Kirchenführer | Pfarrgemeinde Herz Mariae

Die Geschichte der Kirche Herz Mariae

Herz Mariae von der Harleshäuser Straße aus gesehen 
Herz Mariae von der Harleshäuser Straße aus gesehen

Die Geschichte unserer Kirche beginnt am zweiten Mai 1938. Das Pfarramt der Kassler Kirche St. Maria wurde angewiesen, sich um den Bau von Kirchen in den Kasseler Stadtteilen Wilhelmshöhe, Oberzwehren und Harleshausen zu kümmern. Der dortige Pfarrer Heinrich Roßbach hatte vor, eine Scheune aus dem bei Fulda gelegenen Marbach zu kaufen, abzureißen und in Harleshausen wieder aufzubauen. Dies wurde von der Baupolizei Kassel nicht genemigt, da das ausgewählte Grundstück am Kubergraben nicht den Vorschriften entsprach. Zu dieser Zeit hatte Harleshausen bereits über 300 katholische Einwohner, für die der Weg zur nächstgelegenen Kirche, St. Maria, eine Stunde dauerte und zu lang erschien. Pfarrer Roßbach gelang es nicht, einen Saal oder eine Gaststätte zu diesem Zwecke zu mieten, deshalb gestattete die evangelische Gemeinde in Harleshausen eine gemeinsame Nutzung des Gemeindesaals. Pfarrer Roßbach versuchte weiterhin, eine Kirche zu errichten, was durch das Bauverbot während des Krieges verhindert wurde. Die Verdunklungszeit während des Krieges verbot auch den Gottesdienst. Im Jahr 1950 hatte Harleshausen 800 katholische Bewohner, darunter über 100 schulpflichtige Kinder. Pfarrer Roßbach beantragte erneut den Bau einer Kirche, der wiederum abgelehnt wurde. Im Gegenzug wurde die Nutzung der Kirche in Ahnatal genehmigt. 1952 begann der Architekt Josef Bieling mit der Planung einer katholischen Kirche in Harleshausen. Diese wurde 1954 genehmigt und ein Jahr später der Grundstein gelegt. Ende desselben Jahres war sie fertiggestellt und wurde geweiht.

Urkunde für den Grundstein

Im Jahre des Heils 1955 am 24. Juli, als Dr. Theodor Heuss Präsident der Deutschen Bundesrepublik und Dr. Konrad Adenauer Bundeskanzler, als Papst Pius XII. das Steuer der Kirche Christi führte, als Bischof Dr. Johannes Baptista Dietz die Diözese Fulda verwaltete, als Heinrich Roßbach Pfarrer der Rosenkranzkirche war, wurde in Harleshausen, der Filiale der Pfarrei St. Maria, Kassel, an der Kreuzung der Harleshäuser- und Ahnatalstraße der Grundstein zu einer Kirche für diese Filiale gelegt, die "dem reinsten Herzen Mariä" geweiht werden soll.
Die Pläne des Gotteshauses entwarf: Architekt Josef Bieling, die Ausführung lag in den Händen von Baumeister Louis Müller, beide Kassel. Die Vorsehung Gottes möge das Bauwerk schützen und lange erhalten zum Segen der Harleshäuser Gemeinde und zum Preise des "reinsten Herzens Mariä".

Ein langer Weg - aus der Scheunen-Kapelle mit Landhausfassade zur heutigen Kirche

Von den ersten Plänen einer katholischen Kirche in Harleshausen bis zur Einweihung der heutigen Kirche hat es knapp zwanzig Jahre gedauert. Mit viel Energie und Ausdauer ist das Projekt in Kriegs- und Nachkriegszeit verfolgt worden. Pfarrer Heinrich Roßbach von der Muttergemeinde St. Maria am Bebelplatz war die treibende Kraft - er konnte geschickt verhandeln, organisieren und bundesweit Gelder sammeln. Die alten Akten lesen sich wie ein spannendes Stück Zeitgeschichte. Im Folgenden finden Sie daraus eine kleine Zusammenstellung wörtlicher Zitate.


2. Mai 1938
Pfarramt St. Maria an Generalvikariat in Fulda: Durch die Bischöfliche Behörde sind wir ange­wiesen, baldmöglichst in Wilhelmshöhe und Oberzwehren, später auch in Harleshausen je ein Baugrundstück für Kirchbau zu erwerben.... Ein Grundstück konnte bis heute noch nicht erworben werden wegen der im Schreiben vom 29.1.38 erwähnten Schwierigkeiten. Wir setzen unsere Bemühungen auf jedem erdenklichen Wege fort.


1. Nov. 1938
Lehrer Sack aus Marbach an Pfr. Rossbach: Wir sind zu dem Entschluss gekommen, Ihnen die Scheune zu 950 RM zu überlassen. Zahlung sofort nach Abbruch.


5. Nov. 1938
Pfr. Roßbach an Zimmermeister in Langenbieber: In Marbach bei Fulda habe ich eine Scheune gekauft, die ich in einem Kasseler Vorort zu einem anderen Zweck genau so wieder aufstellen will. Ich möchte von Ihnen unverbindlich ein Angebot, zu welchem Preis Sie die Scheune sorgfältig abbrechen und das Holzwerk sowie die Dachziegel per Lastauto nach hier transportieren würden.


27. Dez. 1938
Pfarrer Roßbach an Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Harleshausen: Seit mehr denn einem Jahre bemühe ich mich, für die zahlreichen Katholiken in Harleshausen, die zu meinem Pfarrbezirk gehören, die Mög­lichkeit zum Besuch eines Gottesdienstes dortselbst zu beschaffen. Alle meine Versuche, einen für diesen Zweck auch nur behelfsweise geeigneten Raum in einem Gasthaus, Saal oder Halle zu ermieten, sind fehlgeschlagen. Ein Neubau begegnet heute großen Schwierigkeiten...möchte ich an Sie die Bitte richten, uns den dortigen Gemeindesaal Ihrer Pfarrei vorübergehend auf einige Zeit zur Abhaltung eines Sonntaggottesdienstes am Vormittag für etwa 1-2 Stunden mietweise zu überlassen.


16. Febr. 1939
Pfr. Roßbach an Generalvikariat in Fulda: Für die neu zu errichtende Seelsorgestation in Harleshausen erbitte ich von den im Kirchlichen Amtsblatt angebotenen Paramenten: 1 grünes Messgewand, 1 Albe, 1 Segensstola, 1 Chorrock, 1 gehäkelte Altarspitze, 1 Paar grüne Messdienertalare, 2 Messdienerroschette. Es ist an Einrichtungsgegenständen noch nichts vorhanden.


23. März 1939
Kirchenvorstand St. Maria an Städtische Baupolizei Kassel: Nach Rücksprache ... überreiche ich als Vorsitzender des Kirchenvorstands beiliegend den Entwurf zu einer Kapelle für den Stadtteil Harleshausen. Im Stadtteil wohnen über 300 Katholiken, die bis zur nächsten Kirche teilweise über eine Stunde Weg haben.... Die Zahl der Zuziehenden wächst ständig. Besonders auch die Patienten der Königin-Elenaklinik vermissen sehr eine kath. Kirche am Ort... Jetzt ist ein Bauplatz am Kubergraben für den Bau einer Kapelle zur Verfügung gestellt. Um die Baumaterialienbeschaffung zu erleichtern, ist eine landwirtschaftlichen Zwecken dienende Halle angekauft worden... Im vorliegenden Plan wird der Fachwerkbau mit wenig Änderung für den Kapellenbau nutzbar gemacht.


16. Juni 1939
Baupolizei Kassel an Kirchengemeinde St. Maria: Errichtung einer Kapelle am Kubergraben. Die Verordnung über Baugestaltung und die Bauordnung schreiben vor, dass sich bauliche Anlagen der Umgebung einwandfrei einfügen müssen. Eine Kirche, selbst mit vorgetäuschter Landhausfassade, verlangt aber eine andere Behandlung wie ein Landhaus.... Das ausgewählte Grundstück ist also zu schmal... Auch der Entwurf als solcher ist zu verbessern.


14. Aug. 1939
Notarieller Kaufvertrag Grundstück am Kubergraben: .... Herr Karl Grosse verkauft die Parzellen... an die Kirchengemeinde St. Maria ..... Der Kaufpreis beträgt pro qm 3,75 RM. Verkauft sind ungefähr 1619 qm.


14. Nov. 1939
Leiter des Arbeitsamtes Kassel an Pfarramt St. Maria: Vierte Anordnung zur Durchführung des Vierjahresplans - Errichtung einer Kapelle in Kassel-Harleshausen. Im Hinblick auf die derzeitige Verknappung der zugeteilten Baustoff-Kontingente ist es für vorläufig noch nicht absehbare Zeit unmöglich, die zur Durchführung Ihres Bauvorhabens erforderlichen Baustoffe aus dem Kontingent bereitzustellen.... Es ist daher zwecklos, sich mit weiteren Vorarbeiten für Ihr Vorhaben zu befassen.


11. Dez. 1939
Pfr. Roßbach an Generalvikariat: Erwerb Kapellengrundstück. In Harleshausen leben etwa 400 Katholiken... Die Rosenkranzkirche am Hindenburgplatz ist ihre Pfarrkirche, zu der die Besucher aus Harleshausen 3 / 4 - 1 1 / 4 Wegstunde zu gehen haben. Fahrgelegenheiten sind sehr schlecht... In Harleshausen liegt die Königin-Elena-Klinik, die schon Weltruf hat. In ihr befinden sich auch immer Katholiken aus allen Gauen des Deutschen Reiches. Z. Zt. sind etwa 30 Patienten katholisch.
Zur Pfarrei St. Maria gehören ferner die an der Bahnstrecke Harleshausen - Volkmarsen gelegenen Orte Heckershausen und Weimar mit 42 bzw. 12 katholischen Einwohnern. Sie haben zu unserer Pfarrkirche einen Weg von 10 - 15 km, der um eine Stunde abgekürzt würde, wenn sie in Harleshausen eine Gelegenheit zum Besuch eines Gottesdienstes fänden.


4. Jan. 1940
Regierungspräsident an Generalvikariat:  Auf das Schreiben Ihres Generalvikars erwidere ich Ihnen, das ich den Beschluss der kath. Kirchengemeinde St. Maria betr. Grundstückserwerb zum Bau einer Kapelle in Harleshausen schon im Hinblick auf die allgemeine Bausperre nicht zu genehmigen vermag.


20. Febr. 1940
Pfr. Roßbach an Generalvikariat: Baugrundstück. Es steht eigentlich zur Entscheidung, ob eine Kirchengemeinde überhaupt noch Grundbesitz erwerben darf. Ich habe keine großen Hoffnungen auf Erfolg eines Vorsprechens bei der Regierung, möchte aber doch nichts versäumt haben, um unser Ziel zu erreichen...


23. März 1940
Pfr. Roßbach an Generalvikariat: Kirchengrundstückserwerb. In nebenbezeichneter Sache habe ich auf der Regierung vorgesprochen...Ich hatte den Eindruck, daß man allgemein nicht wünscht, daß die kalte Hand Grundbesitz erwirbt.


30. Dez. 1940
Generalvikariat an Pfr. Rossbach: Gottesdienste in Harleshausen. Wollen Sie es nicht versuchen, auch den Sonntagsgottesdienst wieder aufnehmen zu lassen, da jetzt die Verdunklungszeit nicht mehr so weit in den Vormittag hineinreicht.


9. Jan. 1941
Pfr. Roßbach an Generalvikariat: Es ist zur Zeit noch nicht möglich, den Gottesdienst in der evangelischen Kirche in Harleshausen wieder aufzunehmen, weil es morgens um 8.15 Uhr noch weit dunkler ist als vor 5 Wochen, da wir ihn wegen der Luftschutzbestimmungen einstellen mußten. Verdunklungszeit liegt jetzt um 9.25 Uhr herum, der Gottesdienst beginnt aber bereits um 8.15 Uhr. Sobald es die Verdunklungsvorschriften zulassen, werden wir den Gottesdienst wieder aufnehmen.


8. März 1941
Generalvikariat an Pfr. Rossbach: Zum Schreiben vom 9. Januar. Wir halten es für opportun, daß Sie die seelsorgliche Betreuung der Katholiken in Harleshausen einschließlich Abhaltung des regelmäßigen Sonntagsgottesdienstes dem Herrn Kaplan Kraft übertragen.


4. Februar 1949
Notarieller Kaufvertrag Grundstück am Kubergraben: ... Die Eheleute Grosse haben bereits durch notariellen Vertrag vom 14.8.1938 die Grundstücke ... an die kath. Kirchengemeinde St. Maria verkauft. Der Verkauf war seinerzeit nicht genehmigt worden, er wird daher erneut abgeschlossen.


1. Mai 1950
Kaplan Kraft an Generalvikariat: Notkirche Harleshausen. Das günstige Angebot einer gut erhaltenen Baracke veranlasst mich bei dem kirchlichen Notstand in Harleshausen, erneut die Bitte und den Antrag auf Errichtung einer Notkirche zu stellen. Durch den starken Zuzug ist die Zahl der katholischen Gemeinde auf 800 Seelen gestiegen mit fast 100 schulpflichtigen Kindern.... Die Größe der Baracke beträgt 8 x 20 m. Sie soll 4.000 DM kosten...


6. Juni 1950

Pfr. Roßbach an Generalvikariat: Zum Schreiben des Herrn Kaplan vom 1. Mai 1950 äußere ich mich wie folgt:  ...Von einem "kirchlichen Notstand" in Harleshausen kann kaum gesprochen werden... Es ist ein Raum gemietet worden für die Jugendgruppen und andere kirchliche Vereinigungen. Seit über 10 Jahren steht die evangelische Ortskirche an allen Sonn- und Feiertagen mit Gelegenheit zu Beicht- und Kommunionempfang zur Verfügung, eine neue romanische geräumige Kirche, die heizbar ist, allen hinreichend Platz bietet und auch in der äußeren Form und inneren Gestaltung einer katholischen Kirche sehr ähnlich ist.. Das Verhältnis zur evangelischen Geistlichkeit und Gemeinde ist sehr gut...

Gewiß, die kirchlichen Verhältnisse sollen auch nach meinen Absichten noch verbessert werden, aber nicht durch eine unnötige, doch nicht befriedigende und teure Zwischenlösung einer Notkirche oder Baracke, sondern durch eine richtige Kirche.


1. Dez. 1950

Vereinbarung mit der evangelischen Kirchengemeinde Weimar: Die evangelische Kirchengemeinde in Weimar, Kreis Kassel, gestattet dem kath. Pfarramt der Rosenkranzkirche widerruflich die Abhaltung von Gottesdiensten zur seelsorglichen Betreuung der Vertriebenen in der Kirche zu Weimar. Verabredungsgemäß soll der Gottesdienst alle zwei Wochen nachmittags gehalten werden.


15. April 1952

Pfr. Roßbach an Generalvikariat: Kirchbau Harleshausen am Kubergraben.Anbei übersende ich Ihnen ein Gesuch an den Bonifatiusverein mit der Bitte, es möglichst empfehlend an Paderborn weiterzuleiten.... Auch bitte ich, dass seitens der Diözese selbst uns bald eine Hilfe für den Anfang zuteil wird, damit die Harleshäuser angeeifert und ermutigt werden, sich selbst tatkräftig für den Bau ihrer Kirche einzusetzen.


9. Nov. 1952
Neubau einer Kirche in Harleshausen, Kubergraben: Erläuterungsbericht von Architekt Josef Bieling. Bei dem Entwurf für die kath. Kirche wurde aus Ersparnis und architektonischen Gründen eine moderne Bauweise gewählt... Die veranschlagten Gesamtkosten betragen etwa DM 189.000,- . 27. Juni 1953
Pfr, Roßbach an Bonifatiusverein: Zu unserer großen Freude erhielten wir die Nachricht, daß der Generalvorstand des Bonifatiusvereins uns den Betrag von 20.000,-DM für unseren Kirchbau in Kassel-Harleshausen zur Verfügung stellen wird.


3. Sept. 1953
Protokoll des Kirchenvorstandes von St. Maria Kassel: Es wurde verhandelt und beschlossen wie folgt: Die Kirchengemeinde St. Maria kauft von der Erbengemeinschaft Abt das Grundstück Ecke Ahnatalstr. - Harleshäuser Str., 3567 qm, zum Preis von 23.000,- DM.


7. Mai 1954

Pfr. Roßbach an Generalvikariat: Nach Überwindung endloser Schwierigkeiten ist es schließlich gelungen, den Kaufvertrag über

das Harleshäuser Grundstück abzuschließen.


12. Juni 1954

Bonifatiusverein an Pfr. Roßbach: Herr Generalvikar Günther, Fulda, legt sehr großes Gewicht auf baldige Erstellung einer Kirche in K.-Harleshausen und hat uns gebeten, das Bestmögliche zu tun. Wir haben daraufhin beschlossen, unseren Zuschuss zu erhöhen:

a)   10.000 DM für den Grunderwerb,

b)   30.000 DM für den Kirchenbau.


14. Sept. 1954

Protokollbuch des Kirchenvorstands St. Maria: Der Kirchenvorstand von St. Maria hat in der Sitzung vom 16. Juli 1954 beschlossen: Die Kirche in Kassel -Harleshausen wird nach den Plänen von Architekt Josef Bieling, Kassel, errichtet nach einem Kostenvoranschlag von 140.000,- DM. Der Beschluss wurde einstimmig gefasst.


21. Dez. 1955
Kirchengemeinde St. Maria an Belgische Armee in Kassel: Wir sagen Ihnen herzlichen Dank für die uns gewährte Hilfe beim Bau der Kath. Kirche in Harleshausen.


Franz-Josef Jordan

Bau und Einweihung

Kirchenraum während der Erstkommunion 2017 
Kirchenraum während der Erstkommunion 2017

„Wehende Fahnen, viele Gläubige, festlich gekleidete Priester in leuchtenden Messgewändern: Das war das Bild, das sich am Morgen des 11. August 1957 an der Ecke Harleshäuser Straße und Ahnatalstraße bot. Für die Katholiken der Gemeinde Harleshausen war dieses farbenprächtige Bild ein Ereignis, das sie schon Jahre herbeigesehnt hatten. Weihbischof Adolf Bolte aus Fulda weihte die neue katholische Kirche und gab ihr den Namen Herz-Mariae-Kirche". So berichtete die Presse über die Einweihung der heute 50-jährigen Pfarrei. Auf diesen Tag warteten die katholischen Gläubigen des Stadtteils Kassel-Harleshausen seit 18 Jahren auf die Einweihung  eines eigenen Gotteshauses.
Die erste der nach dem zweiten Welt­krieg neu erstandenen katholischen Kirchen in Kassel wurde dem reinsten Herzen Mariae geweiht.
„Wo Menschen die Mutter des Herrn ehren, finden sie auch den Weg zu Christus", sagte der Weihbischof zur jüngsten Kasseler Marien-Gemeinde. „Dieses Gottes­haus", so sagte der Weihbischof  weiter in seiner Festpredigt, „soll eine Oase in dem unruhigen Treiben der Großstadt sein, wo alle Menschen Ruhe und die rechte Verbindung zu Gott finden können."
Der erste Teil der Weihehandlung fand schon am Sonnabend statt. Ehrengäste waren an diesem Abend Oberbürgermeister Dr. Lauritzen, Stadtbaurat Dr. Wolfgang Bangert und der evangelische Pfarrer der Gemeinde Harleshausen, Gustav Rüppel. Die Weihe begann unter dem Läuten der Glocken der evangelischen Kirche. Weihbischof Bolte umschritt die neue Kirche dreimal und besprengte die Mauern mit Weihwasser. Zusammen mit dem Klerus und den Fahnenabordnungen nahm er dann die Kirche in Besitz. Später taufte der Bischof Altar und Kirche.
Nach dem Einzug der Reliquien-Prozession am Sonntag, bei der Reliquien der heiligen römischen Märtyrer Bonifatius und Vitalis mitgeführt wurden, strömten die Mitglieder der damals 1200 Seelen zählenden Gemeinde in das Gotteshaus. Hier legte der Bischof die Reliquien und die später von Direktor Marks (Fulda) verlesene Bau­urkunde in das Reliquiengrab auf der marmornen Altarplatte. Nach der Salbung des Altars weihte Bischof Bolte in einem feierlichen Zug die zwölf Apostelkreuze, bevor auf dem Altar Kruzifix, Kerzen und Blumen ihren Platz fanden. Die feierliche Handlung wurde durch Pfarrer August Kraft erläutert, der bis 1955 zur Muttergemeinde St. Marien gehörte und der erste katholische Seelsorger von Harleshausen war. Während der Weihe sang der Kirchenchor von St. Marien unter Kantor Hermann Schott. Mit dem Hirtenstab in der Hand, bekleidet mit dem hellen, festlichen Chormantel und der Mitra hielt Weihbischof Bolte die erste Predigt. Er kündigte neue katholische Kirchenbauten in Wilhelmshöhe und Oberzwehren an und stellte den Wiederaufbau der Elisabeth-Kirche am Friedrichsplatz in Aussicht.
„Es ist immer eine glückliche Stunde, wenn ein neues Gotteshaus entsteht. Wenn ein Volk Kirchen errichtet, ist es ein gesegnetes Volk" sagte der Bischof in seiner Predigt. „Wir freuen uns über dieses Werk. Der Dank gilt der evangelischen Kirchengemeinde Harleshausen, die uns 18 Jahre lang in ihrem Gotteshaus eine Bleibe gab". Bolte dankte weiterhin dem Architekten Joseph Bieling, den beteiligten Firmen, den Meistern und Handwerkern.
„Besonderer Dank aber gebührt dem Bonifatius-Verein, durch dessen finanzielle Mithilfe diese Kirche gebaut werden konnte.
Durch seine Mithilfe entstanden im vergangenen Jahr in der Diözese Fulda 15 Kirchen. In diesem Jahr werden 12 Kirchen gebaut." Der Bischof würdigte auch die Opfer der Gemeindemitglieder und der Katholiken in Kassel und ganz Deutschland. „Wir müssen wieder öfter in die Kirche gehen und den Weg zu Gott finden", erklärte Bolte weiterhin.
Das erste feierliche. Levitenamt zelebrierte Geistlicher Rat Heinrich Roßbach unter Assistenz der Kapläne Paul Piosik und Wolfgang Arndt.
Die eigentliche Kirche, so Architekt Joseph Bieling, ist ein Stahlbeton-Skelettbau mit einer Dachkonstruktion aus Holz. Er ist mit dem Turm, der ungefähr zehn Meter davon entfernt liegt, durch einen Wandelgang verbunden  Der Turm der Kirche ist 27 Meter hoch. Das Kreuz auf der Spitze misst acht Meter.
Als Kontrast zur Schlicht­heit des übrigen Raumes, wird der Altarraum wird von jeweils zwei farbigen, schmalen, bodentiefen Glasfenstern rechts und links des Altarkreuzes abgeschlossen. Motive sind, sich unregelmäßig wiederholend, Kreuz, Herz, Fische und Anker.
Unsere Kirche bietet ungefähr 500 Sitzplätze.
Architektonisch zählt die Kirche Herz Mariae zur sog. Nachkriegsmoderne. Diese entstand einerseits aus den Erfordernissen des schnellen Wiederaufbau der 50er und 60er Jahre des 20. Jahrhunderts nach dem Zweiten Weltkrieg, knüpfte aber andererseits bewusst wieder an die Klassische bzw. Internationale Moderne der 20er und 30er Jahre an.
Der Grundriss der 1954 begonnenen Kirche ähnelt der Form eines großen Eis. Die sich verjüngende Form weist auf das Allerheiligste, den Hochaltar. Direkt über dem Altar beginnen die welligen Rippen der weißen Betondecke in die Kirche gleichsam hineinzustrahlen. Der Kirchenraum ist von weißen, mit schlichten Oberlichtern versehenden Wänden umsäumt. Sie schließen die Gläubigen von der Außenwelt ab, damit sie sich in Ruhe und Gebor­genheit dem Gebet zuwenden können.
Mit seinem geschwungenem Dach und freistehenden Turm gilt die Kirche Herz Mariae als exemplarischer Kirchenbau der fünfziger Jahre und wurde 1990 unter Denkmalschutz gestellt.


Valdemaro Compagna/Christine Striegel
Fotos: Christine Striegel/Tung Ngo