Rückschau | Pfarrgemeinde Herz Mariae

Firmung 2017

im Pastoralverbund Kassel Maria-West

Am Samstag, dem 25. November, spendete Ehrendomkapitular Prof. Dr. Christoph Müller 36 jungen Menschen aus den Gemeinden Herz Mariae und St. Michael in Kassel das Sakrament der Firmung. Der Festgottesdienst fand in unserer Kirche Herz Mariae statt.


Unter Regie von Pfarrer Markus Steinert und Gemeindereferentin Doris Schall (St. Michael) hatten die Jugendlichen die Feier vorbereitet.


Der weitere Firmtermin, denn die Firmung war im Rahmen des Pastoralverbundes gemeinsam vorbereitet worden, fand am 26. November in St. Maria statt. Nun waren 25 weitere Jugendliche aus den Gemeinden St. Maria (Rosenkranzkirche) sowie St. Maria Königin des Friedens (Fatima) an der Reihe.

 

Pfarrer Markus Steinert eröffnete den Gottesdienst mit dem Hinweis, dass die Firmung im engen Zusammenhang mit der Taufe zu verstehen sei. Sie vollende als Gabe des Geistes das Taufgeschehen.

Zu Beginn der Heiligen Messe stellte Pfarrer Steinert gemeinsam mit zwei Jugendlichen ein eigens von der Firmgruppe gestaltetes „Fenster“ vor, ein durchsichtiges Plakat, das in eines der Fenster der Apsis gestellt wurde. So sollten Eigenschaften zum „Leuchten“ gebracht werden, die mit der Erfüllung durch den Heiligen Geist in Verbindung gebracht werden. Solche Eigenschaften können sein: Hilfe • Treue • Standhaftigkeit • Humor • Freundschaft • Brüderlichkeit • Rettung • Wegweisung • Licht • lernen • Friede  • Gastfreundschaft • Sonne • Nähe • Weisheit • Hand halten • Begleitung • Schutz • Liebe • Trost • Güte • Barmherzigkeit • Aufmerksamkeit...



Monsignore Müller hob in der Festpredigt drei zentrale Themen hervor, unter denen diese Eigenschaften gebündelt werden könnten. So stellte er zunächst fest, dass jede genannte Eigenschaft auf dem Plakat mit jedem Einzelnen verbunden sei, somit auch mit NAMEN. Fragen nach der eigenen Person, bei denen jede(r) Einzelne persönlich existentiell gemeint und betroffen war, wurden beantwortet. So ging es darum, sich selbst und seine Lebensgeschichte, wie z.B. auch Ängste, zuzulassen, im Vertrauen darauf, dass der Geist kostbare Gaben wecke. Hier nahm Müller Bezug auf die vom Propheten Jesaja genannten Gaben des Heiligen Geistes (Weisheit, Verstand/Einsicht, Rat, Stärke, Erkenntnis, Frömmigkeit, Gottesfurcht), durch die das Wirken des Heiligen Geistes bei den Menschen zum Ausdruck gebracht werde. Um die anstehende Salbung mit Öl (Kreuz) verständlich zu machen, verglich Monsignore Müller diese mit einem Bild, bzw. Bildern. („Gott, der ... uns alle gesalbt hat, er ist es auch, der uns sein Siegel aufdrückt und uns ... den Geist in unser Herz gegeben hat.“ 2 Kor 1,21f; vgl. 1 Joh 2, 20.27). So berichtete er von seiner Mitte zwanzig Jahre alten Nichte, einer Lehrerin aus Frankfurt, die sich tätowieren ließ. Tätowierungen seien zunächst Schmuck, so wie auch Namen etwas Kostbares seien, eben die Bezeichnung des Persönlichen. Das Kreuz mit Öl für die anstehende Salbung sei nichts anderes als ein unsichtbares Tattoo, etwas, das unter die Haut ginge und bliebe. Auf Nachfrage, was die Verwandte sich denn habe „stechen“ lassen, erwähnte sie die "Namen" von Mitgliedern ihrer Familie, versehen mit dem Satz "Familie ist dort, wo das Leben beginnt und die Liebe niemals aufhört". So kam Müller zum nächsten wichtigen Thema: BEZIEHUNGEN.


Beziehungen zu nahestehenden Menschen würden von Jugendlichen als sehr wichtig erkannt. Manchmal, denke man an das Tattoo, brauche es auch gewissen Mut, sich dazu zu bekennen. Doch insgesamt seien das Vertrauen in Freundschaften, die Gegenseitigkeit von emotionaler Zuwendung, der Rückhalt und die Verbundenheit in der Familie durch Rat und Tat sowie gemeinschaftliche Erlebnisse mit Gleichaltrigen Qualitäten von hoher Bedeutung. Um nichts anderes als Beziehungen gehe es auch in der Bibel, der Heiligen Schrift, wo Geschichten und Erfahrungen dargestellt würden. Die Bibel gebe gleichzeitig auch die Chance, die Beziehung zu Gott, bzw. Begegnung mit Gott, aufzunehmen. Jesus lade uns im Neuen Testament ein, die Brücke zu Gott zu betreten, dem Vater des Himmels und der Erde. Jesus sei somit ein „Beziehungsstifter“. Um den Dialog mit Gott aufzunehmen, gehöre zunächst ein bewusstes Allein- und Mit-sich-selbst-beschäftigt-Sein. Für das Gebet spielten Stille, aber auch der Gottesdienst eine zentrale Rolle, die Verortung im kirchlichen Raum. Kehre man in sich und denke über das nach, was wichtig für einen sei, wisse man, dass immer jemand da sei, nämlich Gott, mit dem man „reden“ könne. Das Besondere, das „Seligmachende“ sei, das Persönliche in sich zu entdecken, anderes als andere zu entdecken… Dies sei der Wert des Glaubens. Auch dafür gebe es Zeichen, das Kreuz, das Herz. Das Kreuz sei Zeichen für die Brücke durch Jesus, und das Herz mache deutlich, dass Jesus seine ganze Liebe geschenkt habe. Der Heilige Geist stelle den Atem dar, der in den Menschen Lebensgeister wie Versöhnung, Frieden, Humor, Geduld, Neuanfang usw. wecke. Er schenke dem Menschen stets ein neues Herz. Dieses enthalte schließlich eine wertvolle Frucht, nämlich den Geist des Sohnes, der ihn denjenigen, die an ihn glauben, übergeben habe. Das neues Leben schaffende und ermöglichende Wirken des Geistes ziele auf Veränderung in der persönlichen Lebensweise und gegen Gleichgültigkeit. Um im eigenen Leben und im Leben anderer Spuren zu hinterlassen, müsse man sich vom Geist Gottes inspirieren lassen. Dazu müsse man sich bestärken lassen, „firm“ werden.


Als dritten Punkt, der „unter die Haut“ ging, nannte Domkapitular Prof. Dr. Christoph Müller die ERINNERUNGEN, auch hier wieder den Vergleich mit dem Tattoo vor Augen. Die Nichte aus Frankfurt hatte nämlich berichtet, dass ein wichtiger Teil der Bedeutung des Tattoos ihr Geheimnis sei und bliebe. Dies verdeutliche, so Monsignore Müller, ebenso wie beim transparenten Plakat erkennbar, dass immer etwas von der Größe und Schönheit Gottes aufleuchte und sichtbar werde. Sie grabe sich (ebenfalls) ein und präge unser innerstes Geheimnis.

Abschließend hob Monsignore Müller die Bedeutung der Paten hervor. Ihre Aufgabe sei es, bewahren und bezeugen zu helfen, dabei zu begleiten, das „Äußere zum Inneren“ zu machen: „Ich bin das Licht der Welt; wer mir folgt, wird nimmermehr in der Finsternis wandeln, sondern er wird das Licht des Lebens haben.“ Joh 8,12


Der Ehrendomkapitular schloss seine Predigt mit dem Aufruf, die „Ohren auf Empfang“ zu stellen, um sich in einem Augenblick der Stille offen zu machen für die Gaben, die der Heilige Geist zu verschenken habe.

 


Nachdem alle Firmbewerber einzeln aufgerufen wurden, traten sie, von ihren Paten begleitet, vor, um das Sakrament der Firmung zu empfangen. Dieses wird gespendet durch die Salbung mit Chrisam auf der Stirn unter Auflegen der Hand und die Worte: ´Sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist.´ Ehrendomkapitular Prof. Dr. Christoph Müller nahm dies als Vertreter des Bischofs Heinz Josef Algermissen als „ordentlicher“ Spender der Firmung vor. So wird höchst offiziell besiegelt, dass mit der Firmung die Eingliederung der Jugendlichen in die Kirche erfolgt ist.



Das Auflegen der Hände ist eine Geste der Zuwendung und soll Leben und Kraft übertragen. Es bedeutet Segen (Annahme, Hereinnahme in den Lebensbereich Gottes), Heilung (von Schuld) und Beauftragung (Sendung).

 


Christine Striegel


Fotos: im Banner  ©. Striegel | Kreuz  Markus Steinert