Kirchenführer - Pfarrgemeinde Herz Mariae

Kirche Heilig-Geist

Ökumenisches Kirchenzentrum Ahnatal

Ökumenisches Kirchenzentrum Ahnatal

Dass Gemeinden unterschiedlicher Konfession zueinander finden und gemeinsam ein Haus bauen, ist außergewöhnlich.

In Ahnatal wurde nach langen, manchmal verschlungenen und steinigen Wegen dieses Ziel erreicht. Letztlich haben auch ökonomische Gründe zur Ökumene am Kammerberg verholfen...

Kirchen zusammen

Die Heilig-Geist-Kirche gehört der katholischen Gemeinde. Die evangelische Gemeinde genießt darin Gastrecht, wie vorher die Katholiken in den evangelischen Kirchen in Weimar und Heckershausen. 

Die Architektur der Heilig-Geist-Kirche in Ahnatal ist inspiriert vom Architekturstil der Postmoderne, die mit Architekturelementen der Antike "spielt" und wohl ein Spätwerk des Architekten H.J. Farwick aus Emsdetten (bei Münster) ist. Entgegen der nüchterneren Architektursprache seiner vorherigen Bauten im Münsterland wirkt diese Kirche nicht bloß funktionalistisch. Dies zeigt sich dadurch, dass einzelne Baukörper und Architekturelemente besonders hervorgehoben werden.

Zwei zylindrische Baukörper verschachteln sich ineinader, so ist der ovale Kirchenraum in den übrigen Baukörper hineingeschoben. Säulen sind wesentliche Merkmale des Eingangsbereichs. Eine halbkreisförmige, dank eines Daches aus klarem Glas, den Tages- und Jahreszeiten entsprechende, lichtdurchflutete Apsis schließt das Kirchenschiffs vorne ab. Im Innern deutet sich ein vor der Apsis in die Wand eingelassener dreieckiger, reliefartiger Architrav an, aufliegend auf einem schlichten Fries, der den gesamten Kirchenraum umsäumt. -

Der Raum besitzt eine moderne Schlichtheit; die Glasfenster im Chorbereich spielen eine entscheidende Rolle.

Städtebaulich fügt sich die Kirche-Heilig-Geist in die Umgebung ein und ergänzt sie.

Heilig-Geist-Kirche von innen
Heilig-Geist-Kirche von innen

Die Chor-Möblierung besteht aus grauem Granit, kombiniert mit hellbraunem Teakholz. Der ebenfalls aus Granit bestehende Boden bildet einen Kontrast zum Weiß der Wände und der Decke.

Leichte Rundungen wiederholen sich überall: in gewölbter Decke, der Form der Empore und auch den Bögen der Altarstufen. Altar, Taufbecken, Ambo, Tabernakel und Weihwasserbecken wirken wie vom Wasser abgeschliffene Steine. All dies wirkt beruhigend, unterstützt dadurch, dass bei entsprechendem Licht, durch die Streben des Glasdachs, wunderschöne Schattenbilder entstehen. Zu Besinnung und Gebet wird gleichsam aufgefordert und eingeladen.

Das in der Apsis frei hängende, transparente Kreuz bildet den Mittelpunkt des Lichtspiels. Das Bild des Korpus Christi, einem alten Kreuz entnommen bzw. nachempfunden, ist hineingeätzt und scheint bei entsprechendem Licht zu leuchten.

Farbige, vorwiegend aus leuchtendem, der liturgischen Farbe des Heiligen Geistes entsprechend rotem, rotem Glas bestehende Fenster flankieren den Chorbereich. Auf der rechten Seite ist eine gelbe Glasstele (katholisch) integriert und auf der linken Seite eine violette (evangelisch). Diese Komplementärfarben bringen die Apsis zusätzlich zum Strahlen.

Auf einer Bleitafel im rechten, somit katholischen Bereich, findet sich ein Zitat aus dem Lukas-Evangelium. Darin heißt es passend zur Heilig-Geist-Kirche: „Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen."


Christine Striegel/Franz-Josef Jordan

Bilder: Christine Striegel

Ein Rückblick

Pfarrer Peter Strenger und Pfarrer Heinrich Schomann verschließen die Urkunde für den Grundstein 
Pfarrer Peter Strenger und Pfarrer Heinrich Schomann verschließen die Urkunde für den Grundstein

Nach 1945 
Flüchtlinge und Zuzug von Siedlern en Neubaugebieten wächst die vor dem Krieg unbedeutende Zahl der Katholiken in Ahnatal
beträchtlich an. Die evangelischen Gemeinden Weimar und Heckershausen öffnen die Türen ihrer Kirchen, um den Katholiken regelmäßige um den Katholiken regelmäßige Gottesdienste zu ermöglichen.
1967
Die katholische Gemeinde erwirbt für den Bau einer Kirche ein Grundstück am Fuß des Kammerbergs. Das Projekt wird einige Jahre verfolgt, scheitert dann aber an den Baukosten.
1975                                                                         
Durch Begegnungen und Kontakte wird aus dem Nebeneinander der Konfessionen langsam ein Miteinander in Gesprächsrunden, Seminaren und ökumenischen Gottesdiensten.
1977       
Pfarrer Martin Schindehütte aus Heckershausen gibt ersten Anstoß für die Planung des Ökumenischen Kirchenzentrums.
1977/78
Intensive Gespräche mit Dekan Eisenberg (Kassel) und Domkapitular Mönninger (Fulda) bringen das Projekt voran.
1977
Die Organisten der evangelischen Gemeinde in Weimar übernehmen zusätzlich den Orgeldienst in den katholischen Gottesdiensten. 1978
Die evangelischen Gemeinden gründen den Kirchenbezirk Ahnatal. Ein wichtiger Schwerpunkt ist die kirchliche Arbeit am Kammerberg.
1979
Der Ökumenische Kirchenchor wird gegründet.
1979/81                                                                 
Die Planung für das Kirchenzentrum gerät ins Stocken und liegt schließlich auf Eis.       
1981             
In einem Zelt auf dem heutigen Kirchengrundstück feiern Protestanten und Katholiken gemeinsam in einem Gottesdienst die Gründung.
1982
Die evangelische Gemeinde mietet ein Reihen­haus am Kammerberg an. Es entsteht eine lebendige Ökumene mit vielen Veranstaltungen und Aktionen.
1983
Die Planung für das Kirchenzentrum geht langsam weiter. In einem Architektenwettbewerb  erhält Architekt H.J. Farwick aus Emsdetten den Zuschlag.

1983 - 1986
Architekt, Kirchenbehörden und -gemeinden beraten und planen den endgültigen Entwurf für das Kirchenzentrum.                                   

25. Okt. 1986

Der Grundstein wird gelegt.

22. Mai 1987

Die Kirchengemeinden feiern Richtfest.

24. - 31. Jan. 1988
Das Ökumenische Kirchenzentrum wird eingeweiht und mit einer Festwoche gebührend gefeiert.