Impulse Pfarrgemeinde Her Mariae

Alle Heilige... und unsere Seelen | November

Es ist gut, wenn uns die verrinnende Zeit nicht als etwas erscheint, das uns verbraucht und zerstört wie die Handvoll Sand, sondern als etwas, das uns vollendet.

Antoine de Saint-Exupéry


Die Bäume verlieren ihre Blätter, die Singvögel fliegen gen Süden, Nebel ziehen auf. November - Monat der Trauer und Einkehr. Gedanken an die eigene Vergänglichkeit dringen in unser Bewusstsein.

„Der Tod ist groß“, sagt Rainer Maria Rilke (1875-1926) in einem seiner bekanntesten Gedichte, aber auch: „Wir sind die Seinen lachenden Munds“.


Halloween?  Allerheiligen • Allerseelen

Am Anfang war Halloween? Halloween war ursprünglich das keltische Fest zum Sommerende, das Samhain. Es markierte den Beginn des Winters am ersten November. Die irischen Kelten erwarteten, dass ihre toten Vorfahren an diesem Tag als Geister auf die Erde zurück kämen. Um Seelen mit bösen Absichten fern zu halten, verkleidete man sich schaurig, zündete große Feuer an und stellte den Toten etwas zum Essen bereit, falls diese doch zurückkommen sollten. Als das keltische Irland christlich wurde, wurde Samhain zu „all hallows evening", zum Vorabend von Allerheiligen und Allerseelen. Nun ging es darum, die Seelen davor zu bewahren, zurückzukehren aus dem Jenseits. Aus der Erfüllung des Lebens zurückkehren? Nicht wirklich vorstellbar für Christen. Wir sprechen vom Himmel, nicht von der Hölle; eine solche besitzt in der „Göttlichen Komödie“ bei Dante als Teil des „Infernos“ eine Art Zwischenreich, das tatsächlich das Reich der Zögernden und Wartenden, der Umkehrwilligen vor der Möglichkeit zur Läuterung darstellt. Dieses steht also noch vor dem Fegefeuer, dem sogenannten Purgatorium, dem „Reinigungsort“. Denn erst nach der Läuterung, die eine Seele nach dem Tod erfährt, wird sie in den Himmel aufgenommen. Dabei geht es natürlich nicht um das „Wo?“, sondern um das „Wie?“ und „Wann?“, um den Augenblick.

Allerheiligen

Die persönlichen Feste unserer Heiligen feiern wir an jeweils eigenen, ihnen speziell gewidmeten Tagen, im Laufe eines Jahres. Dies sind gegebenenfalls ihre Todestage.

Am ersten Tag des Monats November feiern wir Allerheiligen. Allerheiligen bedeutet das Gedenken aller Heiliger, der bekannteren und der weniger bekannten. Man gedenkt derjenigen, die (noch) nicht heiliggesprochen wurden – auch solcher, um deren Heiligkeit niemand weiß als Gott. Allerheiligen bietet Gelegenheit, darüber nachzudenken, welche die Gemeinsamkeiten dieser, aller Heiliger sind und was diese besonderen Men­schen, deren Geschichten uns häufig berüh­ren, zu Heiligen gemacht hat.

Was genau ist ein Heiliger/eine Heilige?

Zweifellos sind Heilige außergewöhnliche Menschen, die, voller Liebe, Energie, Frische, Ideen und Gestaltungskraft, ihren Weg, stets bewusst in der Nachfolge Jesu, gegangen sind.

Und doch gehen Heilige denselben Weg wie wir selbst, mit allen Möglichkeiten, wie alle Christen, nur dass sie ein Stück weiter, viel weiter gegangen sind. Sie sind Gott sehr nah, gleichsam in seine Aura, gerückt. Dadurch bilden Heilige nicht nur Berührungspunkte mit uns selbst, sondern auch mit den bereits verstorbenen Seelen, die wir ebenfalls bei Gott glauben. Gleichzeitig sind sie eine Ermutigung, das bestmögliche Leben zu führen und sich niemals einschüchtern und entmutigen zu lassen oder gar aufzugeben – und – sie geben Trost über den Tod hinaus.

Heilig, auch sakral benannt, bezeichnet etwas Besonderes, Verehrungswürdiges. Im Wort heilig klingt das alte Wort holon nach. Es bedeutet heil im Sinne von ganz (vgl. englisch holy, – von whole). Folglich sind Heilige „ganze“, vollkommene Menschen. Dies waren sie nicht aus Fleiß, Begabung oder bloßem Ehrgeiz, sondern weil sie aus einer tiefen Beziehung zu Gott heraus gehandelt haben. Aus dem Glauben an Gott und dem Vertrauen zu Gott haben sie ihre besondere Ausstrahlungs- Anziehungs- und Ansteckungskraft gewonnen; nicht selten durch eigene, tiefe Ängste, und Anfeindungen sowie Unverständnis der Umwelt ihrer Zeit.

Diese „besten Menschen“ sind somit auch Vorbilder für unser Leben, um ein „ganzer“ Mensch zu werden, weil sie vorgemacht haben, wie es gehen kann. Somit wird es nach Nathan Söderblom (1866-1931) „anderen leichter, an Gott zu glauben“.

Christen beten um die Fürsprache der Heiligen bei Gott.

Gebet

Mein Gott,

mein Erlöser, bleibe bei mir.
Fern von Dir
müsste ich welken und verdorren.
Zeigst Du Dich mir wieder,
blühe ich auf in neuem Leben.

Du bist das Licht, das nie verlöscht,
die Flamme, 

die immer lodert.

Vom Glanz Deines Lichtes beschienen,

werde ich selber Licht, um anderen zu leuchten.
Ich bin nur wie ein Glas,
durch das Du den anderen scheinst.

Lass mich zu Deinem Ruhm Deine Wahrheit und Deinen Willen verkünden,
- nicht durch viele Worte,
sondern durch die stille Kraft der tätigen Liebe - 
wie Deine Heiligen - 
durch meines Herzens aufrichtige Liebe zu Dir.

John Henry Newman

 

„Heilig“ oder „Selig“

Heiligenlegenden beschreiben das Leben eines bzw. einer Heiligen. Sie werden seit Jahrhunderten überliefert. Denn ihr Leben zeigt das Wirken des Heiligen Geistes in einer konkreten Biographie. Dies wird letztlich auch im Verfahren zur Selig- oder Heiligsprechung festgestellt.

Menschen werden „selig-“ oder „heiliggesprochen“, wenn sie dem Vorbild Jesu in besonderer Weise gefolgt sind und durch den Tod (Märtyrer), durch ein tugendhaftes Leben (Bekenner) oder, falls es sich nicht um einen Märtyrer handelt, durch das Bewirken eines Wunders ihren Glauben beispielhaft gelebt haben. Die Entscheidung fällt der Papst. Bei Seligen handelt es sich häufig um Menschen, die als Märtyrer ihren Glauben bezeugt haben, bei Heiligen liegt oft ein Wunder vor oder eine große Verehrung im Volk. Sie werden in das Verzeichnis der Heiligen (Kanon) aufgenommen und dürfen über den gesamten "Erdenkreis" als Heilige verehrt werden, während bei Seligen die öffentliche Verehrung lediglich (zunächst) in einer bestimmten Region gestattet ist. Einer Seligsprechung folgt häufig die Heiligsprechung zu einem späteren Zeitpunkt.

"Die Vorläufer Christi mit Heiligen und Märtyrern"

Nicht nur das Erzählte, die „Storia“, dient dem Bericht über Vergangenes und Besonderes. Denn das Auge kann „hören“: Auch Maler haben immer wieder die Vielzahl der Heiligen darzustellen gesucht, so der Maler Fra Angelico mit seinem Bild „Die Vorläufer Christi mit Heiligen und Märtyrern“. Es entstand als Teil eines Altarsockels in der Kirche San Domenico in Fiesole bei Florenz, in den Zwanzigerjahren des fünfzehnten Jahrhunderts. Das Bild wurde in Tempera auf Holz gemalt, ist „nur“ 32 mal 64 Zentimeter groß; heute hängt es, zusammen mit vier weiteren Tafeln, in der National Gallery in London. Die sogenannte Predella umfasste fünf Felder mit der Darstellung des auferstandenen Erlösers inmitten anbetender Engel, Heiliger, Propheten und Dominikanermönche. Dieses Bild Fra Angelicos zeigt eine Auswahl von Heiligen, gemalt im Stil der Frührenaissance.  

Fra Angelico – auch unter dem Namen Fra Giovanni da Fiesole bekannt – wurde als Guido, oder Guidolino, di Pietro im Mugello, in der Toskana, bei Fiesole, geboren, vermutlich 1387 – das Datum gilt nicht als gesichert. Jedenfalls stammt er aus dem kleinen Örtchen Vicchio. Gelegen in sanfter Hügellandschaft der Toskana, waren hier auch etwas mehr und noch etwas mehr als 100 Jahre zuvor Giotto di Bondone (1267/1276-1337) und dessen Lehrer Cimabue (1240-1302) zur Welt gekommen, maßgebliche Wegbereiter und Künstler der Renaissance. Giotto war u.a. durch den Freskenzyklus in der Basilika San Francesco in Assisi bekannt geworden sowie durch die Fresken in der Peruzzi- und Bardi-Kapelle der Basilica Santa Croce in Florenz. 

Das Novum ihrer Malerei war, dass man nicht mehr bloß beflissen die malerische Angleichung an die Natur, sondern die Einzigartigkeit, den Moment, das Besondere eines Geschehnisses herauszuarbeiten und darzustellen suchte. Denn in Florenz, der Stadt der Medici, war ein neues Selbstgefühl der Bürger entstanden, welches sich im regen Handel ausdrückte. Man denke an den Woll- und Tuchhandel, etwa die Leinenweberzunft. Die Menschen begannen, ihre eigene Lebenswelt zu schaffen. Eine solche suchte und brauchte den Dialog. Der Kunstraum war dafür ideal, vorausgesetzt, dass die Kunst nun auch beauftragt und bezahlt werden konnte. Denn Kunst bot nicht nur Schmuck, sondern die Möglichkeit, sich darin wiederzufinden und sich mit sich selbst und im Angesicht Gottes zu konfrontieren. Dies geschah – und die Wirkung besteht noch heute! – natürlich über die Auseinandersetzung mit Szenen biblischen Geschehens und eben, wie im Polyptychon für den Hochaltar der Kirche San Domenico in Fiesole bei Florenz, mit Darstellungen von Heiligen oder Engeln. So stellte Fra Angelico sich etwa als Erster das Paradies als einen Engelreigen im Blumengarten vor.  

Fra Angelico hatte selbst im Konvent San Domenico, seinem Heimatkloster, in Fiesole gelebt. Von dort hat man übrigens einen hervorragenden Blick auf Florenz, was ihn möglicherweise anregte, in den verschiedenen Konventen, in denen er später lebte, ein umfangreiches künstlerisches Schaffen zu Tage zu legen, in Altarretabeln, bemalten Lettnern und vor allem Fresken.  

Fra Angelico hat die Kunst revolutioniert, nicht nur das Altarbild. Zahlreiche ikonografische Innovationen gehen auf ihn zurück; denn Ikonen galten in der Renaissance nicht mehr als „vom Himmel gefallen“ und anbetungswürdig, sondern galten allenfalls als Portraits, und wurden dementsprechend selbst auch anders umgesetzt und belebt: Die Figuren „spielen“ nun gleichsam eine bzw. ihre Botschaft. Den Mönchen im Kloster von San Marco in Florenz hat Fra Angelico eindringliche, mannshohe biblische Fresken in insgesamt 44 Zellen gemalt und damit seine Mitbrüder in engem Raum der massivsten spirituellen Bildwirkung ausgesetzt. Die größte Zelle bewohnte kurz darauf der Bußprediger Girolamo Savonarola, der Aufsehen mit seiner Kritik am Lebenswandel des herrschenden Adels und Klerus erregte und bis zu seiner Hinrichtung 1498 über Florenz herrschte. Er sah in der Kunst eine Waffe des Glaubenskampfes.  

Der heilige Philipp Neri war hier kurze Zeit später zur Schule gegangen, kannte folglich ebenfalls die Bilder, bevor er nach Rom ging und neben all seinem beispielgebenden Wirken ein bedeutender Gegenreformator wurde. Zuvor hatte Cosimo de’ Medici für die Neu-Konsekrierung im Jahre 1443 das Geld für die Arbeiten an San Marco gegeben. Er hatte dafür vom Papst einen Ablass erhalten, dessen erste Zeile er über dem Eingang zur Sakristei hatte anbringen lassen. Auch de’ Medici hatte eine Zelle im Kloster, in die er sich zur persönlichen Einkehr zurückzog. Zu dieser Zeit wurden die Wände der Zellen sowie Teile der beiden Kreuzgänge von Fra Angelico und anderen Malern, wie etwa Benozzo Gozzoli, mit Fresken verziert.  

Fra Angelico war Dominikanermönch; malende Mönche waren zu der Zeit nichts Ungewöhnliches; in Florenz gab es zahlreiche bedeutende Mönchsmaler, nicht zuletzt weil sie steuer- und zunftfrei - von allen anderen großen Florentiner Künstlern kamen Klagen an die Steuerbehörden - arbeiten konnten. Fra Angelico, so berichtet es der Verfasser seiner Lebensbeschreibung, Giorgio Vasari, selbst Maler der Hochrenaissance, Architekt, Biograph und auch Zeitgenosse zahlreicher Renaissance-Maler, sei erst nach seiner Lehrzeit als Buchmaler in das Kloster eingetreten, mit neunzehn Jahren. Fra Angelico soll sogar ziemlich gut verdient haben. Hinter seiner feinsinnigen Kunst stand wohl auch ein Maler mit zeitgemäßen, weltlichen Prinzipien.  

„Seine Heiligen sind die glückseligsten, die je ein Künstler geschaffen hat“  

Dennoch galt Fra Angelico als sehr spirituell. Wie kein anderer, so Vasari, stellte er seine Kunst in den Dienst „frommer Andacht“ und „sittlicher Erbauung“: „Fra Giovanni“, so schreibt er, „war ein schlichter Mensch von heiligem Lebenswandel ...liebenswürdig und maßvoll lebte er in keuscher Abgeschiedenheit, fern vom Treiben der Welt. Wer eine Kunst üben will, so meinte er, tut gut daran, ein stilles, genügsames Leben zu führen, und wer sich Christus weihen will, soll Christus immer nahebleiben... Kein Lob ist für diesen gottesfürchtigen Mönch zu groß; er legte in allem, was er tat und sagte, aufrichtige Demut an den Tag, und seine liebliche Malerei beseelte tiefe Frömmigkeit. Seine Heiligen sind die glückseligsten, die je ein Künstler geschaffen hat. Man erzählt, Fra Giovanni habe nie zum Pinsel gegriffen, ohne zuvor inständig gebetet zu haben. Malte er ein Kruzifix, so benetzten heiße Tränen seine Wangen. Die ganze innige Gottesliebe, die seine Seele erfüllte, goss er in seine Gestalten.“ (1)

„Der heilige Maler“, Beato Angelico, denn laut Vasari schon damals der „gesegnete Engelsgleiche“ genannt, wurde 1982 von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen und 1984 zum Schutzpatron der christlichen Künstler erhoben, „nicht ohne die Künstler zu ermahnen, dem Beispiel dieses frommen Mannes zu folgen“. (2) 

Selig bzw. heilig gesprochen worden, sind einige bedeutende Maler. So waren nicht nur „Malermönche, sondern zumeist alle Maler der Renaissance tiefreligiös und wollten ihren Glauben und ihr Bemühen darum in ihrer Kunst zum Ausdruck bringen.

Das Bild "Die Vorläufer Christi mit Heiligen und Märtyrern", Fra Angelico, vermutlich 1423–24

Das Bild zeigt, auch laut Titel, „die“ Vorläufer Christi, wie Johannes, aber auch Paulus und Petrus. Sie und andere bilden die wichtigen Säulen, auf denen sich die christliche Kirche gründet. Auch die vier Evangelisten sind wohl dazwischen. Die vier Kirchenväter (Augustinus, Gregor, Hie­ronymus und Ambrosius) sind an ihren „Bischofsmützen“, den Mitras, und den Bischofsstäben erkennbar. Weitere „Vorläufer“ des Alten Testaments sind Mose(s) mit der Bundeslade in seinen Händen und Abraham hinten in der Mitte, der Stammvater Israels. Rechts oben steht David, der Vorfahr Jesu, mit der Harfe in den Händen.  

Die Vorläufer befinden sich inmitten männlicher und weiblicher Heiliger, Märtyrer und Märtyrerinnen. Letztere sind Menschen, die um ihres Bekenntnisses zum Glauben leiden bzw. gar gewaltsam zu Tode kommen. Das Märtyrerdasein war bis dahin bewusst angestrebt worden – so erklärt sich ihre Position zwischen bewusst handelnder Heiliger (Bekenner), „Vorläufer“ und Propheten.

Alle dargestellten Personen sind in drei Reihen - eine Dreierteilung gilt als harmonisch - übereinander aufgestellt. Formal sind sie gleichmäßig verteilt. Inhaltlich ist keine „himmlische Ordnung" festzustellen. Einige halten einzelne Palmblätter in ihren Händen. Ursprünglich schon römische Zeichen des Sieges, gelten diese im Märtyrium als Siegessymbol des ewigen Lebens und der Auferstehung. War doch Jesus, als er auf einem Esel in Jerusalem einzog, mit Palmwedeln begrüßt worden (Mt 21,8 EU). In der Renaissancezeit wurde das Symbol neu belebt. So trägt auch im Vordergrund, passend dazu, die heilige Agnes ein Lamm im Arm – der Hinweis auf die Erlösung durch Gott, der auf dem Thron sitzt, durch das Lamm Gottes, Jesus.  

Offenbarung des Johannes 7,9  

„Danach sah ich und siehe, eine große Schar aus allen Nationen und Stämmen, Völkern und Sprachen; niemand konnte sie zählen. Sie standen vor dem Thron und vor dem Lamm, gekleidet in weiße Gewänder, und trugen Palmzweige in den Händen.“

Maler versuchten natürlich oft, die Vielzahl der Heiligen darzustellen. In diesem Bild wirken sie lebendig, wie auf eine Bühne gestellt, als ob sie vor dem Thron Gottes Aufstellung nähmen. Fast alle schauen nach rechts – zur Rechten Gottes? – und sind entsprechend unterschiedlich mehr oder weniger in einem seitlichen Profil dargestellt. Mit diesem Bild bekennt sich der Künstler voll und ganz zur neuen Sprache der Renaissance. Es gibt keinen pyramidialen, hierarchischen Aufbau mehr, wie er sonst Altarbildern zu eigen war, sondern eine klare Struktur durch die Reihung. Die Köpfe liegen nicht mehr komplett, wie vorher noch üblich, auf derselben Ebene; die Haltungen sind nicht mehr ganz aufrecht, und die Hände ragen mittels Gesten und ihrer Ikonografischen Heiligenattribute konkret aus dem Bildraum. Lebhafte Gebärden werden unterstützt von eleganter Gewanddrapierung, die durchaus weltlichen Prunk entfaltet. Das Licht kommt, vom Betrachter gesehen, von links – somit von der Rechten Gottes. Das Bild widerspiegelt die atmosphärische Stimmung, auch durch die ausgewogene Farbauswahl; alle Protagonisten blicken beseelt anlässlich des Empfangs im himmlischen Thronsaal – angesichts des Neuen.

Gott ist… d.h. Gott weiß um die Dinge – im Sinne der Vorsehung. Und – Gott schafft, spricht (macht sehend), ruft… So wie der Künstler Fra Angelico gleichsam als Zeremonienmeister die Heiligen antreten lässt (und zeigt), zeitgleich mit ihren unterschiedlichen Lebensdaten und Biographien, weil gleich in ihrer Heiligkeit, und natürlich zum Akt der Verherrlichung, so betätigt sich Gott als schöpferischer Chefkünstler - bzw. himmlischer Chefarchitekt des Ganzen. Er führt den Augenblick des Ankommens und Erkennens herbei, den diese besonderen Menschen auf direktem Weg, denn eine Läuterung war nicht mehr nötig, weil bereits frei von Sünden, nehmen durften.

Teilweise sind die Heiligen wie FürstInnen und Könige dargestellt. Weil sie gleichsam fürstlich belohnt werden (auch Giotto hält für Franz von Assisi einen mit Edelsteinen geschmückten Thron bereit in zwei seiner Fresken in der Ober- bzw. Unterkirche San Francesco in Assisi), oder, wohl eher, weil zu den Heiligen auch Königssöhne und Königstöchter zählten, bevor sie sich erniedrigten. Auch Franz von Assisi entstammte zwar keiner fürstlichen, aber sehr wohlhabenden Familie.

Das Neue ist die Vollendung, das Begreifen des Unbegreiflichen. Den Weg dorthin, in vielen Augenblicken und Ereignissen, haben alle Heiligen „wörtlich“ genommen „gotteswörtlich“. Und: Gott lässt sie sprechen – auch fürsprechen.

Präfation zu Allerheiligen | Magnificat

In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, allmächtiger Vater, zu danken und dich mit der ganzen Schöpfung zu rühmen. Denn heute schauen wir deine heilige Stadt, unsere Heimat, das himmlische Jerusalem. Dort loben dich auf ewig die verherrlichten Glieder der Kirche, unsere Brüder und Schwestern, die schon zur Vollendung gelangt sind. Dorthin pilgern auch wir im Glauben, ermutigt durch ihre Fürsprache und ihr Beispiel, und gehen freudig dem Ziel der Verheißung entgegen. Darum preisen wir dich in der Gemeinschaft deiner Heiligen und singen mit den Chören der Engel das Lob deiner Herrlichkeit.  


Erfahrungen mit Gott

Der gute Hirte | Ein Psalm Davids.

Der HERR ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen. 

Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser. 
Meine Lebenskraft bringt er zurück. Er führt mich auf Pfaden der Gerechtigkeit, getreu seinem Namen. 
uch wenn ich gehe im finsteren Tal, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab, sie trösten mich. 
Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde. Du hast mein Haupt mit Öl gesalbt, übervoll ist mein Becher. 

Ja, Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang und heimkehren werde ich ins Haus des HERRN für lange Zeiten.  

Psalm 23 

Im Psalm 23 beschreibt David seine eigene Erfahrung mit Gott – Gott als dem guten Hirten. David ermutigt, das unbedingte Vertrauen in Gott zu haben. Gott behütet und begleitet, egal was passiert. Wer diesen zum Hirten hat, dem wird es an nichts mangeln, trotz Problemen, Schwierigkeiten und Schicksalsschlägen. Dies birgt Hoffnung – über den Tod hinaus. Denn im zweiten Teil bezeichnet David Gott als Gastgeber. Was ist damit gemeint? Dass wir keine Angst vor dem Tod haben müssen, es sogar einmal sehr gut haben werden. Dass es sich lohnt, ein gutes Leben leben zu wollen, weil es ein gutes Ziel besitzt. 

Im Johannesevangelium steht: „Im Hause meines Vaters sind viele Wohnungen. Wäre es nicht so, hätte ich es euch gesagt. Ich gehe, um euch einen Platz zu bereiten. Und wenn ich gegan­gen bin und euch einen Platz bereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen,'damit, wo ich bin, auch ihr seid" (Joh 14,2-3). 

Den gemeinsamen Weg dorthin bietet Jesus an, indem er vorher sagt: „Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, (Joh 10,14; EU) Jesus ist bereit, sein Leben für „seine“ Schafe, die Menschen, hinzugeben, um aufzuzeigen, dass die Liebe Gottes stärker ist als der Tod.  

In Anlehnung an den Psalm 23 gibt Jesus einen Hirtenauftrag. Diesen gilt es weiterzutragen.


Allerseelen

Heilige zu ehren, die bereits im Himmel sind, und für Menschen beten, die noch nicht im Himmel sind, verbindet die beiden Feste Allerheiligen und Allerseelen.  

An Allerheiligen feiern katholische Christen die Erinnerung an Heilige - an Allerseelen, am folgenden Tag, denken wir an und beten für diejenigen Menschen, die wir ebenfalls entweder auf dem Weg zu Gott, oder bei Gott angekommen, glauben. Das Kreuz als Symbol dafür ist wichtig.

Am Nachmittag zu Allerheiligen besuchen Menschen die Friedhöfe, zu Spaziergängen, Grabumgängen oder Prozessionen. An den Gräbern von Verwandten oder Freunden wird ihrer gedacht. Vielerorts gibt es Allerheiligen-Messen; die Namen der Menschen werden verlesen, die in den letzten 12 Monaten verstorben sind. Die Gräber werden mit Blumen geschmückt, häufig gesegnet. Die bren­nenden Lichter, die während der Nacht zu Allerseelen auf den Grä­bern verbleiben, sind Symbol der Hoffnung auf das ewige Lebenslicht. In ihnen leuchtet das Vertrauen, dass unsere Verstorbenen nicht nur in unseren Herzen weiterleben, sondern mit allem, was wichtig war in ihrem Leben, nun in einer neuen Lebensart bei Gott sind.

Die Toten sind für uns Christen nicht wirklich tot, sie gehören zu uns und wir versichern uns ihrer Verbindung zu uns durch den Glauben. Die Verstorbenen prägen oder prägten uns schließlich — auch genetisch und in unserer ganz konkreten Lebensgeschichte. Die Erinnerung an sie bedeutet auch immer wieder die Erkenntnis, dass wir alle, Lebende und Verstorbene, auf einem Weg, in einem Strom von Menschen unterwegs sind und miteinander durch die Zeiten ziehen. 

Und immer wieder die Erkenntnis, dass unsere guten Taten sowie Versäumnisse mit der Chance der Hoffnung verbunden sind — Heilige sind Menschen, die die Schritte der Seligpreisungen in idealer Weise gegangen sind. 

Was aber dem Leben Sinn verleiht, gibt auch dem Tod Sinn. Es ist leicht zu sterben, wenn es in der Ordnung der Dinge liegt.

Antoine de Saint-Exupéry

Christine Striegel




(1) Giorgio Vasari, Le Vite de’ più eccellenti architetti, pittori, et scultori italiani, da Cimabue infino a’ tempi nostri: descritte in lingua toscana da Giorgio Vasari, pittore arentino – Con una sua utile et necessaria introduzione a le arti loro. L. Torrentino, Florenz 1550, 2 Bde. | Teil 3 

(2) DIE ZEIT Nr. 01/2009

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