Kirchenführer - Pfarrgemeinde Herz Mariae: Heilig-Geist-Kirche

Feuersäulen

Die Chorfenster der Heilig-Geist-Kirche in Ahnatal

Altarraum in der Heilig-Geist-Kirche
Altarraum in der Heilig-Geist-Kirche

Über das helle Glasdach der Apsis strömt Licht in die schlichte, weiße Kirche und hebt Altar, Glaskreuz und Tabernakel besonders hervor. Ruhe und Feierlichkeit gehen von dieser Mitte aus. Farbige Eckfenster fassen den Chorraum seitlich ein. Gestaltet hat sie der Wiesbadener Glasmaler Karl-Martin Hartmann. Die langen, schmalen Fenster ragen vom Boden bis zur Höhe der Apsis auf.


Unterschiedliche Rottöne bestimmen das Bild. Man hat den Eindruck von Feuer, das in Säulen aufsteigt. Der Säulencharakter wird noch dadurch verstärkt, dass die Eckfenster in den Kirchenraum vorspringen und eine räumliche Skulptur bilden.


Das Feuer hat sich unterschiedlich über die Säulen ausgebreitet. Es gibt ganz dunkle Glaselemente, die noch "tot" sind oder gerade erst Wärme empfangen, andere dagegen glühen bereits in voller Stärke. Im oberen Teil wird die Gewalt des Feuers deutlich. Wie bei einem Vulkanausbruch wird glühendes Material herausgeschleudert. Trotz der eruptiven Gewalt haben die Feuersäulen nichts Zerstörerisches an sich. Weiße Gläser rahmen die Säulen ein und bändigen das Feuer.


Man könnte Bilder göttlichen Wirkens aus der Bibel vor sich sehen, die mit Feuer verbunden sind: den brennenden Dornbusch bei Moses, die Feuersäule, die den Israeliten den Weg durch die Wüste weist, die Feuerzungen beim Pfingstereignis.


Die Fenster erhalten noch deutliche Akzente durch vorgesetzte andersfarbige Glastafeln und Stelen. Auf der rechten Seite fällt hinter dem Taufbecken eine gelbe Glastafel auf. Dort ist in einem Feld aus Blei in lateinischer Sprache ein Schrifttext aus dem Lukasevangelium (Lk. 3,15-18) eingraviert. In dem Auszug aus der Predigt Johannes' des Täufers heiß es u.a.: Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen... "


Auf der linken Chorseite ist eine kleinteilig verbleite Stele dem Fenster vorgesetzt. Dieses "Kostbarkeitsfeld" funkelt in der Sonne. Es deutet auf die Verheißung des himmlischen Jerusalems hin. Eine vorgesetzte violette Tafel bildet das Gegenstück zu der gelben Tafel auf der anderen Seite.


Gelb und Violett, Komplementärfarben, die in einem leichten Spannungsverhältnis zueinander stehen. In unserem Ökumenischen Kirchenzentrum auch: Gelb für den katholischen, Violett für den evangelischen Teil der Kirche, in einem Kirchenraum hoffnungsvoll vereint, als Komplementärfarben sich ergänzend und gegenseitig belebend.


Franz-Josef Jordan

Foto: Franz-Josef Jordan