21.04./22.04. | Jahreskreis | Pfarrgemeinde Herz Mariae

Ostern

An Ostern feiern wir Christen die Auferstehung Jesu von den Toten. Es ist das höchste christliche Fest: Höhepunkt ist die Feier der Osternachtsmesse. 

Die Evangelisten berichten von den Frauen, die das leere Grab Jesu finden und von einem Engel das Geschehen erklärt bekommen: „Ihr sucht Jesus von Nazaret, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden; er ist nicht hier“ (Markus 16,6).

Mit dem feierlichen Gottesdienst erinnern wir uns dieses Geschehens; wir glauben an ein Weiterleben nach dem Tod. 

Das Abbrennen eines Feuers zu Beginn der Osternachtsfeier, die Osterkerze wird daran entzündet, steht als Symbol für die Auferweckung Jesu von den Toten. In feierlicher Prozession wird die Kerze in die dunkle Kirche gebracht und darin das „Lumen Christi“ - Christus das Licht - gefeiert. 

In den Lesungen erinnert sich die Gemeinde an Taten ihres Gottes wie die Erschaffung der Welt und des Durchzugs Israels durch das Rote Meer. Erst zum Halleluja setzt die Orgel ein; und anschließend wird der biblische Auferstehungsbericht verlesen. Darauf folgt eine Taufe oder die Tauferinnerung. 

In der anschließenden Eucharistiefeier erinnern wir uns des Leidens, Sterbens und Auferstehens Jesu.

Nach der 40tägigen Vorbereitung auf Ostern, der Fastenzeit, folgt nun die 50tägige Festzeit, um das Ostergeschehen zu feiern. An dessen Ende steht das Pfingstfest. Den Termin (des ersten Sonntags nach dem ersten Frühlingsvollmond) legte das Konzil von Nizäa im Jahr 325 fest.

Auferstehung, Emil Nolde
 

Plötzlich entstand ein gewaltiges Erdbeben, denn ein Engel des Herrn wälzte den Stein vom Grab weg und setzte sich darauf“ (Mt 28, 2). Diesen Satz der Auferstehungsbotschaft nach Matthäus kommentiert Martin Luther scheinbar lapidar so: „Wenn Christi Auferstehung verkündet wird, gibt’s immer ein Erdbeben.“ Wenn das wahr ist, dann ist radikal Schluss mit dem süß-fröhlichen Frühlingsfest voll von Eiersuchen und Osterhasen. Der Kommentar trifft den Kern des tiefsten Geheimnisses unseres Glaubens. In der Auferstehung werden Leid, Tod, Grab, Versperrungen und Verschlossenheiten aufgesprengt vom Leben, aufgesprengt vom Leben Gottes. Das geht nicht ohne Erdbeben und Erschütterung ab. Nicht nur Erschütterung der Erde, sondern Erschütterung der Herzen, der Gemüter, der Seelen, der Geister. Erschütterung von Menschen, die hier einem Leben und einer Hoffnung begegnen, die kein Mensch von sich aus ersinnen und erwarten kann. 

Deshalb kann Ostern keine harmlose Blumenwiese voller Hasen und Eier sein (auch wenn das ebenfalls Zeichen des Lebens sind). Ostern ist ein gesprengtes Grab, eine von Gott gesprengte Todeszelle, die nicht nur die Frauen und die Apostel damals herausforderte, sondern uns alle. 

„Wenn Christi Auferstehung verkündet wird, gibt’s immer ein Erdbeben.“ Denn diese Botschaft stellt alles Erwartete auf den Kopf und verlangt von jedem, sich zu ihr zu verhalten, Stellung zu beziehen. Dabei hat sie das Potenzial, alle erstarrten Gewohnheiten zu durchstoßen. Und in unserem Leben, in unserer Gesellschaft, in unserer Kirche gibt es wahrlich mehr Erdbebenbedürftiges, mehr Erschütterungsbedürftiges, als wir oft meinen. 

Ja, es gibt vieles, wo kein Stein auf dem anderen bleiben darf, damit wir nicht eingeschlossen bleiben in den Mauern der Festungen, die wir gebaut haben: die Festung des eigenen Ich, der eigenen Vorstellungen, der eigenen Urteile, der eigenen Auffassung von Leben und Realität. Die Festung einer Gesellschaft, die ein um sich selbst kreisendes System von wirtschaftlichen, politischen und moralisch festgefahrenen, aber doch nur vermeintlichen Notwendigkeiten ist, ein System, das sich nicht aufbrechen lassen will, „weil es immer so war“ und in Erwartung eines beständigen Wachstums in alle Zukunft hinein so bleiben soll. Dazu gehört auch die Festung Europa, die wir immer mehr vermauern vor Menschen, die aus sehr verschiedenen Gründen aus aller Welt bei uns Heimat suchen. Deren Hoffnungen zerschellen oft schon vor den ersten Festungsringen, etwa vor Italien. 

Von der Osterbotschaft können und müssen Erdbeben und Erschütterungen ausgehen. Sicher auch für unsere Kirche, wo Verantwortliche, Gemeinden und Gruppen sich ein gut organisiertes, funktionierendes Christentum und eine anständige Kirchlichkeit aufbauen mit den wenigen Prozenten ihrer Engagierten und Praktizierenden und dabei die weit größere Zahl der Entfremdeten, der Suchenden, der Ringenden, der Gleichgültigen aus den Augen verlieren, die große Zahl derer, die Gott aus ihrem Leben verloren oder nie darin gefunden haben. 

Ja, es ist schwer genug, die „eigenen Schäfchen“, wie wir bezeichnenderweise sagen, zusammenzuhalten. Das wissen wir alle. Aber eine Botschaft vom Leben, die sogar den Tod durchbricht, muss etwas in uns und um uns zum Beben bringen. Sie muss etwas auslösen, in dem unser alter Mensch mit Christus gekreuzigt und auferweckt wird, sodass wir nicht Sklaven bleiben – Sklaven der Sünde, der Verhältnisse, der Umstände, des Konsums und des Ökonomismus –, sondern als neue, freie Menschen leben (vgl. Röm 6, 3–11) und so auf unsere Mitmenschen zugehen. 

Deshalb zittern die Wächter vor Angst und fallen wie tot zu Boden: weil in der Auferstehung so Unerhörtes vor sich geht. Ob nicht bis heute manche allzu strengen Wächter von Recht, Ordnung, Disziplin und reiner Lehre zittern müssten angesichts des neuen, ganz anderen Lebens, das die Auferstehung hervorbringt?! Angesichts eines Auferstandenen, der nicht zuerst den Aposteln erscheint, die ihm vor der Kreuzigung noch die Treue geschworen hatten, sondern den Frauen?! Angesichts des Auferstandenen, der sich mit seinem neuen Leben nicht zuerst den Menschen in der frommen Metropole Jerusalem zeigt, sondern nach Galiläa geht, ins Galiläa der Heiden, der verschiedenen Kulturen, auch der Gesetzlosen, der kleinen und vielfach erlösungsbedürftigen Leute?! Die Apostel sollen nach Galiläa gehen, „dort werdet ihr ihn sehen“ (Mt 28, 7). 

Die Festung Jerusalem wird vom Erdbeben des neuen Lebens erschüttert, damit der galiläische Frühling neu aufbrechen kann. Ein Frühling, wo Menschen dem Leben neu trauen, wo Menschen offen sind für diesen Jesus und sein Gefolge: die Armen und Kranken an Leib und Seele. Wo die göttliche Willkommenskultur: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt!“ (Mt 11, 28) sich fortsetzt in der Willkommenskultur von Gemeinden, Ländern, Staaten und besonders auch unserer Kirche untereinander und den vielen Flüchtlingen gegenüber, die an unsere Tür klopfen. Der Auferstandene sagt: „Ich stehe vor der Tür und klopfe an“ (Offb 3, 20). Und der Gemeinde von Philadelphia sagt er: In meiner Auferstehung „habe ich vor dir eine Tür geöffnet, die niemand mehr schließen kann“ (Offb 3, 8). Dürfen wir dann so viele Türen in uns, in Gesellschaft und Kirche schließen und Menschen draußen lassen, denen wir ein Drinnen anbieten könnten? 

„Wenn Christi Auferstehung verkündet wird, gibt’s immer ein Erdbeben.“ Lassen wir uns von der Botschaft der Auferstehung erschüttern und unsere inneren und äußeren Festungen aufbrechen, um eine Kultur des Lebens freisetzen zu lassen, die allein zukunftsträchtig ist für uns, für unsere Kirche und für unsere Welt.

Katholische Kirchengemeinde

Herz Mariae | Kassel


Ahnatalstraße 29 

34128 Kassel


 




Telefon: 0561 | 61524

Telefax: 0561 | 6026895 


 

Pfarrbüro | Öffnungszeiten


Montag, Mittwoch, Freitag:
9:30 - 12:00 Uhr
Dienstag, Donnerstag:
15:00 - 18:00 Uhr

 


© Herz Mariae | Kassel

 

Katholische Kirchengemeinde Herz Mariae 

Ahnatalstraße 29  

34128 Kassel




Telefon: 0561 | 61524
Telefax: 0561 | 6026895 



© Herz Mariae | Kassel