Konstantinopel zur Hauptstadt des oströmisch-byzantinischen Reichs aufstieg.)

Innerhalb weniger Jahrtausende breitete sich das Getreide von Jericho über die gesamte Welt aus. Weizen domestizierte den Homo Sapiens, der bereits (aus dem Lateinischen kommend) „verstehend, verständig“ war und schon als „weise, gescheit, klug, und vernünftig“ galt; doch schon vorher war er "kluger" Jäger und Sammler gewesen. Seinen Verstand nutzte er, um sich in Gruppen zu organisieren und so effizient zu „arbeiten“.

Die Geschichte der Menschheit ist, so beschreibt es Yuval Noah Harari in seinem Buch „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ von drei großen Revolutionen geprägt, der kognitiven, die vor etwa 70000 Jahren die „Geschichte überhaupt erst in Gang“ brachte, der landwirtschaftlichen, die diese Geschichte vor rund 10000 Jahren beschleunigte, und der wissenschaftlichen Revolution, „die vor knapp 500 Jahren ihren Anfang nahm“. Laut Harari kann sie der Beginn von etwas völlig Neuem sein.

Vielleicht ist sie Grundlage für globale Gerechtigkeit.

Von nun an brauchte die Weizenpflanze jedenfalls Aufmerksamkeit und Pflege. Der Boden muss geharkt und gepflügt werden. Getreide braucht Wasser und Dünger, wie etwa Gülle. Denn der Weizen ist eine anspruchs­volle Pflanze. Damit ihm weder Wasser noch andere Nährstoffe genommen werden, muss er von Unkraut befreit werden. Auch müssen Würmer und andere Schädlinge ferngehalten werden,  wie etwa Kaninchen oder Heuschrecken.

Das neue Leben, die Erfindung der Landwirtschaft, die mit der Pflege des Weizens begann, brachte durchaus Leiden mit sich, vom Muskelkater angefangen, von Rücken- und Gelenkschmerzen bis hin zu Leistenbrüchen.

Doch der Siegeszug des Weizens setzte sich durch, begünstigt durch einen Klimawandel im Nahen Osten - es wurde feuchter. Die Brandrodung durch den Menschen tat ihr Übriges. Transportverluste, sprich heruntergefallene Körner bzw. das Verstreuen durch Wind beförderten die Ausbreitung.

Nach den Überlebens- und Fortpflanzungs­gesetzen der Evolution ist der Weizen eine der erfolgreichsten Pflanzenarten aller Zeiten. Heutzutage sind weltweit 2,25 Mil­lionen Quadratkilometer (fast das Zehnfache der Fläche Großbri­tanniens) mit Weizen bedeckt.

International gilt Deutschland als das Land, in dem die meisten Brotsorten gebacken werden. Grund hierfür ist die Getreidevielfalt. Ein weiterer Grund ist die Kleinstaatlichkeit vergangener Zeiten. Auch die Qualifikation und Kreativität des deutschen Bäckerhandwerks gilt als einmalig. Die am häufigsten verzehrte Brotsorte im deutschsprachigen Raum ist Mischbrot, das aus einer Mischung von Roggen- und Weizenmehl besteht. In den Mittelmeerländern wird fast ausschließlich Weizenbrot verzehrt, wie etwa Baguette in Frankreich; Weißbrot bleibt allerdings nicht so lange frisch. 

Brot entsteht durch einen zu backenden Teig. Dieser besteht aus Mehl, Salz, Wasser und meist einem Triebmittel, wie Hefe oder Sauerteig, das für eine lockere Konsistenz sorgt. Man nennt es gesäuertes Brot. Allerhand andere Zutaten können dem Teig zugesetzt werden, Salz, verschiedene Gewürze, Nüsse oder Samen (Kürbiskerne, Sonnenblumenkerne etc.), Früchte, Gemüse und vieles mehr.

Brotherstellung unterliegt nach Zugabe von Flüssigkeit unter Kneten, Formen und Backen einem irreversiblen, chemischen Prozess. Beim Backen verliert es etwa zehn Prozent Gewicht. 

Ungesäuertes Brot wird ohne Zusatz von Triebmitteln gebacken, oft als Fladenbrot. Diese Brote sind nur Millimeter bis wenige Zentimeter dick. Man kennt sie in Indien und Pakistan. Arabische Fladenbrote sind meist sehr dünn und können daher zu einer Tasche geöffnet werden, die sich mit Fleisch und Gemüse füllen lässt. Fladenbrote werden in der Türkei und im Iran gegessen. Man isst sie in Nordafrika, aber auch in Äthiopien. Aus (Süd- und Mittel-)Amerika sind vor allem die dünnen Tortillas aus Mais- oder Weizenmehl bekannt. In Schweden kennt man ungesäuertes Brot als Knäckebrot.

Fladenbrote
 

Ungesäuertes Brot ist ein rituelles Nahrungsmittel des Judentums, gerade weil mit der Hefe der Gärprozess fehlt. Deshalb gilt es als rein und heilig. Das jüdische Passahfest, der Feiertag, der am Abend des Karfreitags beginnt, entstand aus dem bäuerlichen Fest der ungesäuerten Brote (Ex 9,31; Lev 23,10-14), das zu Ehren der Gerstenernte im April gefeiert wurde und Brotverzehr vor der heiligen Opfergabe untersagte. Das Passahfest erinnert vor allem an den Exodus, den Auszug aus Ägypten, das Ende der jüdischen Gefangenschaft. Gemäß der Überlieferung in der Tora blieb den Israeliten beim Aufbruch keine Zeit, den Teig für die Brote säuern bzw. aufgehen zu lassen. Das heutige, rituelle „Brot der Eile“, Matze oder Matzen genannt, erfordert eine exakte, rezeptgetreue Zubereitung: Wasser und Weizenmehl; kein Salz, kein Zucker, kein Fett. Der Teig muss, unter Aufsicht eines Rabbiners, schnell zubereitet werden, um natürlich einsetzende Gärung zu vermeiden, und schnell im Ofen gebacken werden. Der Backprozess, vom Mischen des Mehls mit Wasser bis zur fertig gebackenen Matze, darf nicht länger als 18 Minuten dauern. 

Ungesäuertes Brot wird in Form von Hostien auch bei der Feier unserer christlichen Eucharistie verwendet, in Erinnerung an die Einsetzung des heiligen Abendmahls, dem Mahl, das Jesus Christus mit den zwölf Aposteln anlässlich des Passahfestes vor seinem Kreuzestod in Jerusalem feierte. Die in der Wandlung der heiligen Messe konsekrierte Hostie ist nach dem Glauben der Kirche der Leib Christi. Der Brauch, bei der Eucharistiefeier Oblaten aus Weizenmehl und Wasser zu verwenden, wurde ebenfalls mit dem ungesäuerten Brot (der Matze) des jüdischen Seders begründet, aber auch aus Sorge vor dem leichter bröselnden gesäuerten Brot; von diesem könnten Partikel verloren gehen. So entwickelte sich auch die Oblatenform (von lat. oblata „Opfergaben“) zum Austeilen an die Gläubigen, um das vielfache Brechen des Brotes zu vermeiden. Der Priester kann auch bei der Heiligen Messe die Zelebrationshostie „kontrolliert“ in mehrere Teile brechen und mehren Gläubigen reichen. Oblaten wurden und werden in sogenannten Hostieneisen gebacken. Auch das Backen der Hostien unterlag ursprünglich strengen Vorschriften. Noch heute werden sie in der Regel in Klöstern, zumeist Frauenklöstern, hergestellt. 

Brot brechen
Hostien in kostbaren Schalen
Oblate
 

In der Bibel ist es die Gerste, die häufig als Getreidepflanze benannt wird. Sie wurde zumeist als Pferdefutter genutzt (1. Kön 5,8). Für den Menschen diente sie als Nahrung, wenn es keinen Weizen gab. Gerste galt als halb so viel wert wie Weizen (2. Kön 7,1.16). Laut Offenbarung 6,6, in Zeiten, wo Lebensmittelknappheit vorhergesagt wird, beträgt der Wert der Gerste ein Drittel des Wertes von Weizen. Doch so können viele davon satt werden. So heißt es: „Hier ist ein kleiner Junge, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; doch was ist das für so viele? Jesus sagte: Lasst die Leute sich setzen! Es gab dort nämlich viel Gras. Da setzten sie sich; es waren etwa fünftausend Männer. Dann nahm Jesus die Brote, sprach das Dankgebet und teilte an die Leute aus, so viel sie wollten; ebenso machte er es mit den Fischen. Als die Menge satt geworden war, sagte er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrig gebliebenen Brocken, damit nichts verdirbt! Sie sammelten und füllten zwölf Körbe mit den Brocken, die von den fünf Gerstenbroten nach dem Essen übrig waren.“ (Joh 6,9-13)

Eine ausschließlich auf Getreide basierende Kost stellt zwar die Grundversorgung mit Kohlenhydraten, Eiweiß und Fett sicher, ist aber arm an Mineralien und Vitaminen, ausschließlich verzehrt schwer verdaulich und gar schlecht für Zähne und Zahnfleisch. Deshalb gilt sie zwar als Grundnahrungsmittel, d.h. als Hauptbestandteil der Ernährung des Menschen – doch eben „nur“ als ein Bestandteil, wenn auch bei einem Mangel an Nahrung, physisch, sozial, gesellschaftspolitisch und vor allem wirtschaftlich betrachtet, Getreide lebensrettend ist. Es sättigt, doch: Um ein Kilogramm Fleisch zu produzieren, werden einige Kilogramm Getreide oder Soja benötigt. Fast die Hälfte der weltweiten Getreideernte wird an "Nutztiere" verfüttert. 

Weizenanbau bedeutet mehr Kalorien pro Fläche, und genau dies ermöglichte dem Homo Sapiens, sich exponentiell zu vermehren. Der Beginn der Landwirtschaft war angelegt. Vor ungefähr 10.000 Jahren fanden sich bald überall im Nahen Osten feste Siedlungen wie Jericho.

Bald und überall machten sich Herrscher und Eli­ten breit, die den Bauern ihre Ernte wegnahmen und ihnen gerade genug zum Überleben ließen. Waren Lebensmittel- sprich Weizenvorräte der Treibstoff der Geschichte der Zivilisation, der Kriege anzettelte? Wohl kaum. Der Homo Sapiens ist, genetisch betrachtet, nicht der Nachfolger des Neandertalers, sondern nach heutiger vorherrschender wissenschaftlicher Meinung, eine andere Menschenart, genauer eine andere von mehreren Linien. Der „wissende“ Mensch, zu „Bewusstsein“ erwacht, hat den Neandertaler vertrieben, gar ausgerottet, weil er sich eben zu organisieren wusste. Er dachte von nun an strategisch. Er war in die Lage versetzt, zu handeln. Das Erwachen des Bewusstseins bedeutete aber auch die Möglichkeit zu irrationalem Handeln. Beobachten kann man dies in der (ersten) Trotzphase von Kindern: ein Verhalten des Widerstands, von heftigen Gefühlsausbrüchen begleit, Gegenwehr ohne Angabe von Gründen. Das Böse kann auch gar keine Gründe haben. Nach Hannah Arendt ist „tief aber und radikal … immer nur das Gute“. Kinder erproben Möglichkeiten, erste Gründe, aber auch Abgründe. Für Christen müsste hier die Geschichte von Adam und Eva (1.Mose 2,4-25) beginnen.

Denn: Auch im Garten Eden herrschte Rebellion. Der Aufstand gegen Gott entstand durch eine Störung der Vernunft (wobei die Schlange in der christlichen Tradition den Teufel, den Auslöser der Versuchung darstellt). Trotz (!) Gottes Verbot wird vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse gegessen. Misstrauen gegen Gott ist entstanden; er könne einem nicht gönnen, sogar vorenthalten. Nach Hannah Arendt (deutsche Theoretikerin, 1906 - 1975) schützt (ausschließlich) Denken davor, aus welcher Motivation auch immer, Böses zu tun. Sie beruft sich auf Sokrates (griechischer Philosoph, 469 - 399 v. Chr.), demzufolge Denken nichts anderes als „stummes Zwiegespräch“ sei; für Hannah Arendt ist diese „Gesellschaft mit sich selbst“, die „Übereinstimmung mit sich selbst“, nicht nur somit Quelle des Gewissens, sondern auch Grundlage, um in die Gesellschaft zu treten und in Diskussion zu kommen, auch um gesamtgesellschaftlich Böses zu verhindern. (Arendt, selbst emigrierte Jüdin, war offizielle Berichterstatterin im Eichmann-Prozess in Jerusalem in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts). Nach christlicher Vorstellung ist Gott mitsprechender Teilhaber eines solchen Zwiegesprächs. Denn Gott gibt die Menschen nicht auf und bietet immer wieder Möglichkeiten des Neuanfangs. Für diesen Bund setzt er im Alten Testament immer wieder Zeichen. Diese Zeichen der Fürsorge bleiben. So gibt er beispielsweise Noah und seinen Nachkommen ein Versprechen: „Meinen Bogen setze ich in die Wolken; er soll das Zeichen des Bundes werden zwischen mir und der Erde (1. Mose 9, 13). Die Vertreibung aus dem Paradies hatte Verlustangst mit sich gebracht.

Adam und Eva stehen jedenfalls für den Eintritt in die materielle Welt, die bewusste Abkehr von Gottes Geboten. Der Mensch wurde durch diese Unheilsgeschichte tiefgreifend verändert. Sie steht gleichnishaft für die Beschreibung des Wechsels vom Jäger und Sammler zur sesshaften Lebensweise mit Ackerbau und Viehzucht. Das einfache Leben „von der Hand in den Mund“ wird aufgegeben und ersetzt durch Feldarbeit. Der Preis der Erkenntnis sind die Mühen darum. 

Mit der Geburt Jesu, des „zweiten Adam“, sollte der Erlöser kommen, um den Menschen von seinen „geerbten“ Sünden, diese zu begehen er nun verurteilt war, wieder zu erlösen. Jesus Christus (aus dem Altgriechischen „der Gesalbte“) ist nach christlicher Lehre gemäß dem Neuen Testament der von Gott zur Erlösung aller Menschen gesandte Messias und Sohn Gottes. Die vierzigtägige Fastenzeit, die österliche Bußzeit, dient der Vorbereitung auf die Feier des Todes und der Auferstehung Christi und nimmt somit das Heilsversprechen an. 

Die Feier der Eucharistie ist die Erinnerung an das Opfer Christi am Kreuz und bildet den Höhepunkt der Heiligen Messe. Bei der Kommunion empfangen die Gläubigen dabei die Hostie, das Brot. Jesus Christus ist darin gegenwärtig.

Das alltägliche Brot erinnert daran.

gesegnetes Brot
 

Christine Striegel

Katholische Kirchengemeinde

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