Angebote | Ökumenisches Seminar | Pfarrgemeinde Herz Mariae

Das ökumenische Seminar 2019 zum Thema Menschenwürde fand mit einem gemeinsamen, ökumenischen Gottesdienst seinen Abschluss.

Zur Predigt von Pfarrerin Annika Weisheit

zum Abschluss des Ökumenischen Seminars am 27. Januar 2019

Die Würde | Ökumenisches Seminar 2019

Lesung des Tages

Dann soll der Priester den Korb aus deiner Hand entgegennehmen und ihn vor den Altar des HERRN, deines Gottes, stellen. Du aber sollst vor dem HERRN, deinem Gott, folgendes Bekenntnis ablegen: Mein Vat er war ein heimatloser Aramäer. Er zog nach Ägypten, lebte dort als Fremder mit wenigen Leuten und wurde dort zu einem großen, mächtigen und zahlreichen Volk. Die Ägypter behandelten uns schlecht, mach ten uns rechtlos und legten uns harte Fronarbeit auf. Wir schrien zum HERRN, dem Gott unserer Väter, und der HERR hörte unser Schreien und sah unsere Rechtlosigkeit, unsere Arbeitslast und unsere Bedrängnis. Der HERR führte uns mit starker Hand und hoch e rhobenem Arm, unter großem Schrecken, unter Zeichen und Wundern aus Ägypten, er brachte uns an diese Stätte und gab uns dieses Land, ein Land, wo Milch und Honig fließen. Und siehe, nun bringe ich hier die ersten Erträge von den Früchten des Landes, das du mir gegeben hast, HERR. Wenn du den Korb vor den HERRN, deinen Gott, gestellt hast, sollst du dich vor dem HERRN, deinem Gott, niederwerfen

5.Mose 26,5-9

Auf die von Albert Werner vorgetragene Lesung nahm Pfarrerin Annika Weisheit Bezug in ihrer Predigt. Diese stelle das Glaubensbekenntnis aus dem biblischen Israel, das vor etwa zweieinhalb Jahrtausenden entstanden sei, dar.

Zunächst sei es bloß mündlich von Generation zu Generation übertragen worden, um dann, „wieder und wieder sorgfältig abgeschrieben“, „wieder und wieder im Gottesdienst gelesen“ zu werden. Die Juden würden, bis heute, das Credo besonders an Sukkot, dem jüdischen Laubhüttenfest, das dem Erntedankfest verwandt sei, beten. Dieses Fest wird im Herbst, fünf Tage nach dem Versöhnungstag, im September oder Oktober gefeiert und dauert sieben Tage. Das Laubhüttenfest wird mit der Wüstenwanderung nach dem Auszug aus Ägypten - gemäß Lesung - begründet. Ursprünglich schrieb es ein „wohnungsloses“ Wohnen in Laubhütten, also einer Art (temporärer) Zelte, während der Festzeit vor.

Das alte Credo beginne jedenfalls sehr persönlich, spreche es doch von „meinem Vater“. Dies stehe in der Tradition der Erinnerung an die biblischen Väter, etwa Abraham und Jakob. Sie würden gleichzeitig zu eigenen Vätern erklärt und damit zum Teil der eigenen persönlichen Vorgeschichte gemacht. So erinnerte Weishaut an den Anfang der Geschichte des Volkes Gottes, die große Hungersnot, die die Israeliten zwang, in ein anderes Land zu fliehen: „Denn etwas Besseres als den Tod findest Du überall!“. Der Vergleich zu den Menschen, die heutzutage die Flucht vor Hunger, Armut, Krieg und Tod ergreifen, lag auf der Hand.

Diese Tatsache verdrängten die Menschen im Übrigen allzu häufig. Damit leitete Pfarrerin Annika Weisheit zum Thema des Ökumenischen Seminars über, der Menschenwürde. Diese werde nämlich „tagtäglich mit Füßen getreten“. Dabei seien die fliehenden Menschen nichts anderes, als auf der Suche nach Menschen, die ihnen auf Augenhöhe begegneten. – Augenhöhe: Diese war auf dem ankündigenden Plakat für das Seminar bildhaft dargestellt.

Weisheit kam nun zurück auf das Volk Israel mit seinem „Menschheits-Schicksal der Flucht aus der Not“. Es habe sich so sehr damit identifiziert, dass genau dieses im Glaubensbekenntnis auch an den Anfang gestellt worden sei.

In der Fremde, in Ägypten, sei den Israeliten Misstrauen entgegengeschlagen. So sage es ebenfalls – „Mein Vater (…) lebte dort als Fremder “ das jüdische Credo aus. Sie wurden benachteiligt, schlecht behandelt, unterdrückt, ausgebeutet und, so Weisheit „zu Menschen zweiter Klasse erklärt“, entwürdigt und entrechtet.

Hier erinnerte Annika Weisheit an die Shoah. Vorher nur als kleiner Eintrag im Register - „mosaischen Glaubens“ - vermerkt, seien ab 1933 die Menschen jüdischen Glaubens im deutschen Unrechtsstaat systematisch ausgegrenzt worden. Der Terror begann. „Wir schrien zum HERRN, dem Gott unserer Väter.“ las Weisheit noch einmal aus dem Credo.

Sehr passend; denn der 27. Januar, das Datum des Ökumenisches Abschlussgottesdienstes, sei ausgerechnet der Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, der Entwürdigung von Menschen im unvorstellbaren Ausmaß. Nicht zu vergessen, dass nicht nur Menschen jüdischen Glaubens verfolgt und entwürdigt worden seien, sondern viele mehr. Massenhafte Aberkennung ihres Mensch-Seins.

Somit sei der Artikel 1.1 des Grundgesetzes heutzutage nicht nur zwingende Voraussetzung allen Tuns, sondern zugleich Mahnmal. (Nur) Erinnern könne vorbeugen. Dafür stehe das „uralte“ Credo, das somit zugleich „eine Tür in die Freiheit öffne“, in der Hoffnung und im Vertrauen auf die einem jeden Menschen geschenkte, innewohnende Würde. Der Glaube an Gott mache sicher, dass dieser das „Schreien seiner Menschen“ höre. Am Ziel stehe die Befreiung aus „Unterdrückung, Angst und Not“.

Dies erkläre auch die Verankerung des Glaubensbekenntnisses am Sukkot, dem Laubhüttenfest. Fröhlich Erntedank zu feiern bedeute auch, eine Konsequenz aus der Erinnerung zu ziehen, nämlich dass  „Fremdlinge“ teilhaben müssten am geschenkten Segen. Die Erinnerung an die eigene Migration, an Bedrückung und Befreiung mit entsprechenden Weisungen und Auftrag durchzögen das Alte Testament: Aufforderung zur Teilhabe Aller „an den sozialen Errungenschaften im Land der Freiheit“. Dies sei gelebter Glaube, der menschliches Denken, Reden und Handeln bestimme und immer wieder verändere, nämlich die von Gott geschenkte, unantastbare Würde des Menschen weiterzutragen.

Im Gegenüber zu Gott könnten Menschen erkennen, ihr Begrenzt-Sein, aber eben auch ihre eigene und damit aller Würde. 

Zum Schluss erinnerte Weisheit an die Reden des Juden Paulus, der (sehr früh) das Evangelium zu den Heiden gebracht habe. Er habe gemahnt: „Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich!“.  Gegenüber, auf Augenhöhe, Juden und Christen und alle.

Christine Striegel

mit einem herzlichen Dank für das Einverständnis, den Inhalt der Predigt zu verwenden, an Pfarrerin Annika Weisheit

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