Friedhöfe | Pfarrgemeinde Herz Mariae

Friedhof

Die heute übliche Bezeichnung „Friedhof“ für einen gemeinschaftlichen, öffentlichen Begräbnisplatz leitet sich von seiner „Umfriedung“ ab. Erst nachträglich ist ihm die Bedeutung von Friede zugewachsen. „Kirchhof“ wird der in hoch- und spätmittelalterlicher Tradition stehende Begräbnisplatz um eine Kirche benannt. In mittelalterlichen Quellen werden sowohl innerörtliche als auch außerhalb gelegene Begräbnisplätze als „coemeterium“, also Schlaf- oder Ruhestätte, bezeichnet  (Sörries, Reiner/ Großes Lexikon der Bestattungs- und Friedhofskultur. Wörterbuch zur Sepulkralkultur, 1: Volkskundlich-kulturgeschichtlicher Teil, von Abdankung bis Zweitbestattung. Braunschweig 2002, S. 89).

Früher war eine Ostung bei der Bestattung üblich: Die Verstorbenen wurden so beigesetzt, dass ihre Gesichter in Himmelsrichtung Osten blicken. Dort erwarten die Verstorbenen nach christlicher Auffassung am Jüngsten Tag die Wiederkunft, das zweite Kommen Jesu Christi. Im Mittelalter ließen sich auch schon Abweichungen von der Ostung von Gräbern feststellen; denn dann waren diese auf eine Reliquie hin orientiert.

August Macke, Auf dem Friedhof in Thun, 1914, Aquarell 
August Macke, Auf dem Friedhof in Thun, 1914, Aquarell

Kurze Geschichte des Friedhofs

Üblicherweise wurden früher die Bestattungen um die Kirche herum, also innerhalb der Städte oder Dörfer, angelegt. Gesucht war eine Bestattung „ad sanctos“. Im mittelalterlichen Kirchhof hatten die Toten an den segensreichen Wirkungen der Reliquien und den gottesdienstlichen Handlungen Anteil (obwohl später die Bestattung dort als soziales Privileg genutzt wurde).

Wichtig war der Verbleib innerhalb des Kirchhofs, der in die gottesdienstlichen Feiern einbezogen war. Die Bestattungen waren anonym, da der Einzelne auch im Tod in der Gemeinschaft aufgehoben war. Dies erstreckte sich bis zu den Lebenden, denen der Kirchhof nicht nur für kirchliche Handlungen, sondern auch weltlichen Zwecken, nämlich als Treffpunkt, Handelsplatz, Theater, für die Viehweide, den Obstanbau oder die Grasmad diente.

Nachdem durch die Reformation die Reliquien ihre Bedeutung verloren hatten und postume Fürbitten abgelehnt wurden, gestattete zudem ein eklatanter Platzmangel nicht mehr, die zahlreichen Toten auf dem Kirchhof zu bestatten. Jegliche Bestrebungen, eine Verlegung der Begräbnisplätze aus gesundheitspolitischen Gründen nach „draußen“ durchzusetzen, waren zuvor auf Widerstand gestoßen. - In den protestantischen Gebieten erfolgte im 16. Jahrhundert eine Welle von Verlegungen der Bestattungsplätze.

So endete die traditionelle Kirchhofbestattung durch die Einrichtung von Friedhöfen vor den Städten auch bei den Katholiken. Die gesellschaftlichen Umwälzungen der Zeit mit ihrer „Entdeckung des Individuums“ brachten auch bei den Katholiken das individuelle Totengedenken durch Angehörige und Freunde und lösten die Ausrichtung auf die „Begleitung" des Toten "ins Jenseits“ ab.

So wurden auch die Toten nicht länger streng nach Osten ausgerichtet. Stattdessen wurde die Lage der Grabstätten an den Wegen, also auf die Besucher des Friedhofes hin ausgerichtet, wenngleich die Ostung der Gräber noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts die vorherrschende Ausrichtung der Grabstätten blieb.

Die oberirdische Kennzeichnung der Gräber auf einem Friedhof erfolgte ab jetzt üblicherweise durch einen Grabstein.

Die Haupt-Unterschiede zwischen katholischen und protestantischen Bestattungen ergeben sich aus der Ausstattung der Grablegen. Da die Reformatoren Symbole weitgehend beseitigt hatten (und auch die Wallfahrt ablehnten), gab und gibt es bei den Protestanten keine Grabbeigaben. Denn für Protestanten ist die Bestattung das Verkünden des Evangeliums für die Lebenden, um ihnen die Hoffnung auf die Auferstehung Christi zu geben. Sie dient dem Beweinen und Betrauern der Liebe des Toten und der Zurückgebliebenen, soll an den eigenen Tod erinnern und zur Vorbereitung auf diesen auffordern. Es gibt keine Totenmesse, da sie ebenfalls eine Fürsorge für den Verstorbenen darstellt, sondern ein Abendmahl im Rahmen des Gottesdienstes, das an Jesus Christus erinnern soll.

Für Katholiken sind neben dem Grabstein bzw.-kreuz Leuchte und das Gefäß mit Weihwasser Zeichen des Gedenkens. Das Requiem, „Ewige Ruhe“, die Totenmesse, ist die katholische Feier, der Trauergottesdienst mit Gesang für den Verstorbenen – am Tag der Bestattung und auch zum ersten Jahres-Begräbnistag. Die Heilige Schrift hält Christen zur Nächstenliebe an. In diesem Sinne steht man Trauernden bei und gibt Kraft. Die Trauer muss nicht im Verborgenen stattfinden, und es darf geweint werden.

Die radikalste Umwälzung im Bestattungswesen etablierte sich Ende des 19. Jahrhunderts mit der Feuerbestattung zunächst bei einer aufgeklärtreformorientierten Minderheit aus dem protestantischen Bürgertum. Im katholischen Kirchenrecht wurde das Verbot von Feuerbestattungen 1964 aufgehoben.