Event | Pfarrgemeinde Herz Mariae

Pater Francis

Indisches Kochen und Essen am 8. Oktober 2017

Pater Francis Ravi wurde am 18. Juni 1971 in Sesurajapuram, einem kleinen Ort im süd-östlichen Teil Indiens, geboren. Dieser gehört zum Bundesstaat Tamil Nadu, früher Madras, einem der 27 Bundesstaaten Indiens. Er ist der siebtgrößte nach Einwohnerzahl und zehntgrößte nach Fläche. Die Hauptsprache dort ist das Tamil, nach dessen Sprachgrenzen der Bundesstaat 1956 gebildet wurde. Bis 1969 trug der Bundesstaat den Namen Madras.

Tamil Nadu kann als „tamilisches Land“ oder als „Land der tamilischen Sprache“ übersetzt werden. Das reiche eigenständige Kulturerbe findet sich beispielsweise so auch in der über 2000 Jahre zurückreichenden Literaturgeschichte des Tamil, aber auch in der Architektur der großen Tempelanlagen, die man dort vorfindet.

Sesurajapuram bedeutet „Dorf des Herrn“, d.h. dort wohnen nahezu ausschließlich katholische Christen. Nicht ungewöhnlich. Schließlich gibt es ungefähr 25 Millionen Christen in Indien, davon 15 Millionen, die dem römischen Ritus angehören. Deshalb unterscheidet sich die dortige Liturgie, wie Pater Francis später berichtet, von unserer kaum. Die christliche Botschaft nach dem lateinischen Ritus sei nahezu identisch.

Die katholische Kirche in Indien ist apostolischen Ursprungs. Der Apostel Thomas landete im Jahre 52 in Muziris (Kodungallur), im heutigen Kerala, und gründete entlang der Malabarküste sieben christliche Gemeinden. Er starb als Märtyrer in Mailapur bei Madras. So entwickelte sich die Kirche in Indien, lange bevor europäische Kolonialmächte dort wirkten.

Seit jeher besuchten Pilger aus Europa, früher auf abenteuerlichen Reisen, das Grab des Apostels Thomas. Auch die beiden Hauptgruppen der indischen Christen – Lateiner und Syrer – trafen immer wieder zusammen; man sah sich stets gegenseitig als zur gleichen Kirche gehörig an.

Pater Francis besuchte im Heimatort die katholische Grundschule. Nach der 10. Klasse, parallel zur Oberstufe, nahm er bereits am Priesterseminar teil. In dieser Zeit erlernte er auch die englische Sprache. Das einjährige Noviziat schloss sich an, und Pater Francis studierte drei Jahre lang Philosophie und Kunst. Das Studium schloss er mit dem Bachelor of Arts (B.A.) ab, dem Abschluss, der in Studiengängen der Gesellschafts- und Sozialwissenschaften, Sprach- und Kulturwissenschaften sowie Wirtschaftswissenschaften verliehen wird. So unterrichtete er daraufhin auch zunächst, ein Jahr lang (1996), das Fach „Kunst“ in einer Schule, studierte allerdings im Anschluss Theologie in Bangalore, der Hauptstadt des indischen Bundesstaates Karnataka im Südwesten des Subkontinents. Sie ist nach Mumbai und Delhi die drittgrößte Stadt Indiens. Wegen der zahlreichen Parkanlagen wird Bangalore auch „Gartenstadt“ genannt.  

Doch Pater Francis verließ Bangalore, um nach Chennai, bis 1996 Madras, zu gehen, der Hauptstadt des Bundesstaates Tamil Nadu. Sie liegt an der Ostküste Südindiens am Golf von Bengalen und ist die sechstgrößte Stadt Indiens und Zentrum des viertgrößten Ballungsraums in Indien. Chennai entstand um 1640 und war ein wichtiges Zentrum des britischen Empires in Indien. Hier schloss Pater Francis im Jahr 2005 ein postgraduales generalistisches Management-Studium ab und erwarb den akademischen Grad des Masters of Business Administration (MBA). 2008 folgte der Titel des Human Resource Managers (HRM). Human Resource Management ist der Bereich der Betriebswirtschaft, der sich mit dem Produktionsfaktor Arbeit im Zusammenhang mit dem Personal auseinandersetzt.

In der Folge ging es, nicht weit von dort, nach Pudukottai, um im dortigen Priesterseminar des Franz von Sales zu unterrichten. Die Missionare des hl. Franz von Sales (lat.: Missionarii S. Francisci Salesii de Annecio, Ordenskürzel: MSFS) sind eine Ordensgemeinschaft der katholischen Kirche, die 1838 im französischen Annecy von Pierre-Marie Mermier (1790–1862) gegründet wurde. Dieser verfolgte im Wesentlichen drei Ziele: Erneuerung des Glaubens in den Pfarrgemeinden durch Predigt, Seelsorge und Gemeindemission | Mission, also Verkündigung der christlichen Botschaft an alle Menschen, die davon noch nichts gehört haben | Christliche Erziehung der Kinder und Jugendlichen. - Primäre Grundlage dafür sei die Suche nach Gott. Daraus solle die Nachfolge Christi nach dem Beispiel des Franz von Sales resultieren.

Im Jahr 2011 empfing Pater Francis die Priesterweihe. So war er dann, bis 2016, als Pfarrer tätig, und zwar in der Kirche Sankt Maria der Ankündigung der Gemeinde Kanagadu im Erzbistum Pondicherry und Cuddalore mit Sitz in Puducherry (Pondicherry). „Angeworben“, nach Deutschland zu gehen, wurde Pater Francis, so erzählt er später während des gemeinsamen Essens, über seinen Orden. Er entschloss sich, dem Ruf des Bistums Fulda zu folgen und für mndestens 10 Jahre in Deutschland zu arbeiten.

Ab Juli 2016 lebte Pater Francis zunächst für ein halbes Jahr im Klausenhof in Dingen, um sich mit den Grundkenntnissen der deutschen Sprache vertraut zu machen, sehr erfolgreich, wie wir beim gemeinsamen Indischen Kochen und Essen feststellen dürfen. Ein weiteres halbes Jahr ging er als Praktikant nach Eschwege, um anschließend, im vergangenen August, neuer Kaplan in Sankt Maria Königin des Friedens (Fatima) in Kassel zu werden.

"Hier gibt es mehr Freiheit als in Indien", stellt der Kaplan in anschließender Gesprächsrunde fest. In seiner Heimat würden beispielsweise die Eltern über Arbeit, Studium und Zeitpunkt der Heirat ihrer Kinder bestimmen. Auch der Beruf des Priesters habe dort einen anderen Stellenwert als in Deutschland. "Er ist dort respektierter Begleiter der Menschen, während hier mehr die tägliche Arbeit rufe", findet er.

Weiterhin berichtet er, dass, obwohl nach der indischen Verfassung von 1950 kein Inder wegen seiner Kaste diskriminiert werden dürfe, nach wie vor die Realität eine andere sei. Die Einteilung der Menschen in Gruppen und die strenge Rangordnung des indischen Kastensystems bestünden nach wie vor. Von Geburt an bis zum Tod bleibt ein Hindu an seine Kaste gebunden. Auch ein Kontakt zu Christen sei keinesfalls erwünscht. Doch konvertierten „Arme und Unberührbare“, können sie dem rigiden Schichtensystem entkommen. - Radikale Hindus reagieren darauf allerdings mit Christenverfolgungen.

Überhaupt, der Hindu-Nationalismus, den Indiens Premier Narendra Modi vertritt, erstarke wieder sehr. Dieser sei zwar nicht so fundamentalistisch wie der Islam, dennoch sei Indien aus der Sicht der BJP (Bharatiya Janata Party) in erster Linie das Land der Hindus und des Hinduismus; Religion und Kultur der Mehrheit gäben den Ton an, Muslime (rund 170 Millionen) und Christen, hätten sich anzupassen.

Zurzeit macht sich tatsächlich eine gewisse Intoleranz gegenüber einer pluralistische Gesellschaft Indiens bemerkbar. Unter der Regierung Narendra Modis, der seit der Ermordung der damaligen Premierministerin Indira Gandhi im Jahr 1984, nun offenbar abermals eine dominierende öffentliche Figur darstellt, fühlen sich viele Muslime dem Land nicht mehr wirklich zugehörig. Dennoch ist die BJP populär, bei der städtischen Mittelschicht, die vom kräftigen Wirtschaftswachstum profitiert, ebenso wie bei vielen Armen, die den Versprechen von Dynamik und Fortschritt Hoffnung schenken.

Laut Pater Francis gibt es in Indien ein augenfälliges Gefälle der Armut: der Süden sei deutlich wohlhabender. Dies sei durchaus durch den christlichen Einfluss begründet. So verfügten die Menschen im südlichen Teil des Landes über eine deutlich bessere Bildung. Mit Stolz und Respekt blickten die Menschen auf die 2000 Jahre alte Geschichte des Christentums in Indien. Dass dies als Auftrag verstanden werde, sei vor allem hier immer wieder festzustellen.

Als Beispiel des größeren Wohlstands im Süden nennt Pater Francis auch Bangalore, wir erinnern uns, im Südwesten des Subkontinents gelegen. Es hat sich in jüngerer Zeit zu einem der wichtigsten IT-Zentren des Landes entwickelt und gilt als das Silicon Valley Indiens.

Kaplan Ravi, Pater Francis, denkt mit tiefer Zuneigung und Liebe an seine Familie in der Heimat. Einmal im Jahr besucht er seine Eltern und seine – er ist der zweite Sohn - drei Brüder. Auf Nachfrage bestätigt er, dass seine Mutter gerne einen Sari trage, das traditionelle indische Kleidungsstück für Frauen. Mit ihr telefoniert er häufig.

Und das indische Essen? Pater Francis kocht wunderbar und hat uns ein „Einschmecken“ in die Vielfalt der indischen Küche ermöglicht. Die Aromen waren komplex, sie pendelten zwischen süß, pikant und scharf; cremige Saucen mit zartem Fleisch oder Garnelen und Gemüse sorgten für ein echtes Geschmackserlebnis. So gab es unter anderem das Gericht „chana sundal“. Es ist ein südindisches Gericht, das unter ständigem Rühren gekocht wird. Chana, der Hauptbestandteil, sind weiße Kichererbsen, die mit Sundal, einer gewürzten trockenen Hülsenfrucht-Linsen-Zubereitung und Cashewkernen zu einer cremigen Masse verkocht werden. - In der indischen Küche werden, vergleichbar mit den Komplemetärfarben eines Farbkreises, die Zutaten so kombiniert, dass gegenteilige Aromen aufeinandertreffen, während in der westlichen Küche Zutaten mit ähnlichen Eigenschaften kombiniert werden. Wenn beispielsweise in einem indischen Gericht Cayenne-Pfeffer verwendet wird, kommt keine weitere Zutat mit ähnlichen Aromaeigenschaften hinzu. Dafür ist das leckere Chana Sundal ein Beispiel.

Ein Team von insgesamt sechs Köchinnen und Köchen aus Ahnatal hat gemeinsam mit Pater Francis den Abend vorbereitet, geholfen und für das Gelingen des Bufetts gesorgt. So erhielt man nicht nur interessante Einblicke in das Leben des Pater Francis, sondern auch gegenseitiges Kennenlernen und geselliges Beisammensein bildeten mit Anlass des Abend.

Pater Francis beim Kochen
beim Kochen...
 
Indisches Gericht: „chana sundal“
Gericht mit Garnelen und Gemüse sorgte für ein echtes Geschmackserlebnis
 
Franz Josef Jordan und Pater Francis bei anschließendem Essen
nach dem Essen
 

Schön war auch der Abschluss mit dem von Pater Francis vorgetragenen, indischen, Gebet.

BRAVO! VIELEN DANK!

Christine Striegel